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Nevertales: Der vergessene Held

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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Madhead Games

Download (normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 10.02.2017


Viel zu kurz, ein echtes Ende nur in der Sammleredition
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Eine seltsame Nachricht von deinem Freund Ian bringt dich zum Haus seines Mentors Professer Bell. Dort erhälst du ein seltsames Buch und erfährst, dass nicht nur jemand Ians Seele stirbt, sondern dass Realität und Fiktion in diesem Haus fließend sind. Und dann wird Ian's Körper von Professor Bell nicht nur als Monster bezeichnet, sondern auch noch in ein Portal entführt. Was bleibt dir übrig, als dich an die Rettung zu machen? Aber du musst dich beeilen. Denn ohne Seele altert Ian mit unglaublicher Geschwindigkeit.

Fünf Bücher wirst du in Nevertales: Der vergessene Held bespielen, dafür jedes Mal in ein Portal reisen. Da es keine Überspringfunktion für die Portalreise gibt, sollten Epileptiker beim Portaleintritt besser die Augen abwenden. Die Geschichte: der Gute ist besessen vom Böse ist grundsätzlich hinreichend bekannt. Hier wird sie aber kaum erzählt, dein Ziel ist es, Ian zu retten und gut ist. Man belastet sich nicht weiter mit Ausschmückungen.

Als Helfer stehen neben Karte und Tipp ein kleiner Roboter und ein Buch, das die Geschichte verändert, zur Verfügung. Der Roboter schneidet gern, ist aber meistens kaputt, insofern ist er nicht als "Dauerhelfer" zu sehen. Ian's Buch wird ab und an auftauchen. Vervollständige den Satz korrekt (Lösungsmöglichkeiten werden als Umriss angezeigt) und du bekommst etwas oder irgendetwas erscheint, was dir nutzt. Auch dieser Helfer wird nur wenige Male eingesetzt.

Die Wimmelbildvariationen sind abwechslungsreich, aber meist uninspiriert und mit eher uninteressanten Interaktionen versehen, in der Sammleredition gibt es ein zusätzliches Objekt zu finden. Jede Szene wird nur einmal gespielt. Die Puzzles sind zahlreich, altbekannt und um die Anzahl ohne Mühe zu erhöhen, werden einige gleich mehrfach gespielt. Es gibt keine wirklichen Kopfnüsse, aber von Säugling bis zum durchschnittlichen Puzzlefreund wird jeder das ein oder andere finden. Abgesehen vom grafischen Effekt gibt es auch hier nichts, was wirklich erwähnenswert ist.

Die deutsche Übersetzung ist in Teilen nicht sonderlich gelungen. Falsche Objektbezeichnungen führen zu Verwirrungen und da hier im Rahmen des geschichtlichen Grundgerüst die Logik nicht allzusehr verballhornt wird, ist dies auch das Einzige, was dich kurz "vom Weg abbringen" kann. Das Spiel ist gradlinig, macht weder geschichtlich noch spielerisch irgendwelche Umwege und den Tipp wirst du eigentlich nur brauchen, wenn du mal etwas in der Szene übersehen hast. Da die einzelnen Buchwelten relativ klein sind, gibt es auch keine langen Wege.

Das Hauptspiel hat kein befriedigendes Ende, tatsächlich werden sämtliche Fragezeichen, die sich durch die minimalisierte Geschichtsdarstellung ergeben, erst im Bonus der Sammleredition geklärt. Dazu ist auffällig, dass ein recht kurzes Spiel über eine große Menge an Extras verfügt. An sich eine gute Sache, wenn man schon den doppelten Preis verlangt. Doch hätte man dieses Budget in das Normalspiel investiert, in einen Geschichtenerzähler, neue Ideen, einen ausgefeilteren, weniger gradlinigen Spielverlauf, dann wäre dabei ein gutes bis sehr gutes Spiel rausgekommen. So geht es ausschließlich darum, möglichst viel Geld zu machen, obwohl das Gesamtbudget eben nur eine Normalversion gestattet hätte.

Was sich zu Beginn manchmal in die Länge zieht, wird hinterher im Schnelldurchlauf erledigt. Buch 4 und 5 benötigen maximal 20 Minuten. Zusammen. Insofern täuscht hier auch der erste Eindruck.

Die Komponenten Wimmelbild, Puzzle und Rätsel sind in Nevertales: Der vergessene Held knapp mehr als guter Durchschnitt, die Grafiken zwar nicht sonderlich innovativ oder besonders, aber nichtsdestotrotz sehr gut und ein Genuß fürs Auge. Aber es fehlt an der Politur. Alles scheint oberflächlich. Und man kann nur die (vermutlich unbegründete) Hoffnung haben, dass die Spieler den Entwickler dafür abstrafen und das Spiel im virtuellen Regal stehen lassen.

Wer es aber spielen möchte, der sollte die Normalversion erwerben. Hier bekommt man ein Spiel ohne große Überraschungen, aber bis auf Kleinigkeiten solide gemacht.