Nevertales: Legenden


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Madhead Games

Download (Normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.com

Autor: Claudia K.
Datum: 11.11.2015

Ein gutes Spiel, das man eigentlich meiden sollte
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Eine seltsamen Krankheit, hat deinen Mann, den König, befallen. Nach und nach verwandelt sich sein Körper in Kristall. Die einzige Hoffnung liegt im Heilungzepter, den die Windbaronin bewacht. Natürlich machst du dich, begleitet von Hark, Bruder des Königs, sofort auf den Weg. Doch um das Schloss der Windbaronin, deiner Tante, zu erreichen, bedarf es viel Mühe und endlich dort angekommen, erwartet dich eine unschöne Überraschung. Und das in mehrfacher Hinsicht.

Der Schwierigkeitsgrad wird aus 4 Modi gewählt, einer davon mit der Möglichkeit persönlicher Einstellungen. Es gibt eine Karte mit Spring- und diversen Informationfunktionen, allerdings leidet die unter schlecht Farbwahl, vor allem das "Hier gibt es was tun" Zeichen ist nicht gut erkennbar. Der Tipp hat keine Teleportfunktion und ist eh nur bedingt zuverlässig. Er schickt dich auch gern an Stellen, die nur zum "anschauen" sind. Oder an Stellen, wo du nicht einmal hinkannst. Als Helfer gibt es einen Ring, im weiteren Verlauf noch ein Zepter, ein Armband und eine Halskette. Jedes Helferchen hat eine andere Funktion.

Die meisten Wimmelbilder sind Wortsuchlisten mit Interaktionen, aber es gibt dabei auch eine intelligentere Kombinationssuche und eine aufwändige Umriss-Suchen in Geschichtsteilen, außerdem Fragmentsuchen in der Nahansicht. Ein Ersatz für die Wimmelbildszenen ist nicht vorgesehen.

Die meisten Puzzles sind eher leicht, ganz gleich ob es nun um Schiebepuzzles oder Memory, setze das Bild zusammen oder finde den richtigen Weg geht. Alles bewegt sich auf sehr bekannten Pfaden und nur selten dauert eines der Puzzles mal mehr als nur ein Minimum an Zeit.

Etwas Unschönes gibt es im Bereich des Inventareinsatzes: Obwohl angegeben ist, dass du z.B. 2 Teile eines Gegenständes benötigst, kannst du an entsprechender Stelle nur eines einsetzen - das ist ungewöhnlich, wird aber nur darum unschön, weil dem "hilflosen" Spieler vor dem Einsatz des Einzelteiles weder über die Karte noch per Tipp ein alternativer Einsatzort angeboten wird.

Nevertales: Legenden zeichnet sich aber durch wunderschöne Grafiken aus. Herrliche Farben, die aber nicht kitschig bunt sind. Die Bilder unterstützen das Spiel, mehr als es das Spielverhalten selbst tut und manchen es durchaus zu einem Erlebnis. Die Einspieler sind zwar nicht gerade selten, geben aber hier wenigstens nicht den Eindruck, als habe MadHead Games wieder hochtrabende Ziele als Filmemacher.
Der Spielverlauf ist ebenfalls ohne Überraschungen, ohne großen Anspruch, selten hat man das Gefühl von "Spannung". Nevertales: Legenden dümpelt nicht vor sich hin, geht aber spielerisch auch keinerlei Risiko ein. Durch seine Optik und die deutlich längere Spielzeit (im Vergleich zu 98% aller Wimmelbild-Puzzle-Abenteuer in diesem Jahr) gewinnt das Spiel, nicht aber durch das Spiel selbst.

Obwohl die meisten Objekte Einweg-Gegenstände sind, erfreut doch, dass zumindest einmal im Spiel etwas Nützliches nicht gleich weggeworfen (und dann in neuer Ausführung gesucht) wird, sondern man etwas zuvor Erstelltes nach dem Gebrauch wieder auseinander friemelt. Wie gering doch die Ansprüche an einen Hauch von Logik und Nachvollziehbaren werden. Doch nicht zu früh freuen, kurz danach wird ein Emblem durch Einsatz eines zweiten Nutzgegenstandes offenbar enorm vergrößert und damit im "normalen" Leben einsetzbar. Trotzdem, im Fazit gibt es einige sehr wenige Male auch den kreativen Einsatz eines Gegenstandes, der dafür dann kurzfristig zweckentfremdet wird.

Die Sammleredition kommt mit veränderlichen Objekte in Wimmelbildern und Sammelobjekte, die, übersieht man eines, nachträglich noch gesucht werden. Nach einem langweiligen Legepuzzle werden diese Sammelobjekt dann zur ebenso langweiligen Schatzsuche. Als zusätzliche Extras gibt es neben dem zeitlich anständigen Bonusspiel einige Level eines Puzzles, das ganz zu Beginn gespielt wird, dazu Auszeichnungen. In der Galerie befinden sich dann noch die Wimmelbilder zum nachspielen, Musik, Hintergründe und Konzeptkunst. Außerdem gibt es ein Legepuzzle, wenn du alle Wimmelbilder noch einmal spielst.

Und hier das Ende der Geschichte, das MadHead Games nur denen zugesteht, die die überteuerte Sammleredition gekauft haben: Das Ende des Normalspieles ist ein scheußliches Ende, denn alles war umsonst. Und das deshalb, weil man das wahre Ende für die Sammleredition aufbewahrt hat. Was für eine Dreistigkeit. Und Entwickler tun es immer wieder. Bestrafen die, die nicht die Sammleredition kaufen. Und so hier als "Spoiler": Der Apotheker hat ein Heilmittel gefunden, doch eine letzte Zutat fehlt. Nur Hark kann dir helfen, diese zu finden. Doch natürlich betrügt er dich, du gerätst in tödliche Gefahr. Doch weil du ein reines Herz hat, verschont dich die Hüterin der letzten Zutat und hilft dir, die Bewohner, deine Tante und deinen Mann zu befreien.

Spielerisch mag das Spiel die oben gezeigten 3,5 Tassen wert sein. Doch hier ist es wirklich extrem, mit dem abschneiden des Ende, weil es keine Fortsetzung der Normalversion geben kann. Hier wird (übertrieben formuliert) impliziert, dass der, der den normalen Preis bezahlt, versagt. Die Normalversion ist grundsätzlich ein gutes Spiel, sofern man eben gern in bekannten Gefilden bleibt. Grafisch ein Augenschmaus sollte man trotzdem verzichten.