Surface: Verlorene Märchen


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Elephant Games

Download (Normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 05.10.2016


So durchschnittlich wie ein Leberwurstbrötchen
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Wenn sich vor deinen Augen Menschen zu Märchenfiguren wandeln, solltest du entweder die Drogen wechseln oder einen Psychiater aufsuchen. Cindy entscheidet sich für die zweite, leider nicht gerade erfolgreiche Option. Ihr Psychiater ist zunächst ein mieser Schläger, dann ein Kaninchen (und schon an der Stelle wird die Geschichte abadsurdum geführt). Zumindest erfährt sie dadurch, dass Märchenfiguren in normale Menschen verwandelt wurden und erst zurück können, wenn ihre Geschichte "zurecht gesetzt" wurde.

Vier Modi stehen zur Verfügung, einer davon mit individuellen Einstellungsmöglichkeiten. Die wie ein Klappbilderbuch gestaltete Karte ist mit alle notwendigen Informationen ausgestattet; in der Sammleredition inklusive dem Hinweis, ob noch ein Sammelobjekt zu finden ist. Der Tipp verfügt über eine Reisemöglichkeit, sofern das nächste Ziel mehr als einen Schritt entfernt ist.

Bei den Wimmelbilderns gibt zwei neue Varianten. Zum einen eine Mischung aus Wort-/Lege-zurück-Suche; abwechselnd legst du etwas zurück und suchst einen geschriebenen Begriff. Zum anderen wirst du Paare finden müssen, die eine Verbindung haben (Sonne und Mond ist Mondfinsternis, zum Beispiel); erschwerend bzw. neu kommt hinzu, dass die Bilder immer wieder hinter Wolken verschwinden. Dazu gibt es Umrisssuchen, Wortsuchliste mit und ohne einfachen Interaktionen, finde Chamäleonobjekte (um Wortsuchliste freizulegen). Paare suchen ist überhaupt ein gern genutztes Feature in diesem Spiel und kommt in diversen Variationen vor. Die jeweils nur einmal gespielten Szenen sind aber grundsätzlich das einzig wirkliche Highlight des Spiels.

Puzzle funktionieren zum Teil nur sehr bedingt, bzw. lösen sich von selbst auf, obwohl die Lösung deutlich noch nicht richtig war. Andere widerum geben so viel Hilfe, dass eigentlich nur Selbstlösung das Ganze übertreffen würde. Es gibt einige wenige, die im Bereich mittelschwer liegen, aber das wiegt nicht auf, dass Spieler mit dem Wunsch nach einem guten Gesamtpaket auch bei den Puzzles eher enttäuscht sein dürften.

Gleich zu Beginn kämpfst du mit einem Bösem und gleichzeitig mit Dummheit und/oder schlechter Übersetzung. Da aber der übwiegende Anteil des Unsinns, den Elephant Games in diesem Spiel verzapft, nicht auf "schriftlicher Dummheit" beruht, sind es, mal wieder, die Entwickler, die Spieler schlicht zu Dummbratzen erklären. Oben besagter Böser er fällt darauf hin aus dem Fester, landet auf dem Dach eines Autos, verschwindet spurlos und ich (also Cindy) frage: "Wo ist er hin, vielleicht habe ich ihn verschreckt"? Stehlsucht ist übrigens Kleptomanie und unabhängig von der geschichtlichen Thematik an sich, geht dem Spieler mit Qualitätsanspruch sicherlich schnell der Hut hoch, spätestens nachdem du keinen Schlüssel für ein Auto hast, mit dem du gerade so eben gefahren bist. Auch die Tatsache, dass du nichts aus einem normalen Abfluss eines Spülbeckens holen kannst, macht nicht wirklich froh. Viele Abenteuer-Anteile von Surface: Verlorene Märchen sind einfach eine Zumutung. Dumm, sinnlos, langweilig, vorhersehbar.

Grafisch ist das Spiel gut, wenn auch stellenweise etwas arg kitschig. Doch da es als Märchenspiel läuft und diese Thematik grundsätzlich auch klar wird, geht das schon in Ordnung. Es ist aber einfach traurig, wenn man bedenkt, was aus der Surface-Serie geworden ist, die zum Beispiel mit Surface: Lautlos oder Surface: Die fliegende Stadt hervorragende, eine starke Geschichte tragende Bilder gezeichnet haben. Bilder, die den Spieler mitgenommen haben und die allgemeinen Schwächen von Elephant Games im Puzzle- und Abenteuerteil kompensiert haben. Surface: Verlorene Märchen ist einfach nur ein Spiel von Elephant Games. Es trägt sich durch den Entwicklernamen. Und das in jedem einzelnen Bereich. Doch halt: in einem Spiel wie diesem muss man jeden Pluspunkt nennen: Das Ende ist ein echtes Ende.

Wer die unnötige Sammleredition hat, wird 12 veränderliche Figuren (Charaktere des Spieles) zu suchen haben, dazu gibt es die für die Serie typischen, (aber ohne jeglichen Zusammenhang) Blumen. Nichts davon kann nachträglich noch gesucht werden - da beides aber auch keinen weiteren Zweck verfolgt, macht das nichts. Dazu gibt es Auszeichnungen, Wimmelbilder und Puzzles zum nachspielen, Hintergrundbilder, Konzeptkunst, Musik und Bildschirmschoner. Das kurz gehaltene Bonuskapitel ist eine eigenständige Geschichte, die auf dem Hauptteil basiert.

Bis auf zwei neuartige Wimmelbilder (das erste, das gespielt wird und später noch eines) und ein neues Puzzle (nicht neu, aber bisher habe ich das nur einmal gesehen und das ist schon lange her) und eine passabele Spielzeit, gibt es nichts, was Surface: Verlorene Märchen wirklich gut macht. Und das ist schade, da die Geschichte richtig gut hätte werden können. Mit ein bisschen Humor vielleicht. Mit einem besseren Erzählstil. Auch der Wechsel zwischen Märchen- und der realen Welt hätte gut werden können. Aber es ist alles grad mal durchschnittlich geworden. Durchschnittlich genug, um sich nicht vollends zu langweilen, aber um durchaus ab und an mal sehnsuchtsvoll an vergangene Zeiten zu denken, als die meisten Spiele gut und nicht nur so lala waren.