Mystery Case Files: Schlüssel zu Ravenhearst


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Eipix

Download (Normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 28.10.2015


Durchschnittliches Spiel, das hauptsächlich punktet, weil es eine "normale" Spielzeit hat.
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Ravenhearst ruft erneut. Nach all den furchtbaren Vorfällen in der Vergangenheit, hat die Agency einen Undercover-Agenten eingesetzt, der die Überreste von Ravenhearst im Auge behält. Jetzt gibt es verstörende Nachrichten. Ein Unbekannter hat das Grundstück gekauft und plant, das Haus wieder aufzubauen. Als du dich mit Agent Barker triffst, übergibt er dir eine geheimnisvolle Schatulle und es wird sofort klar, wer hinter all dem steckt.

4 Modi, inklusive eines mit persönlichen Einstellungsmöglichkeiten, stehen zur Verfügung. Dazu gibt es im Hauptspiel (nicht im Bonus-Spiel der Sammleredition) eine Karte mit allen Angaben (falls gewünscht) und Springfunktion; der Tipp ist Hinweis, Richtungsgeber oder Teleporter, falls die Strecke länger ist. Es gibt keinen Helfer, aber einen ständigen Begleiter. Eine anfänglich erhaltene Schatulle wird zum Dauerminispiel, in dem du immer wieder Objekte einsetzen musst, um dir ein neues Objekt durch ein Minispiel zu erarbeiten.

Wimmelbilder erscheinen als Wortsuchlisten mit mehr oder weniger Interaktionen und einem simplen Miniminiminispielchen. Es gibt außerdem 1 Umriss-Puzzle-Suche. Gerade Eipix hat in der letzten Zeit mit Variantenreichtum bei den Wimmelbildern gepunktet. Hier aber sind die Suchszenen langweilig, oft mit dunklen Ecken (nach dem dritten weißt du, dass du dort ruhig blind klicken solltest) und die Minispielchen reissen es auch nicht wirklich heraus. Wie immer ergeben die Superpuzzles keinen Sinn und das mindestens einmal in einem solchen Ausmaß, dass man entweder in einer Lösungshilfe nachschaut oder einfach pures Glück hat, eine richtige Kombination zu erraten. Die anderen Puzzles sind gut gemacht, zum großen Teil aber extrem einfach; aber es gibt auch etwas kniffligere, die dann tatsächlich Spaß machen.

Ein Buch gibt es nicht. Entweder schreibst du Codes separat mit oder du hast ein gutes Gedächtnis und das brauchst du dann definitiv. Denn entweder erinnerst du dich an den Code oder du erinnerst dich, wo du einen Code gesehen hast. Ansonsten: Fröhliche Suche! Hübsch auch, dass du dich mit einem scheinbar sinnlosem Puzzle abmühst - den Code, der dir viel dummes Geklicke erspart hätte, findest du ggfs. erst später. Auch die Dokumente, die man zu Beginn im Auto findet, können an keiner Stelle noch einmal nachgelesen werden. Was uns zum nächsten Punkt führt.

Für Anfänger ist das Spiel nur dann geeignet, wenn man nicht verstehen will, was man tut. Gleiches gilt für Einsteiger in die "Mystery Case Files" Serie. Es gibt immer wieder Bemerkungen, Notizen und anderes, was sich auf die Vorgänger bezieht - wer die nicht kennt oder keine Erinnerung daran hat, wird den Spielverlauf als noch chaotischer und unlogischer empfinden, als er sowieso schon ist. Da man nichts nachlesen kann (zumindest nichts auf die Geschichte bezogenes), bleibt nur das Gedächtnis oder aufgeben und hinnehmen.

Sammler-Spieler sammeln Raben und veränderliche Objekte in den Wimmelbildszenen. Es gibt einen Souvenierraum, Auszeichnung; Puzzles und Wimmelbilder können erneut gespielt werden, Konzeptkunst und Musik. Das Bonuskapitel hat ebenfalls eine akzeptabele (nicht zu verwechseln mit guter) Länge und erzählt, wie einer der Protagonisten in die Situation des Hauptspieles geraten ist. Alles in allem wirkt das Bonusspiel extrem einfach, unmotiviert und drangeklatscht.

Grafisch dunkel gehalten ist Mystery Case Files: Schlüssel zu Ravenhearst trotzdem klar und atmosphärisch. Doch leider lassen die vielen unsinnigen Aktionen und ein Spielverlauf, der ohne einen Hauch von Logik von Statten geht, kein wirkliches Eintauchen zu. Die Geschichte ist nicht nur schwach, sie ist schlimmer als das: denn das Ende zeigt uns, dass wir erneut versagt haben. Das ist die klare Aussage in Dauerserien, die aufeinander aufbauen: Wir als Protagonist versagen - denn das Böse siegt immer, während wir uns selbstverliebt im scheinbaren Erfolg suhlen. So langsam empfinde ich persönlich die Ankündigung einer Fortsetzung als Drohung, nicht als Ansporn zu Vorfreude.

Eine einst großartige Serie lebt nur noch von seinem Namen. Natürlich wird es sich verkaufen, wie alles, was einen Namen hat. Aber Namen haben eben nichts mit Qualität zu tun. Eipix als Entwickler feiert sich, liefert ein Spiel nach dem anderen. Und das Eine ist eben wie das Andere. Mystery Case Files: Schlüssel zu Ravenhearst hat seine Momente. Wie eigentlich jedes Eipix-Spiel. Es ist grafisch gut, spielerisch beliebig und bietet eine angemessene, wenn auch nicht übertrieben gute Spielzeit. Wenn man nicht den vollen Preis für die Normalversion bezahlen muss, dann ist man damit leidlich gut bedient. Nicht mehr.