Zum Spielportal
Mystery Tales - Schwarzer Tod


tassentassen
Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Domini

Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 12.03.2017


Komplett einfallsloses Aneinanderreihen von Standards mit sehr vielen Minispielen
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Wir werden von einer Freundin zum Museum gebeten, in dem sie tätig ist: Eine Ausstellung zur Pest im Mittelalter ist geplant. Ein seltsames Artefakt taucht auf, das wir untersuchen sollen. Stellt sich heraus, dass ein Doktor aus dem Mittelalter Rache für seine Hinrichtung sucht, zu der verurteilt wurde, weil er schwarze Magie zur Rettung seiner Familie praktizierte.

Museum? Schwarze Magie? Rachegeschichte? Kommt dir irgendwie bekannt vor?
Nun, es wird noch schlimmer. Folgendes hätte sich gut und gern in einer Redaktionskonferenz bei Domini ereignet haben: Chef: „Leute, wir haben ein Problem. In zwei Wochen müssen wir ein Spiel heraus bringen. Vorschläge?" Betretenes Schweigen, dann: „Hey, unsere drei Praktikanten üben doch gerade mit den ganzen alten Spielen, die haben da ganz schön was zusammen geschrieben!" Chef: "Aber wird das auch reichen?" Betretenes Schweigen. Dann: „Wir könnten doch Eddie fragen, der sammelt ja schon seit Monaten Minispiele, da packen wir einfach so 20 oder 30 von rein." Chef: „Klasse, so machen wir es." Zugegeben, es wird wohl eher nicht so gewesen sein. Aber es sieht so aus.

Der Fortgang der Geschichte ist ein einziges Trauerspiel, Klischee reiht sich an Klischee. Schon in den ersten 10 Minuten taucht der sagenumwobene kaputte Reißverschluss auf, zusammen mit der Glasscherbe als Messer; Naht auftrennen und dem Staubwedel für Spinnweben. Und das ist erst der Anfang. Zunächst geht es wenigstens recht flott und sogar unterhaltsam voran. Aber ab der Mitte etwa kommen nur noch Wiederholungen: Haarnadel, Zange, Meißel, Lappen, Hammer, Dekoration, Besen, Embleme ohne Ende, dito Schlüssel, Axt, Feuerstein usw., dazu Tiere (verjagen, bestechen) kommen sämtlich mindestens zweimal vor, teilweise öfter, und das ist nur eine Auswahl. Natürlich fehlen auch nicht die sattsam Standardaufgaben wie Leiter reparieren, Lücke in Brücke, (sicherheitshalber mehrfach) kleines Feuerchen löschen und und und. Nicht zu vergessen diese unsägliche Spezialbrille, mit der man eine Szene betrachten kann, um einen Teil der Vorgeschichte zu erfahren. Das hat schon bei zu vielen Vorgängern genervt und ist nur Zeitschinderei. Dass schließlich alle möglichen Embleme nur eingesetzt werden, um neue Embleme zu finden und alles an den unmöglichsten Stellen gefunden wird, verwundert kaum noch. Schwächen in der deutschen Übersetzung runden die Sache nur noch ab.

Die Wimmelbilder sind etwas besser, nämlich wenigstens Durchschnitt. Meist handelt es sich um solche mit Wortlisten und harmlosen Interaktionen. Im Englischen heißen sie ja HOS (hidden object scene, hidden = versteckt). Diese hier sind eher UHOS, für unhidden. Als Alternative können wir jeweils ein 3-gewinnt spielen.

Minispiele gibt es reichlich, so um die 30, meist in zwei Ausführungen: leicht und schwer. Hier treffen wir jede Menge alte Bekannte an, die schweren sind gewöhnlich auch tatsächlich schwieriger. Die schiere Menge hemmt den Spielfluss, wenig hilfreich sind auch manche Erklärungen, die mindestens missverständlich sind. Völlig daneben ist ein Spiel, bei dem sinnlos probiert werden muss, um die richtige Reihenfolge zu ermitteln. Es gibt mehrere Millionen mögliche Kombinationen. Selbst, wenn für jede Ziffer spätestens nach der Hälfte der Kandidaten Erfolg erzielt wird, bleiben noch deutlich über 700. Spaß sieht anders aus. Immerhin stellen die Minispiele im ganzen noch den besten Teil vom ganzen dar. Sie lassen sich sämtlich überspringen und neu starten.

Wenigstens endet das Spiel zufriedenstellend ohne völlig schwachsinniges Minispiel nach akzeptabler Länge, sofern nicht allzu viele Minispiele übersprungen werden. Diese Länge allerdings ist sozusagen als Brutto aufzufassen: Ziehen wir die vielen Längen, etwa durch die Spezielbrille, und die Wiederholungen in Gedanken ab, sieht es schon schlechter aus.

An Hilfen gibt es den üblichen Tipp, der zuverlässig arbeitet und eine Karte. Diese ist im ersten Teil vollkommen misslungen: Da man aus offenbar fehlgeleiteten künstlerischen Erwägungen die Szenen sehr großzügig angelegt hat, passen nicht alle auf eine Seite. Und da ein Pfeil oder dergleichen fehlt, mit dem man die zweite Seite direkt aufsuchen könnte, finden wir öfter keine Szene mit aktiver Aufgabe vor, sie befindet sich eben auf der anderen Seite. Der Tipp hilft hier dann doch; wer lieber ohne Tipp spielt, muss zu einer Szene springen, die in beiden Seiten auftritt, dort geht es dann weiter.

Die Sammlerausgabe enthält neben dem üblichen diverses zum Sammeln, etliche Minispiele und Wimmelbilder können nach gespielt werden.

Fazit:
Wir haben hier einen schalen Aufguss von schon viel zu oft gesehenem, ohne jede Inspiration. Wer Minispiele eher nicht mag, sollte unbedingt die Finger davon lassen. Freunde von Minispielen können zu unserer Wertung eine Tasse in Gedanken hinzu fügen. Wir raten für gewöhnlich zur Demoversion, warnen hier aber, dass es nach Ablauf dieser immer weiter bergab geht.