A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | 0-9
links to Forum/Spenden/Facebook Spenden forum facebook


img
Three Cards to Dead Time
Nachlese

Herausgeber: BigFinish Games
Entwickler: RealArcade

Autor: Sonja R.
deutsche Version: 26.05.2010

Wenn Du auch bewerten möchtest, dann geht es hier lang

Jess Silloway's Träume sind noch immer von einem Geist beherrscht. Nach ihrem Abenteuer in 3 Cards to Midnight führt sie der Geist diesmal zu einem Bed&Breakfast an der Küste von Main, das acht Jahre zuvor auf mysteriöse Weise zerstört wurde und nun voller Geister steckt. Viele Geisterjäger machen sich gerade auf den Weg für die kommende Halloween-Untersuchung, aber nur Jess kann wirklich eine Verbindung zu der anderen Seite erhaschen. Aber warum sie? Sie kennt die Frau aus ihren Träumen nicht, wusste nicht, dass Beacon Bay überhaupt exestierte. Sie ist sich sicher, sie hat keine Verbindung mit diesem Ort, keine Geschichte. Aber dann.... beginnt irgendetwas sich... bekannt an zu fühlen....

Wer den Vorgänger kennt, dem dürfte vieles bekannt vorkommen - auch wenn es einige kleine Änderungen gegeben hat. Manche sind zum Vorteil, andere zum Nachteil. Das meiste ist gleich geblieben wie das fehlende Zeitlimit. Ausserdem gibt es wieder drei Schwierigkeitsstufen, worin leicht und der mittlere Challenge-Modus keinen Unterschied von den Grundbedingungen her aufweisen. Anders ist es da schon beim Gamer-Modus. Während du dir auf den unteren beiden Stufen 9 Fehlklicks erlauben darfst, sind es im Gamer-Modus nur 5. Deine Tipps werden nur auf einen einzigen aufgefüllt, in den anderen beiden auf drei pro spielbarer Karte. Am ausgeprägtesten ist der Unterschied aber in der Anzahl der zu suchenden Objekte, im Gamer-Modus gibt es gut 1/3 mehr.

Daraus bestehen die Kapitel: Aus Tarotkarten. Die klickst du an und kommst in eine Suchszene. Hier findest du aber keine Suchliste vor, sondern leere Felder, die du selbst auffüllen musst. Dazu bekommst du vom Spiel Oberbegriffe wie z.B. Schneiden, unterirdisch oder Phobien. Nach diesen Oberbegriffen musst du alles in der Szene zusammensuchen, das damit assoziiert wird. Für jeden gefundenen Gegenstand gibt es 10 Punkte, für 100 Punkte einen zusätzlichen Tipp.

Dabei hast du bis zu drei Oberbegriffe auf einmal, deren zu füllende Felder durch Anklicken des Begriffs aktiviert werden. Erspähst du also etwas, das unterirdisch lebt, musst du auf den Oberbegriff "unterirdisch" klicken, damit die Felder dafür sichtbar sind. Tust du es nicht, wird dir ein Fehlklick abgezogen. Sind die auf Null herunter, fängst du von vorne an.

Die Tatsache, dass du immer den richtigen Begriff aktiv haben musst, erschwert die Angelegenheit. Aber nicht so sehr, wie die etwas komischen Gedankengänge der Entwickler. Es muss häufig um die Ecke gedacht werden, aber was soll man tun, wenn um diese gedachte Ecke nichts ist, was mit dem Oberbegriff assoziierbar ist? Ich für meinen Teil habe das Spiel verflucht und die Menschen, die da offenbar eine etwas komische Phantasie hatten.

Da gibt es zum Beispiel den Begriff "Nummern". Dazu gehört ein Globus. Warum? Keine Ahnung. Unter "Mund" fällt bei denen die Flamme eines Feuerzeugs. Und das sind nur zwei von vielen Beispielen. Das Spielprinzip ist klasse, aber Nahrung für Wutausbrüche, wenn die gesuchten Objekte einfach nicht mit den Oberbegriffen in Verbindung gebracht werden können.

Mit den Verbindungen ist das ähnlich. Sie bilden ebenfalls öfters einen Teil der Suchkategorien. Wenn man das Wort "Sex" sieht, denkt man schon auch an die beiden anderen "Drugs" und "Rock'n'Roll". Aber warum, bitte, entstehen bei einem Comicheft Blasen und was hat eine Schallplatte mit Sonnenlicht zu tun?

Solche Schnitzer schrauben den eigentlich vorhandenen Spielspass herunter, aber nicht so sehr wie die Minispiele. Sie sind toll gemacht, in die Handlung involviert, aber 99 Prozent aller Spieler werden sie direkt überspringen. Nicht, weil sie keine Lust darauf haben, sondern weil es ihnen nicht möglich ist, sie zu lösen. Eigentlich ist das unendlich schade.

Das hat zwei Gründe: Abgesehen von einer eher spärlichen, aber verständlichen Erklärung was zu tun ist, gibt es keinerlei Hinweis auf die Lösung. Du siehst da ein Blatt Papier mit Punkten. Diese Punkte müssen zu einer Bleistiftzeichnung verbunden werden. Aber musst du alle Punkte verwenden? Dürfen oder müssen sich Linien überkreuzen? Dürfen sie es nicht? Was muss da überhaupt gezeichnet werden? Du stehst da wie ein Depp und versuchst nach drei Tagen immer noch, das richtige Bild zu zeichnen.

Aaaaaber noch besser ist ja das Handy. Man hat zumindest für Spieler, die ohne Ton spielen und eventuelle Hörgeschädigte diesmal in den Optionen die Möglichkeit eingebaut, Untertitel während der Filmsequenzen einzublenden. Bravo! Und dann das Handy-Spiel. Du hörst eine Melodie, die in keinster Weise visuell unterstützt wird und musst auf den Handytasten diese Melodie nachtippen. Die Töne der Melodie hören sich völlig normal an, wie Telefontasten piepen, weiss jeder. Für jemanden, der unmusikalisch ist, ist es völlig unmöglich, das hinzukriegen. Und für jemanden, der nicht hören kann oder will erst recht.

Von der Unart, den Spieler bis zum Ende des Minispiels im Unklaren zu lassen, ob er auf dem richtigen Weg ist, will ich mal gar nicht reden. Die Richtigkeit der eingetippten Nummer erfährst du erst am Ende des Minispiels, beim Puzzlen einer Schallplatte bleiben alle Teile beweglich, bis sie fertig ist. Ganz zu Beginn hast du nicht den kleinsten Hinweis bei dem Fotorätsel, ob wenigstens ein Gegenstand mal richtig platziert ist. Und bei dem Zuordnen der Erfindungen in die richtigen Jahre erfährst du auch erst zum Schluss, ob deine Sortierung richtig ist. Die Erfindung der Blindenschrift haben sie denn auch einfach mal ins Jahr 1821 verlegt, obwohl das 1825 war.

Aber eins muss man den Minispielen lassen: Sie sind reichhaltig und keine leichte Kost, wahrscheinlich dauern sie länger als die knapp 8 Kapitel des Spiels. Wenn man sie denn bewältigt. Bei den meisten wird sich die Spielzeit erheblich verkürzen, weil sie bei der Handhabung der Rätsel schlichtweg die Lust verlieren.

Bleibt noch die Grafik, Hintergrundmusik und -geräusche. Das ist alles gut gelungen und ein wesentlicher Grund, inklusive der eigentlichen Spielidee, dass das Spiel diese Wertung erlangt. Ohne dieses wäre es erbarmungslos abgestürzt.

Bei Three Cards to Midnight wurde schon dieser Mist gebaut und jetzt wurde nichts dazu gelernt. Aus Ignoranz? Aus Dummheit? Aus Überheblichkeit? Aus welchen Gründen auch immer, das darf so nicht sein. Wer viel Geduld für die Minispiele mitbringt und mit guten Nerven ausgestattet ist, sollte sich daran versuchen - aber nur vorsichtig.

Copyright © 2008- 2017 Gamesetter.com

Go to top