Shrouded Tales: Die Rache der Schatten


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Friendly Cactus

Download (Normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 13.08.2015


Gut gemachtes Wimmelbild-Puzzle-Abenteuer mit hyperaktivem Amulett-Einsatz
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Zwei Brüder - einer hat die Dunkelheit, die Welt der Schatten gewählt.
Als du gerade von einem Auftrag nach Hause kommst, bringt dir, einem der Havenwick-Barone, der Phönix-Bote schon den nächsten Auftrag. Vier Städte sind in Gefahr, jeder der Barone muss eine der Städte übernehmen. Du erfährst in Volarden, dass Razaroth, ein Gefangener der Stadt, sich befreit hat. Doch der Bösewicht hat die Magie der Stadt ins Gegenteil verkehrt und die Zaubersprüche fielen auf die Magier zurück. Wirst du Razaroth die Stirn bieten können und die Stadt retten? Und wo wir gerade dabei sind, warum besteht deine Mutter darauf, dass nur du in Volarden eingesetzt wirst?

Im Gegensatz zu dem heute üblichen Vorgehen, gibt es hier "nur" drei Modi zur Auswahl, die Möglichkeit individueller Angaben gibt es nicht. Als Helfer gibt es eine Karte mit allen Funktionen (wie ausführlich, das entscheidet die Moduswahl). Sie verfügt auch über eine Teilung der einzelnen Orte, wenn diese sowohl in der realen, als auch der Schattenwelt zu betreten ist. Der Tipp zeigt eine Richtung an, dient aber nicht als Teleporter.

Der wichtigste Helfer aber ist ein mächtiges Amulett aus der Stadt Volarden. Insgesamt verfügt dieses Amulett über acht Zaubersprüche (2 davon allerdings nur im Bonusspiel der Sammleredition nutzbar). Diese Zaubersprüche sind durchaus hilfreich: sie ermöglichen Feuer, können Reparaturen erledigen, Dinge wachsen lassen und vieles mehr. Das Amulett ist sozusagen das Schweizer Taschenmesser der Magie. In sofern hat es Friendly Cactus mit Shrouded Tales: Revenge of Shadows geschickt vermieden, viele "Alltagsgegenstände" immer wieder "finden und wegwerfen" zu lassen. Allerdings kann man nicht verhehlen, dass dieses Amulett sehr schnell Abnutzungserscheinungen zeigt, so häufig wird es eingesetzt. Und das nicht nur in den "allgemeinen" Szenen.

Bei den Wimmelbildern finden wir die Einzelteilsuche und Wortsuchlisten. Letztere sind teilweise nur dann auflösbar, wenn Objekten aus deinem Spielinventar oder ein Zauberspruch genutzt werden. Manche Suchorte werden 2x besucht, manche Suchbilder sind nur mit einfachen Interaktionen ausgestattet, aber grundsätzlich sind sie alle gut gemacht. Wir erleben aktuell häufig zahlreiche Such-Variationen in einem Spiel, die oft als einer der wenigen Pluspunkte zu rechnen sind. Schön zu sehen, dass hier ein Entwickler konsequent war und sein Interesse, seine Motivation und sein Budget über das gesamte Spiel und nicht nur wenigen Details verteilt hat.

Und es gibt zwei weitere "Extras". Zum einen die Schattenwelt. An einigen Orten kann man in die Vergangenheit gehen, dort noch einige Dinge finden oder Veränderungen vornehmen, die ein Weiterkommen in der realen Welt ermöglichen. Grafisch ist sie deutlich von der "Realität" getrennt. Außerdem gibt es noch eine Schriftrolle, die sich nach dem Auffinden oben rechts im Bild festsetzt. Klickt man sie an, rollt sie sich über die Szene und zeigt besonders wichtige Punkte am aktuellen Ort an, manchmal gibt der erklärende Text auch hilfreiche Hinweise. In der Sammleredition hat die Schriftrolle eine zusätzliche Funktion: nur mit ihr können Runen gefunden, bzw. gesammelt werden.

Die Puzzles sind größtenteils gut gemacht, nicht immer auf der ganz einfachen Seite, so dass auch die Knobelfreunde durchaus mal ein bisschen länger zu tun haben. Allerdings wurden mindestens zwei gelöst, obwohl sie nicht korrekt waren. Trotzdem: man hat sich bemüht ein wenig Abwechslung zu schaffen und altbekannte Variationen ein wenig abzuändern.

Leider scheint es auch einen Fehler zu geben: Es gibt diverse Spieler, die beklagen, dass man in der "Technischen Umgebung" (ein zu besuchender Ort) unbedingt eine Springfeder gleich beim Ersten entdecken unbedingt nehmen muss (Spoiler: Stein einsetzen). Anschließend scheint es nicht mehr möglich zu sein und man müsste das Spiel mit einem neuen Profil beginnen.

Grundsätzlich ist es möglich, mit Hilfe einer Schwebebahn alle vier Hauptorte "zu Fuß" zu entdecken. Da aber die Wege oftmals weit und verwinkelt sind, ist die Karte tatsächlich sinnvollermöglich aber Karte sinnvoller. Zumal man mit ihrer Hilfe auch direkt in die Schattenwelt kommt und nicht erst wieder suchen muss, wo denn nun das Portal war. Doch das ist nicht als Kritik zu sehen. Shrouded Tales: Revenge of Shadows ist örtlich und im Aufgabenbereich abwechslungsreich, es gibt wenig Händchen-halten und die "Wanderungen" sind nicht schlichtem Zeitschinden gewidmet.

Nicht gelungen ist allerdings das Ende. Zum einen ist die "Auflösung" nur halb befriedigend. Wer genau hinsieht, wird sich wundern, warum einer der Protagonisten offensichtlich nicht befreit wird. Doch auch wenn man dies nicht bemerkt; bei aller Bemühung spürt man den Schnitt, der angesetzt wurde, um noch ein "Sammlerbonusspiel" zu bekommen. Denn dort erst erwartet uns ein befriedigenderes Ende. Allerdings sind die Unterschiede nicht so gravierend, dass dies den Kauf der Sammleredition rechtfertigen könnte. Diese wird ausdrücklich nicht empfohlen.

Spieler der nicht empfehlenswerten Sammeleredition erwartet das Folgende: neben den Runen durch das ausklappen der Schriftzeichen, gibt es ein weiteres "Sammelobjekt". Mit Hilfe des Reparatur-Zauberspruches kannst du 5 Wappen reparieren (beides führt nur zu Auszeichnungen). Videos und Soundtrack, Konzeptkunst und einer Bildergalerie mit sechs Bildern, die heruntergeladen werden können, sowie die Wimmelbilder und Puzzles zum nachspielen ergeben die Extras. Die Auszeichnungen erreicht man über das Hauptmenü. Das Bonusspiel ist eine Fortsetzung des Hauptspieles, ausgehend vom Ende des Letzteren gehörte es zum Original und wurde wegen der Sammler abgetrennt. Hier wird einer der beiden neuen Zaubersprüche extrem in Anspruch genommen.

Friendly Cactus hat mit Shrouded Tales: Revenge of Shadows ein angenehmes, schönes Spiel geschaffen. Es ist abwechslungsreich, bietet viele Orte, eine gute Spielzeit, eine tatsächliche Spielzeit, die nicht künstlich verlängert wird. Dazu gibt es einige Besonderheiten, wie die Schriftrolle und das Amulett. Auch wenn Letzteres etwas übertrieben eingesetzt wird, zumindest ist es ein Spielfeature; etwas, das den Spieler nicht nur zum Zuschauer und/oder Leser degradiert, wie es häufig mal vorkommt. Und auch die Geschichte gleitet wie ein roter Faden durch das Spiel, hat eine kleine Nebenstory, beherrscht nicht, aber lenkt. Sie ist gut gemacht und erlaubt es auch Spielern, die nicht unbedingt an einer Geschichte zum Spiel interessiert sind, die Hinter- und Beweggründe der Protagonisten zu erfassen.

Grafisch ansprechend, atmosphärisch und schön, spielerisch unterhaltsam haben wir hier über die Fehler hinweg gesehen und vielleicht eine halbe Tasse zuviel gegeben. Geschuldet der Tatsache, dass der Entwickler in der Gesamtheit ein Spiel geschaffen hat, dass nur wenig Wünsche offen lässt. Shrouded Tales: Revenge of Shadows ist als Normalversion (und nur als solche) absolut empfehlenswert.