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Modern Tales: Zeitalter der Erfindungen


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Herausgeber: Artifex Mundi
Entwickler: Orchid Games

Download: Deutschland-Spielt
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 20.09.2018


Relativ einfaches Wimmelbild-Abenteuer ordentlicher Länge
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Wir spielen als Emily Patterson, die ihren Vater, einen Professor, bei der Weltausstellung in Paris im Jahr 1889 aufsucht. Recht schnell passieren unerfreuliche Dinge, ihr Vater verschwindet, ein übler Geselle mit dunklen Hintergedanken taucht auf. Damit sind die Aufgaben prinzipiell klar: Vater muss gefunden, der Übeltäter gestoppt werden.

Wir haben während des Spiels mehrfach zu reisen: in die Schweiz und Sibirien. Unterwegs treffen wir auf aus heutiger Sicht absolute Berühmtheiten wie Ferdinand Porsche, Coco Chanel, Albert Einstein und Graf Zeppelin. Hier ist es empfehlenswert, nicht weiter über geschichtliche Tatsachen und Zusammenhänge nachzudenken. Denn da stimmt einiges hinten und vorne nicht: Coco Chanel, Einstein und Porsche waren zu der Zeit Kinder.

Die Grafik dürfte die Spielergemeinde spalten. Die Szenen sind nach alter ERS-Manier gemalt, was nicht jedem zusagt. Die Personen treten als statische Erscheinungen auf, mit immer demselben Gesichtsausdruck. Das entspricht eher dem Stand vor 5 bis 10 Jahren.

Die Geschichte ist einerseits insofern nicht eben neu, als zwei wesentliche Hauptelemente schon vielfach erlebt wurden, nämlich die Entführung eines Verwandten und ein Kollege mit Weltherrschaftsambitionen. Aber andererseits wird sie vergleichsweise vielschichtig erzählt. Logische Brüche kommen in diesem Zusammenhang nicht vor (in einem anderem sehr wohl, siehe unten). Das Ende kommt nach einer für heutige Verhältnisse recht langen Spielzeit, ist aber insofern noch nicht das eigentliche Ende, als zwar der Übeltäter besiegt wurde, aber ganz offensichtlich noch wesentliches zu erledigen bleibt. Erst im Bonuskapitel werden diese Lücken geschlossen, kein sehr feiner Zug.
Lästig sind hier die sehr vielen Dialoge.

Die Wimmelbilder sind gut gemacht, aber eher auf der leichten Seite. Ernsthaftes Suchen ist Mangelware. Die eingebauten Interaktionen sind meist nicht der Rede wert, wir haben nur Dinge zur verschieben und dergleichen. Immerhin sind sie in der Weise abwechslungsreich, dass sie variiert werden: Wir haben Wort-Suchlisten, solche mit Silhouetten, und auch Exemplare mit Zurück-Einsetzen kommen vor. Viele davon werden zweimal gespielt.

Die Minispiele sind sparsam verstreut. Ihre Schwierigkeit reicht von äußerst simpel bis einigermaßen anspruchsvoll, alle sind aber durchaus lösbar. Negativ fällt hier auf, dass keineswegs alle Minispiel zurück zu setzen sind.

Die angebotenen Hilfen sind Standard: Wir haben eine Karte mit Sprung-Funktion und einen Tipp zur Verfügung.

Im Abenteuerteil wird die Geduld vieler auf eine harte Probe gestellt. Zwar kommen verhältnismäßig wenige Embleme und dergleichen vor (dies wird im Bonuskapitel leider gründlich nachgeholt), aber die Logik bleibt hier viel zu oft auf der Strecke. Zum einen werden alle möglichen Objekte an den schwachsinnigsten Stellen gefunden, zum anderen darf füglich angezweifelt werden, dass alles im Jahr 1989 dem Stand der Technik entspricht. Zum Beispiel kann bezweifelt werden, dass ein elektronisches Signal über Telefon übermittelt werden konnt. Immerhin kommen neben den üblichen Standardaufgaben wie Tiere bestechen und einer Unmenge von zu betätigen Hebeln und Schaltern auch weniger bekannte bzw. vorhersehbare Aktionen vor.

Zur programmtechnischen Umsetzung ist ein wenig Meckern angesagt: Die Menüstruktur ist schlecht, z.B. können wir nicht direkt im Hauptmenü das Profil wechseln bzw. anlegen, sondern müssen das Untermenü der Optionen bemühen. Gegen Ende klappt einiges gar nicht mehr so recht: Mehrfach laufen die Dialoge so rasend schnell ab, dass sie nicht mitgelesen werden können. Und der Tipp versagt an mindestens einer Stelle völlig, indem er mit penetranter Boshaftigkeit auf etwas verweist, wo rein gar nichts mehr zu tun ist.

Die deutsche Übersetzung ist weniger gut gelungen. Es treten einige Rechtschreibfehler auf, einige Übersetzungen gehen schief. Sehr nett zum Beispiel ist die Übersetzung von Monkey Wrench zum Affenschlüssel. Gemeint ist allerdings ein Universalschraubenschlüssel. Ich habe eigens nachgesehen: Der Duden kennt das Wort Affenschlüssel nicht.

Zum Erwerb der Sammlerausgabe raten wir ja für gewöhnlich nicht. Hier raten wir wenigstens nicht rundweg ab. In jeder Szene gibt es ein Sammelobjekt zu finden, teilweise ist es ganz gut in die Szene eingepasst, so dass es nicht sofort ins Auge springt. Chamäleonobjekte kommen nicht vor. Einige Wimmelbilder und Minispiele können nach gespielt werden, dazu kommt das übliche Material.

Fazit:
Wir haben hier ein Spiel ordentlicher Länge mit interessanter Geschichte, aber nur teilweise befriedigendem Ende. Wimmelbilder und Minispiele sind eher durchschnittlich. Ernsthafte Schwächen sind nicht auszumachen, wohl aber einige Kleinigkeiten, die in der Summe den positiven Gesamteindruck trüben.