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Was ich noch sagen wollte über....Spiele, Preise, Qualitäten
Autor:Claudia K.
03.06.2010

Wer die Editiorials und meine Nachlesen liest hat es längst gemerkt. Seit Monaten schon bemängele ich immer wieder die Qualität von Spielen und vor allem die Gründe, die zu den zu kurzen und den vielen, vielen schlechten Spielen geführt haben, die uns angeboten werden. Immer wieder habe ich darauf hingewiesen: Für den Preis den wir jetzt bezahlen, bekommen wir oft (aber nicht immer) den machbaren Gegenwert. Im Großen und Ganzen aber hat die Branche zwar geflüstert, war wütend, frustriert, aber mehr hinter geschlossenen Türen. Laut ausgesprochen wurde es nur selten.

Heute dann gab es auf einer der größten amerikanischen Seiten, Gamezebo, einen Artikel: "Wo sind die guten Spiele hin". Joel, der Gründer und Eigentümer von Gamezebo legt dort aus, dass es immer weniger Spiele gibt, die Spiele in Länge, Spielqualität und (im englischen) Sprache immer schlechter werden. Er zeigt auf, dass es weniger Portale gibt, auf denen ein Entwickler sein Spiel präsentieren kann, weniger Geld für Entwickler um neue Spiele, neue Spielkonzepte zu entwickeln. Und stellt klar: Gute Entwickler aus der Casual Games Branche wandern ab, machen lieber Spiele für I-Phone oder Facebook. Das ist weniger aufwendig in Zeit und Geld und bringt bessere Gewinne. (Orignal Artikel ist hier nachzulesen.)

Das allein war schon erstaunlich. Noch erstaunlicher aber sind einige der Reaktionen. Nicht nur, dass viele Spieler aufzeigen, dass auch sie die Zusammenhänge schon erfasst oder erahnt haben. Einige Entwickler haben sich ebenfalls zu Wort gemeldet. Teilweise mit Ausreden und teilweise mit Bestätigung, dass Joel in vielen Punkten Recht hat. Am erstaunlichsten und aussagekräftigsten aber war die Wortmeldung eines "Users" picman 050957. Im richtigen Leben heißt dieser Mann Paul Thelen und ist Eigentümer des Spieleportals, dass etwa 50% des kompletten Casual Game Marktes bestimmt. Richtig, Paul Thelen ist der Chef von BigFish Games.

Herr Thelen lässt uns unter anderem Folgendes wissen (Original Kommentar findet sich unter dem Original Artikel):
"Nicht BFG hat die Preise gesenkt, sondern RealArcade und Amazon.com. Wir haben uns nur angepasst, um konkurrenzfähig zu blieben"

Mein Herz schwillt wirklich vor Mitleid über. Die, die den Markt auch Anfang 2009 schon angeführt haben, wurden von Kleineren gewzungen, die Preise drastisch zu senken. Ob man sie auch dazu gezwungen hat, eine ganze Zeit voher große Kredite aufzunehmen, um den ersten "Abschwung" der Finanzen aufzufangen? Oder dazu, Entwicklern drastisch niedrigere Ausschüttungen zu zahlen? Wurden sie auch gezwungen über riesige Produktionskosten zu reden, die aber in vielen Spielen nicht anfallen, da BFG viele Spiele zur Hälfte bis zu einem Drittel billiger in der Ukraine produzieren lässt? Zu wer weiß welchen Bedingungen? Oder zu Produktionskosten, die nicht in Spielzeit und Spielmechanik gehen sondern in Videoaufnahmen in Brasilien? Oder dazu, Spiele weder auf Fehler noch auf Sprache zu korrigieren? Spiele, die einfach schnell gemacht wurden, weil für mehr Zeit das Geld fehlte? Ein kleines Beispiel aus der jüngeren Zeit: Die vergessenen Fälle der 221b Baker Street. BigFish Games weiss, dass dieses Spiel einen Fehler hat. Eine Fehler, der jeden Spieler davon abhalten wird, das Spiel zu Ende zu spielen. Es wird trotzdem beworben, es wird trotzdem verkauft. Fragt ein Spieler um Rat und Hilfe, bekommt er einen Gutschein und den Hinweis, dass es irgendwann ein Update geben wird. Wieviele Spieler aber fragen nicht? Aus Unwissenheit zum Beispiel? Und das ist nur eines von zahllosen Beispielen.

"Wenn man sich einige Spiele in den letzten 12 Monaten anschaut, die sind mit einem viel höheren Produktionsaufwand und höherer Qualität gemacht worden als das noch vor drei Jahren möglich gewesen wäre." Er nennt dann MCF: Dire Grove, Drawn, Life Quest aus den BigFish Studios und Puppet Show, Love Chronicles, Dark Parables, Diner Dash Boom, Ranch Rush 2, My Kingdom for Princess (Ritter Arthur: Die Prinzessin und ich) von anderen Entwicklern.

Nun ja, als Erstes sei mal gesagt: Vor drei Jahren waren auch I-phone/I-pod etc nicht so aufwendig wie heute. Die Autoindustrie hat in drei Jahren viel an den Wagen verbessert. Und das ein drei Jahre alter Computer mit drei Jahre alter Software heute nur noch dann mithalten kann, wenn er sämtliche Updates hat, ist auch keine große Neuigkeit. Wo also ist der Grund für eine Hymne auf Fortschritte in der Spielewelt?

MCF: Dire Grove und Drawn sind beide nicht aussergewöhnlich. Life Quest habe ich nur angespielt, es schien mir nicht übermäßig interessant. Die anderen die er nennt, sind nicht von BFG oder wie im Fall von Puppet Show, nicht von BFG Studios aber einem"angeschlossenen" Entwicklerteam in der Ukraine zu Niedrigpreisen produziert. Diner Dash Boom ist von Playfirst und nur noch dem Namen nach ein eigenes Unternehmen, es wurde mit BFG zusammengelegt und war nicht der Brüller der Nation. Ritter Arthur ist vom größten russischen Portal/Entwickler Nevosoft, also nicht ausschließlich abhängig vom amerikanischen, BFG bestimmten Markt. Damit will ich auch nicht sagen, dass nicht zum Beispiel Prinzessin Isabelle, Love Chronicles oder gar Ritter Arthur schlecht sind. Es sind großartige Spiele und gerade diese sicher mehr wert als 5,99 €. Aber da ist der Haken.

Es gibt einige wenige Spiele, die über dem Preis/Leistungsverhältnis stehen. Spiele, die nicht nur qualitativ im Sinne von Graphic, Sound, Sprache, Spielmechanik (wie bewegst du dich im Spiel) hochwertig sind. Sondern auch in Spiellänge, Wiederspielwert, Anspruch.
Aber genau da hapert es den meisten. Es macht mich wütend, wenn ein Spiel nach 2-3 Stunden abgebrochen und die Fortsetzung angekündigt wird. Es treibt mich in den Wahnsinn und zur Sonnenbrille, dass in den Spielen alles glitzert und glänzt, damit der Spieler ja nicht selber denken, entdecken, erforschen kann. Ich kriege eine mittelschwere Krise, wenn Gegenstände einfach in die Szenen hineingeworfen werden (von der Schwerkraft will ich hier gar nicht erst reden ;)) und dann transparent gemacht werden, damit sie nicht sofort sichtbar sind. Solche Spiele sind im Zweifel nicht mal die 5,99 wert.

Dafür werden uns dann Spiele, für die man den Preis von ($6.99) € 5,99 akzeptieren kann mit ein paar Wallpapers, ein paar Skizzen der Künstler und einer meist gekürzten und oft auch nicht korrekten Lösung angeboten für ($19,95) € 16,95 angeboten. Die zusätzliche Spielzeit besteht bis auf zwei Ausnahmen (Royal Envoy und Love Chronicles) aus ca. 10-20 Minuten zusätzlicher Spielzeit. Ich habe mich darüber schon mehrmals ausgelassen und will hier damit nicht wieder anfangen. Nur: Sie sind ein weiteres Symptom.

Spiele werden schlechter. Und zwar schlechter im Vergleich zu dem, was uns vor dem Preisdumping geboten wurde. Sie werden schlechter in Grafiken. Sie werden schlechter in Bezug auf den Spielspaß. Sie sind so kurz, dass ich für einen Großteil der Spiele weniger Zeit benötige als für den Wocheneinkauf. Es werden Premium-Editionen (Collector/Sammler) angeboten, deren Vorteil darin liegt, sein Aquarium als Emailanhang (Fishdom 2) zu verschicken oder einen, für gewöhnlichlich im normalen Spiel enthaltenen, Endlosspiel-Modus spielen zu können (Ranch Rush 2). Spiele, die vorher in der gleichen Form für 5,99 angeboten wurden, sind plötzlich Premium-Edition (Big City Adventure).

Neben der Sinnlosigkeit von endlosen Wallpapers und Bildschirmschonern bergen die Premium Editionen noch eine andere Gefahr. Der Spieler wird des Entwicklers überdrüssig, denkt sich beim nächsten Spiel: "Der hat doch schon beim ersten Mal nix Besonderes gebracht". Und wird damit vielleicht ein wirklich gutes Spiel verpassen.

Es gibt viele schlechte Entwicklungen in der Casual Games Branche. Böse Entwicklungen. Viele davon ausgelöst durch den größten Anbieter von Casual Games. Dass dessen Boss es für nötig hält einen Artikel zu diesem Thema zu kommentieren zeigt, wie sehr Joel den wunden Punkt getroffen hat. Das andere Entwickler sich ebenfalls äußern zeigt, je nach Art der Meinung, ob sie von BFG abhängig sind oder nicht.

Aber es gibt auch gute Entwicklungen. Kritische Spieler, die nicht einfach alles hinnehmen und so den Portalen und Entwicklern zeigen, was sie wollen und nicht. Entwickler, die wirklich auf ihre Kunden hören, die Beta-Versionen nicht als "Probierhäppchen" unter die Leute werfen, sondern wirklich lesen und bei Bedarf ändern.

Hört nicht auf damit, ihr Spieler. Seid kritisch, verlangt das Beste, was man euch für 5.99 geben kann. Aber verlangt nicht mehr als man euch geben kann. Rückkehr nach Ravenhearst kann man nicht für 5,99 produzieren. Ich denke, die meisten Spieler sind bereit für ein wirklich gutes Spiel auch etwas mehr zu bezahlen. Solange es nicht der dreifache Preis für die einfache Menge ist. Boykottiert solche Dinge, kauft solche Editionen erst, wenn ihr euch im Internet kundig gemacht habt, was wirklich drin ist, in dem höheren Preis. Macht euren Unmut deutlich. Geht in die verschiedenen Foren und sagt was ihr denkt. Denn glaubt mir, Entwickler und Portale lesen in den Foren. Sie wollen wissen, was der Spieler sagt, denn nur so können sie herausfinden, was ein Spieler wirklich will. Und darauf aufbauend das nächste Spiel planen.

Denn eines ist klar - jedes Geschäft läuft nur, so lange es eine Nachfrage gibt. Wenn kritische Kunden nur hochwertige Produkte kaufen, wird der Unternehmer umdenken müssen.

Auch bei uns könnt ihr sagen was ihr denkt (ohne Registrierung auch als Gast möglich). Nutzt die Gelegenheit. Lasst nicht zu, dass eine Branche im Schweigen versinkt und still mit ansieht, wie einige wenige einen Unternehmenszweig an sich reissen und ihn nach ihrem Willen formen wollen. Ohne Euch kann kein Entwickler und kein Portal wirklich bestehen.

Eure


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