Zum Spielportal
Tiny Tales: Herz des Waldes


tassentassentassen tassen
Entwickler: Brave Giant Studio

Download (normal): Deutschland-Spielt
Download (Sammler): Deutschland-Spielt
Download (engl.:) Artifex Mundi
Download (normal): BigFish Games.com
Download (Sammler): BigFish Games.com

Autor: Andreas
Datum: 29.09.2017


Farbenfrohes Wimmelbild-Abenteuer für Märchenfreunde
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Wir spielen als Max, der auf der Suche nach seinem Vater nicht weniger als ein Held werden und ein Königreich retten muss. Es handelt sich um das Reich des Mäusekönigs, Teil einer winzigen Welt unterhalb der realen. Es ist von einer akuten Dürre befallen, deren Ursache ermittelt und beseitigt werden muss. Und nebenbei ist auch noch die junge Prinzessin zu retten.

Besagte Welt ist grafisch liebevoll gezeichnet, alles ist hell und farbenfroh sowie voll von fantasievollen Details. Es stehen zu Anfang die heute üblichen vier Modi zur Wahl, deren vierter weitgehend frei den Vorlieben angepasst werden kann. Leider tauchen da schon erste kleine Mängel auf: Nicht nur können auch hier wieder einmal nicht die nervigen Einblendungen von Aufgaben bzw. deren Erledigung abgewählt werden. Auch die Abwahl einer Anleitung hat eine eher geringe Auswirkung, da sie ungerührt bei erstbester Gelegenheit dennoch erscheint.

Die Hilfen sind sehr gut gelungen, vom zuverlässigen Tipp bis zur übersichtlichen Karte mit Transportfunktion. Wer allerdings die Sammlerausgabe spielt, könnte ein Handbuch vermissen. Es soll zwar eines geben, aber weder in der englischen noch in der deutschen Version habe ich es finden können, womit ich nach Besuch des einschlägigen Forums fest gestellt offenbar nicht allein stehe.

Nicht optimal ist das Inventar gestaltet. Es lässt sich zwar praktischerweise fest stellen, aber da immer nur Objekt für Objekt einzeln durch geblättert werden kann, sind bei gut gefülltem Inventar Klickorgien an der Tagesordnung.

Die Geschichte ist im Kern alles andere als innovativ, aber durch die Einbettung in die Fantasiewelt wird doch ein schöner Extra-Effekt erzielt. Das Problem ist hier nur, dass man besser logische und Plausibilitätsüberlegungen ausschaltet. Dass die menschlichen Protagonisten genauso aussehen wie immer, will irgendwie nicht so recht passen. Logische Überlegungen bezüglich des Spiels selbst auszuschalten ist dagegen weniger empfehlenswert. Zwar sind die meisten Aufgaben eher Standard, aber nicht durchgehend ganz ohne. Die Entwickler haben sich erkennbar bemüht, auch hier immer wieder mal eine nicht schon hundert mal gesehene Lösung abzufordern. Die Geschichte geht flüssig voran, logische Fehler sind erfreulicher Weise nicht enthalten – schon bedenklich, dass man das überhaupt betonen muss heutzutage. Weniger erfreulich dagegen ist hier der nicht durchgehend zu beobachtende Einfallsreichtum, speziell gegen Ende. Dass gleich zweimal ein kaputter Reißverschluss bearbeitet werden muss, ist schon heftig, die inflationäre Verwendung von Kristallen ist auch nicht gerade ein Brüller.
Und das mehrfach zu verwendende Zauber-Kit, mit dem jeweils eine besondere Fähigkeit erzeugt wird über ein absolut harmloses und langweiliges Minispiel kann nur als Zeitschinderei bezeichnet werden. Ebenso wenig überzeugen die zum Einsatz einer der Fähigkeiten erforderlichen Minispiele, die mehrfach auftreten. Das Ende ist auch wirklich eins, es kommt nach einer für heutige Maßstäbe akzeptablen Zeit.

Auffällig ist, dass die Entwickler anscheinend einen Sponsorenvertrag mit der Zentralvereinigung der Eichelhändler geschlossen haben. Jedenfalls wäre so zu erklären, dass eine unfassbare Anzahl von Eicheln immer wieder zu beobachten ist.

Die Wimmelbilder hinterlassen einen zweispaltigen Eindruck. Grafisch sind sie gelungen, auch in der Art nicht ohne Abwechslung: Wortlisten, Silhouetten und anderes kommen vor. Sogar werden als kleine Schwierigkeit gelegentlich Chamäleonobjekte als zu suchende angeboten. Aber Interaktionen kommen so gut wie nicht vor. Lediglich einfallsloses Aufdecken von allem möglichen ist am Start. Zusätzlich muss bemängelt werden, dass der Klickradius manchmal so eng ist, dass man ein eigentlich gefundenes Objekt dennoch nur mit Mühe anwählen kann. Die Wimmelbilder können bei Bedarf durch ein Spiel ersetzt werden, bei dem in der Art von 3-gewinnt zwei benachbarte gleiche Symbole entfernt werden müssen.

Die Minispiele variieren in der Schwierigkeit von viel zu leicht bis hin zu durchaus anspruchsvoll. Schön wäre es gewesen, hätten die Entwickler allen eine Neustartfunktion spendiert.

Die deutsche Fassung ist sprachlich sehr schwach. Es macht den Eindruck, als sei sie automatisch erzeugt worden. Nicht nur kommen Rechtschreib- und Grammatikfehler vor, auch Übersetzungen gehen teilweise vollkommen schief. Zwei Beispiele: Straw wird sprachlich zwar korrekt mit Stroh übersetzt, hier wird aber ein Strohhalm benötigt. Und mal ehrlich: Flussbank? Es kommt sicherlich von englisch river bank, was nun aber auf deutsch Flussufer ist.

Die Sammlerausgabe ist eher nicht zu empfehlen. Wer wie ich kein Handbuch findet, hat nur ein sehr kurzes Bonuskapitel neben dem üblichen zur Verfügung, zusammen mit der Möglichkeit, einige Minispiele und Wimmelbilder nach zu spielen.

Fazit:
Eine zwar nicht ungewöhnliche Geschichte wird aber als fantasievolles Märchen mit ebensolcher Grafik erzählt. Es ist nicht eben schwierig, beleidigt aber auch nicht die Intelligenz. Während die Wimmelbilder nicht unbedingt überzeugen können, finden sich mitunter ansprechende Minispiele. Vom Erwerb der Sammlerausgabe raten wir ab.