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Casual Games und die Rezession
Einige Gedanken (eigene und die Anderer)

Casual Games und die Rezession

Ich habe heute auf Gamezebo einen Artikel über Casual Games und die Rezession gelesen, der mich hat nachdenken lassen, der mich angeregt hat, über dieses Thema mehr nachzudenken. Teile dieses Artikels, auf den ich mich beziehe, habe ich vom Original übersetzt. Den kompletten Originalarktikel kannst Du hier nachlesen.

“Es gibt zwei Geschäftszweige, die eine Rezession überleben können,” sagt Silvio zu seinem Boss in einer Episode der Sopranos, “Unterhaltung und unser Geschäft.”

Und viele in der Casual Game Branche neigen dazu, Silvio zuzustimmen, zumindest was die Unterhaltung betrifft ;). Einige glauben sogar, dass die Causal Games Industrie im nächsten Jahr sogar einen erheblichen Zuwachs haben wird. Für mich hört sich das eher wie ein hoffnungsvoller Traum an als nach ernstzunehmende Expandierungspläne.

2009 wird das Jahr der globalen Rezession werden. Und wer etwas anderes sagt ist entweder Politiker oder naiv. Wir wissen es, wir fühlen es. Und so wie fast jeder Bereich unserer und vor allem der amerikanischen Wirtschaft umdenken muss, muss 2009 zu überleben, so muss sich auch die Casual Game Industrie Gedanken machen.

Es ist schon so: In harten Zeiten wenden sich viele Menschen der Unterhaltung zu. Sie wollen sich ablenken von der Realität, von ihren Problemen. Und es erheblich billiger, sich ein Spiel herunter zu laden als zum Beispiel ins Kino zu gehen. Als es in den USA in den 30iger Jahren zur grossen Depression kam, begann gleichzeitig das goldene Zeitalter von Hollywood. Es war die Ablenkung, die die Menschen damals für wenig Geld in die Kinos lockte.

Nun hat die Rezession im Moment bei uns noch nicht solche Auswirkungen wie in den USA. Dort verlieren täglich Menschen ihr Haus, ihre Ersparnisse, ihre Jobs. Und da das soziale Netz dort erheblich grössere Lücken hat als das unsrige, ist es dort für sehr viel mehr Menschen die bittere Realität, dass sie morgens nicht wissen, wie sie abends ihre Kinder füttern sollen. Menschen, denen die Schulden täglich höher über den Kopf hinauswachsen, haben kein Budget für irgendeine Art der Unterhaltung. Auch wenn Casual Games eine günstige Art der Ablenkung darstellen.
Was das mit uns zu tun hat, ist leicht erkennbar. Die Casual Game Industrie hat nun mal ihre Haupteinnahmequelle in den USA. Wenn auch die Entwickler selbst oft ganz woanders sitzen, verkauft werden die Spiele in erster Linie in den USA. Nur, wenn dort keine Spiele mehr verkauft werden (oder eben deutlich weniger), dann werden viele der kleineren, unabhängigen Unternehmen und Entwickler dass spüren. Ihnen wird einfach das Geld fehlen, ein Spiel zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Und das heisst, dass auf dem nicht-englisch-sprachigen Markt noch weniger ankommt, als dies eh schon der Fall ist.

Das Budget für ein Casual Game liegt zwischen 100.000 – 500.000 US Dollar (Quelle: Causual Connect). Das ist eine Menge Geld. Und muss erst einmal da sein, bevor man es ausgeben kann. Normalerweise wird das durch Geldgeber vorfinanziert, die sich bisher sicher sein konnten, ihr Geld auch zurück zu bekommen. Nun ist der Finanzmarkt eingefroren. Nicht nur, dass niemand mehr ein Risiko eingehen will, es ist einfach kein Geld da, mit dem ein Risiko eingegangen werden kann. Kleinere Entwickler oder neue Firmen, die eh noch mit den Beginnerkosten zu kämpfen haben werden in den Zeiten einer Rezession kaum eine Chance haben, wirklich auf die Beine zu kommen.

Jetzt könnte man denken, dass zumindest im Bereich der kostenlosen Onlinegames so einiges zu machen ist. Fakt ist, aber, dass es erheblich schwieriger für Spieleentwickler sein wird, mit den kostenlosen Spielen Geld zu machen. Diese Spiele finanzieren sich durch die Werbung, die auf diesen Seite geschaltet wird. Wenn aber der Konsument grundsätzlich wenig Geld hat, um irgendwelche Produkte zu kaufen, dann wird der Werbeetat gesenkt. Es macht wenig Sinn ein Produkt zu bewerben, dass sich niemand leisten kann (schon gemerkt, dass es kaum noch Autowerbung im TV gibt?) Durchschnittlich wird das Werbebudget für Online-Werbung im nächsten Jahr um ca. 40% gesenkt. Wenn man dann bedenkt, dass die grundsätzlich niedrigen Sätze für Online-Werbung ($ 0,5 bis $ 1 per Mausklick) dann noch geringer ausfallen werden, ist leicht vorstellbar, dass auch hier keine Gewinne mehr möglich sind, bzw. nur noch ein deutlich geringerer.
Was also wird uns, die Spieler im nächsten Jahr erwarten?

Eine, für den Kunden positive, Folge könnte sein, dass die Spiele günstiger werden. Einige der grossen Portale haben ja bereits das Clubsystem von Bigfish auf die ein oder andere Art übernommen. Andere werden sicher folgen. In Deutschland bieten sowohl Bigfish als auch Deutschland-spielt bereits Diskountpreise für Clubmitglieder an, Zylom bietet spezielle Rabatte auf bestimmte Spiele. Aber der Grundpreis für ein Spiel, um die 20,oo Euro ist einfach zu hoch. Denn auch wenn unsere Situation nicht ganz so hart ist, wie die vieler Amerikaner, wer von Harz IV lebt oder ein niedriges Einkommen hat, für den sind 20 Euro der Einkauf einer ganzen Woche. Wenn der Preis bei 5, oo bis 6,oo Euro liegt, wird so mancher eher überlegen, ob er nicht vielleicht doch…..

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass wir im nächsten Jahr mehr Spiele bekommen, die mit kleinem Budget zusammengestrickt werden. Und das nach einem Jahr, in dem uns die Spieleindustrie durchaus mit Spielen verwöhnt hat, die ein deutlich hohes Produktionsbudget hatten. Return to Ravenhurst ist sicherlich das herausragendste Beispiel, aber es gab auch andere, die durch innovative Ideen, grossartige Grafiken und ausgefeilte Spielvariationen aufgefallen sind. Ich denke, wir können uns im nächsten Jahr auf diverse Nummern 3, 4, 5 einstellen, die wie Diner Dash gemacht sind. 2 andere Farben und ein anderer Name und schwupp wir haben ein “neues” Game.

Das ist nachvollziehbar, denn wenn die Preise sinken und weniger Leute kaufen, dann muss der Entwickler mehr Spiele auf den Markt bringen, um die nötigen Gewinne zu machen. Da er aber ein geringeres Budget zur Verfügung hat, müssen Abstriche gemacht werden. Nicht Neuentwicklung sondern Umgestaltung. Das spart Zeit und Arbeitskräfte. Wenn die Grafiken schon alle vorhanden sind, braucht es nur einen Grafiker, der die Haarfarbe ändert, kein Team, dass eine komplett neue Szene entwickelt.
Die Quantität wird wieder vor der Qualität stehen, dabei war 2008 ein Jahr, in dem wir qualitativ verwöhnt wurden. Aber viele Spieler sehen eh weniger auf die Qualität. Ein Spiel ist bei Bigfish noch nicht einmal für alle Spieler erhältlich, da werden schon die ersten Rufe laut: “Wann kommt die Fortsetzung?” “Kann die nächste Folge kaum abwarten!” – Und kommt ein Wimmelbildspiel auf den Markt rufen die Zeitmanagement – Fans “Wir wollen auch”und umgekehrt. Es herrscht bei den Entwicklern ein gewisser Druck. Befriedigen sie nicht die unersättlichen Mäuler ihrer hungrigen Jungen, tut es ein anderer.
Das aber wird im nächsten Jahr schwieriger. Um so grösser dann die Versuchung, eine Kopie des vorherigen zu bringen und quasi nur den Titel zu ändern.

Aber es wird auch Gewinner geben. Die grossen Unternehmen, die grosse Gewinne einbringen und grosse Geldreserven haben. Big Fish wird sicherlich im kommenden Jahr noch grösser werden, ebenso Real Network. Schon heute haben sie viele Spieleentwickler unter Vertrag und werden in den kommen Zeiten viel günstiger bekommen, was sie wollen und brauchen. Ein Entwickler, der bisher unabhängig bleiben wollte, wird im nächsten Jahr nicht mehr in der Position sein, zu verhandeln, wenn er arbeiten (und, beruflich gesehen, überleben) will.
Unternehmen wie Bigfish haben das Geld für die grossen Spiele, die ihnen dann auch bei niedrigeren Chargen die grossen Gewinne bringen werden.

Und mit ein wenig Glück werden die Spieler Gewinner sein. Niedrigere Preise, die helfen werden, die nicht gerade rosigen Zeiten, die auf uns zukommen, ab und an einfach vergessen zu können.

Eure


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