A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | 0-9
links to Forum/Spenden/Facebook Spenden forum facebook



Mystery Valley


tassentassentassen tassen
Herausgeber: Fun Forge Digital
Entwickler: Fun Forge Digital

Download: Deutschland-Spielt
Download: BigFish Games.de

Wenn Du Mystery Valley auch bewerten oder die Meinung anderer Spieler lesen möchtest, dann geht es hier lang

Autor: Gyanda J.
Datum: 05.11.2010

Stell dir vor, du bist FBI-Agentin und sollst eine unheimliche Mordserie aufklären. Und während du recherchierst, wird dir immer deutlicher, dass diese Geschichte mehr mit dir zu tun hat, als du dir hättest träumen lassen. Plötzlich werden deine jahrelangen Alpträume aus der Kindheit wieder lebendig und du musst zurück in das Dorf deiner Kindheit, um das Rätsel lösen zu können, nach "Mystery Valley" eben. Spannende Mini-Spiele und zahlreiche Wimmelbildszenen bringen dich der schockierenden Lösung immer näher.

Eigentlich ein ideales Spiel für Halloween sollte man meinen – und nachdem ich die Probestunde gespielt hatte, war ich auch tatsächlich sehr beeindruckt von dem Spiel. Hier wird der Horror nicht einfach nur behauptet, hier kriecht er einem durch die gesamte Inszenierung des Spiels regelrecht in die Adern: die dunklen, oft verfallenen Häuser, die unheilschwangere Begleitmusik, die sehr spannende Story, die ständig neue überraschende und schockierende Wendungen nimmt – all das wirkt auf einen ein und da die Hauptperson sehr sympathisch wirkt, fällt es einem leicht, sich mit ihr zu identifizieren, und mit ihr atemlos und geschockt an der Aufklärung des Falls zu arbeiten. Es ist eine nette Idee der Spieleentwickler, dass man seinen eigenen Namen in den FBI-Ausweis eintragen muss, den die Heldin einem Polizisten präsentiert. Nett ist auch, dass sowohl das Tagebuch, in welchem du Notizen und Erinnerungen nachlesen kannst, als auch der Hintbutton von Mönchen (Männern mit Kutten) gehalten werden. Du findest das Tagebuch links, den Hintbutton rechts von der jeweiligen Szene. Man kann das Spiel im "Normal" oder "Advanced"-Modus spielen, wie üblich gibt es im Expertenmodus weniger Glitzern in den Szenen und lädt der Hintbutton langsamer auf. Auch sind die Erklärungen bei den Minispielen weniger.

Das Spiel besteht aus Wimmelbildszenen und Szenen, in denen du Aufträge erfüllen musst, um weiter zu kommen. In den Wimmelbildszenen wirst du eine Liste mit Suchitems mittig unter der Szene finden, die weiß geschriebenen Suchbegriffe kannst du so finden, für die in gelb dargestellten musst du erst etwas tun, damit du sie finden kannst, so musst du zum Beispiel eine Pflanze erst wässern, damit sie erblühen kann – wenn dein Suchbegriff "Blume" ist. Oder du musst erst einen Stift finden in der Szene, mit dem du dann einen Buchstaben schreibst, der wiederum ein Bestandteil der Suchliste ist. Das sind nette Aufgaben, die einen nicht wirklich fordern, aber eben unterhaltsam sind. Auch, wenn du z.B. einem Schädel einen goldenen Zahn ziehst, hat das durchaus noch Unterhaltungswert. Der Cursor verwandelt sich in eine Hand, wenn du etwas aufnehmen kannst, in ein Schraubzeichen, wenn du etwas tun sollst, und in eine Lupe, wenn du etwas näher betrachten kannst. Es gibt aber auch Aufträge, die auf den ersten Blick nicht so leicht zu erfüllen sind, und gerade gegen Ende des Spiels werden diese immer mehr. Du hast dann in deiner Mittenleiste lauter Fragezeichen, die dir sagen, dass du noch a und b und c finden und tun musst – aber dummerweise funktioniert der Hintbutton hier nicht. Es gibt nur die Fragezeichen.

Nach jedem Wimmelbild geht ein Gegenstand in dein Inventar, den du dann später in anderen Szenen nutzen kannst. Merkwürdigerweise bekommst du manchmal nützliche Gegenstände auch einfach geschenkt, ohne, dass du etwas dafür tun musst. Die Minispiele sind zahlreich und manchmal durchaus schön miteinander vernetzt, neben dem üblichen Rohre verlegen und Zettel zusammensetzen muss man z.B. eine Maske nach einer Vorlage anmalen, die dann selbst wieder Bestandteil eines weiteren Minispiels wird, in welchem Jagdgegenstände einsortiert werden müssen.

Wie oben schon geschrieben, nimmt die Geschichte des Spiels öfters überraschende Wendungen, so dass man durchaus manchmal vor dem Bildschirm sitzt und baff ist vor der neuen Entwicklung. Und nach einer Stunde Spielen fand ich das Spiel so toll und gelungen, dass ich ihm eigentlich 4,5 Tassen geben wollte. Dann spielte ich weiter.

Das Schwierige an so einem Spiel ist ja nicht nur, spannende Aufträge und Wimmelbildszenen zu erschaffen, sondern auch die Geschichte muss stimmen. Und das tut sie leider überhaupt nicht – und das wird immer ärgerlicher, je länger das Spiel andauert und je spannendere Wendungen die Geschichte nimmt. Es ist schwierig, hier ins Detail zu gehen, weil man dann ja Teile der Story verrät und das möchte ich keinesfalls, weil sie ja doch spannend ist. Also hier nur der Hinweis, dass die simplen Methoden, mit denen man gefährliche Geister töten kann – ein Autounfall genügt, Sprengstoff auch – doch sehr verblüffend sind, weil sie in der Historie dieser gefährlichen Geister in der Literatur nirgendwo erwähnt sind. Und das Spiel spielt durchaus mit diesem allgemeinen Erfahrungshorizont der Spieler, bis hin in die Szenen, die man manchmal fast archetypische Darstellungen nennen könnte, so bekannt ist deren Ikonografie. Nicht davon zu sprechen, dass man sich in den Katakomben sehr gut stundenlang verlaufen kann, wenn man sich nicht aufschreibt, wo man links, rechts oder geradeaus gegangen ist. Gerade hier ist es fast unmöglich für den Spieler, alle Aufgaben in der Reihenfolge zu erledigen, in der sie eigentlich gedacht sind. Hier hilft nur, sich die Wege aufzuschreiben und sich zu merken, wo noch was zu tun war.

Und dann haben die Entwickler noch einen ganz besonderen Stil des Erzählens entwickelt: sie lösen Szenen nicht auf, sondern beenden sie blitzartig. Eben noch war die Heldin in einem Minenschacht gefangen und die Klimaanlage sog alle Luft aus dem Raum, so dass sie in Lebensgefahr war. Dann vollbringt sie einige Taten – zu denen u.a. gehört, dass sie mittels eines von ihr reparierten Lifts in einen anderen Schacht gelangt, in welchem plötzlich ein Mann liegt, der niedergeschlagen wurde, der ihr hilft – wo kommt der her, was macht der da??? – Keine Ahnung, wird nicht erklärt. Und statt dass man jetzt sehen würde, wie ihre Taten dazu führen, dass sie sich aus der Situation befreien kann, wird der Bildschirm dunkel und als nächstes kommt eine ganz andere Szene und sie ist nicht mehr in dem Schacht.

Das ist sehr irritierend und hat zumindest bei mir verhindert, dass ich das Spiel als befriedigend empfunden habe. Normalerweise hat eine Geschichte ja einen Anfang, eine Mitte und ein Ende und im Idealfall hat man am Ende ein befriedigendes Gefühl, weil man begreift, wie alles zusammenhängt und weil alle angedeuteten Spannungsmomente zur Zufriedenheit aufgelöst wurden. So arbeiten Krimiautoren, weshalb man diese Form des Erzählens auch "detektivisches Erzählen" nennt. Und es ist eine Kunst, dieses detektivische Erzählen wirklich zu beherrschen. Bleiben wir beim Krimi: es ist nicht schwer, eine Geschichte zu schreiben, bei der es hundert möglichst bizarre und unterhaltsame Verdächtige gibt – sehr viel schwieriger ist es dagegen, von diesen hundert glaubwürdig und nachvollziehbar die 99 auszusortieren, die es nicht waren – und dies auch sprachlich gelungen rüber zu bringen.

In dem Spiel wiederholt sich das öfters, dass Charaktere auftauchen, die nur für eine einzige Funktion gebraucht werden, und dann wieder spurlos verschwinden. Oder eben "spurlos auftauchen" wie der Mann in dem Minenschacht. Und selbst der Mord oder die Mordserie, wegen der die FBI-Agentin überhaupt tätig wird, wird nicht aufgelöst, zumindest findet er in dem weiteren Spiel keinerlei Erwähnung mehr. Dazu gibt es noch einige Fehler im Spiel – einen Becher, den ich aufnehmen sollte, konnte ich nur dadurch wieder vom Cursor loseisen, dass ich das Spiel kurz beendete und dann neu startete. Manche Suchitems werden nicht in gelb angezeigt, obwohl man um sie zu finden, erst etwas tun muss. Bei manchen Objekten verwandelt sich der Cursor in eine Lupe, aber man kann gar nicht darauf klicken. Und ein Objekt im Inventar heißt dann auch nicht einfach "Holz", sondern "D_ch6wood2" – alles Zeichen dafür, dass – wie ich in einem amerikanischen Spieleforum las – das Spiel zu schnell nach dem Betatest erschienen ist. Weshalb Big Fish Games angeblich auch schon eine neue Version seit dem 02.11. zum Download anbietet, in der wohl einige Bugs repariert wurden.

Das Spiel hat viele gute Seiten, tolle düstere Zeichnungen, wirklich beeindruckend gelungene Darstellungen von Gewitter und Regen – ich hatte schon mal geschrieben, dass Wasser darzustellen, eins der schwierigsten Dinge in der Animation ist– dazu nette Kleinigkeiten wie die, dass man während das Spiel lädt, ein Haus grau in grau sieht und es langsam bunt wird und quasi "zum Leben erwacht". Die Musik ist sehr passend und stimmig. Die Geschichte ist super spannend. Schade, dass die Spieleautoren nicht mehr Mühe darauf verwandt haben, die Geschichte wirklich stimmig durchzukomponieren. Bleibt zu hoffen, dass sie es in der Fortsetzung der Geschichte besser machen, denn eine Fortsetzung wird zumindest augenzwinkernd am Ende des Spiels schon angedeutet.

Copyright © 2008- 2017 Gamesetter.com

Go to top