Vertrag mit dem Teufel



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Herausgeber: Gamehouse
Entwickler: Az-art Dev. Studio

Download: BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 09.07.2015


Lang, anspruchsvoll, aber doch mit Minuspunkten
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Ein Brief bringt dich, gemeinsam mit deiner Tochter Lisa, in das Haus eines Fremden. Es gäbe Dinge, die du über Lisa wissen musst, hatte er geschrieben. Als John McGraw dich kurz nach deiner Ankunft bittet, dir einen alten Spiegel anzusehen, geschieht das Schreckliche. Deine Tochter Lisa wird in den Spiegel gezogen, der Fremde gleich hinterher und Browne, der aussieht wie ein irisher Leprechaun, erzählt dir, dass du Lisa nur retten kannst, wenn du sieben Dämonen einfängst, als da wären Gier, Ärger, Spiel, Machtgier, Wut, Faulheit und Lüge.

Bei der Wahl des Schwierigkeitsmodus stehen dir 2 Modi zur Verfügung. Und es sei gesagt: Der "Einfach"-Modus ist hier durchaus empfehlenswert. Geglitzert wird wenig, von den Wimmelbildern mal abgesehen, aber das die Ladezeit des Tipps entweder 30 oder 60 Sekunden beträgt, gibt hier den Ausschlag. Nicht mal wegen des Tipps in seiner Hauptfunktion, sondern weil er sich auch entlädt, wenn er die Richtung anzeigt. Und da es keine Karte gibt, kann unter anderem das für den ein oder anderen Spieler wirklich zu einer Geduldsprobe werden.

Geschichtlich stellst du schnell fest, dass du dich immer in zwei verschiedenen Welten bewegst. Zunächst erkundest du stets einen Teil deiner Umgebung in der realen Welt. Dann musst du durch einen Spiegel in die Spiegelwelt. Hier erkundest du die Gegend weiter, musst dann wieder zurück in die reale Welt und wirst dort wieder mehr Orte freischalten. Hast du einen Radius verlassen, ist dieser komplett abgeschlossen, reale- und Spiegelwelt teilen sich immer nur den Raum, in dem sich der Spiegel befindet. In der Spiegelwelt musst du je einen Dämonen fangen, dann einen einen Projektor aufladen, der das Spiegelportal in die reale Welt aktiviert. Den Hintergrund der Geschichte verrät der Entwickler bereits im Titel, worum es aber bei diesem Vertrag geht und was deine Tochter damit zu tun hat, erfährst du erst im Verlauf des Spieles. Alle wichtigen Entdeckungen und Neuigkeiten werden in deinem Buch gespeichert, das insofern auch als Hilfe zu sehen ist.

Bei den Wimmelbildern gibt es zweieinhalb Varianten. Anfänglich gibt es zum einen die Suche nach verwandten Paaren (Schaufel und Besen, Mond und Stern) und Wortsuchlisten mit Interaktionen. Letztere lassen mit der Zeit nach und es bleiben einfache Wimmelbilder. Wobei das Wort "einfach" hier recht sorglos genutzt wird. Denn nicht nur sind diese Szenen chaotisch gestaltet, Az-art benutzt drei Varianten, um die Suche zu erschweren: Sehr geschickt eingearbeitete Objekte, die einem eigentlich ins Auge springen und doch nicht sofort wahrgenommen werden, dazu sehr kleine und, durch Farbgebung oder Dunkelheit bedingt, kaum erkennbare Gegenstände. Nun könnte man damit gut leben, wenn es pro Wimmelbild eine dieser "Erschwerer" gibt. Leider stehen aber grundsätzlich alle drei Varianten zur Verfügung.

Die Puzzles sind sehr ausgewogen und vielfältig. Hier kommt wirklich fast jeder zum Zug, vom Knobelfreund bis zum Liebhaber leichter Spielereien. Schöne Varianten bekannter Minispiele lassen auf den ersten Blick oft Leichtigkeit vermuten, doch dann kommt unverhofft eine kleine Wendung hinzu, die doch Hirnschmalz benötigen. Fast jedes Puzzles verfügt über eine Neustartfunktion. Wer Puzzles aber gar nicht mag, ist hier falsch am Platz. Als Anhaltpunkt: Wer vier der Dämonen gefangen hat, hat auch 30 Puzzles gespielt. Die Anzahl der Wimmelbilder liegt deutlich darunter.

Im Ablauf gibt es leider eine seltsame Häufung. Mal muss ein Puzzle nach dem anderen gelöst werden, mal häufen sich die Wimmelbilder, dann wieder gibt es über Strecken nichts zu tun, außer Wege suchen, mal eine Türe aufschließen, Dinge ins Inventar nehmen oder einsetzen, damit etwas funktionstüchtig wird. Es fehlt in einigen Teilen einfach die Ausgeglichenheit der Abläufe, die ein Spiel so interessant macht.

Neben den teilweise dunklen Grafiken, einer nicht vorhandenen Karte, der Tipp-Entladung bei Richtungsanzeigen und der langen Aufladedauer, klagen einige Spieler über die langen Ladezeiten und dass sich das Spiel "schwerfällig" anfühle. Wer so etwas feststellt, sollte auf jeden Fall alle Hintergrundprogramme schließen. Grafisch ist das Spiel nicht sehr kosequent, du als Hauptprotagonistin scheinst einer modernen Zeit zu entspringen, die auch in der realen Welt nicht wiedergespiegelt wird. Alle anderen, denen du begegnest, sind dagegen angepasst.

Die langen Dialoge können übersprungen werden, ebenso die Einspieler. Doch auch wer das ausnahmslos tut und sich die nötigen Infos aus dem Buch holt - das Spiel ist sehr lang. Selbst wenn man die Puzzles samt und sonders überspringt, wird man wohl die 4-Stunden-Marke hinter sich lassen, je mehr Puzzles gelöst und nicht übersprungen werden, desto länger wird es. Aber, auf Grund der manchmal fehlenden Balance, gibt es Stellen, die sich länger anfühlen als sie sind.

Vertrag mit dem Teufel ist ein anspruchsvolles Spiel. Trotz ausreichender Texthilfen, ans Händchen genommen wird man hier nicht. Die Puzzles machen es zu einem cleveren Spiel, ebenso die zum Teil sehr schön versteckten Gegenstände in den Wimmelbildern. Und doch wirft Az-Art auf den guten Eindruck grafisch und spielerisch immer wieder Schatten. Die vierte Tasse habe ich zögerlich gegeben, doch am Ende ist Vertrag mit dem Teufel für alle empfehlenswert, denen das Spiel wichtiger ist als grafisches Strahlen und die Richtungspfeile selbst auf Geraden. Es ist spannend, anspruchsvoll und wenn auch nicht "superhypercool", so doch ein sehr gut gemachtes Wimmelbild-Puzzle-Abenteuer, das seine Genre-Bezeichnung zu Recht hat!