Lost Lands: Der goldene Fluch


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Five-bn

Download (Normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 14.12.2015
Deutsch (Sammler): 14.01.2016


Wimmelbild-Abenteuer mit Betonung auf Abenteuer: Einfallsreich und enorm lang
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Du wirst als Susan in eine fremde Welt gezogen, die sich recht bald als die Lost Lands erweist. Diese hattest du schon früher besucht, und auch diesmal wieder wird deine Hilfe dringend benötigt, denn sicher verwahrt geglaubte Dämonen drohen erneut zu erwachen.
Obwohl immer wieder zwischendurch Anspielungen auf die beiden Vorgänger des Spiels auftauchen, ist deren Kenntnis nicht erforderlich.

Vor jeglichen Rettungsaktionen aber musst du wie üblich zunächst einen Spiel-Modus fest legen. Nicht ganz wie heutzutage üblich, werden dir zunächst nur drei Varianten vorgeschlagen, darunter keine benutzer-definierte. Bei näherer Betrachtung aber lassen sich in jedem der vorgefertigten Modi die zur Verfügung stehenden Punkte beliebig an- und abwählen. Es ist also in der Tat möglich, deinen Modus nach persönlicher Vorliebe maßzuschneidern.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Five-bn lobenswerterweise die Möglichkeit einräumt, auf die Bekanntgabe der von vielen als komplett überflüssig angesehenen Ziele zu verzichten. Und in der Tat sind recht viele Spieler beim Anblick einer abgeschlossenen Tür in der Lage für sich selbst festzustellen, dass das Öffnen der Tür lohnenswert sein könnte.
Der gewählte Modus kann jederzeit im Spiel modifiziert werden.

Bild und Ton
Die Grafik kann überzeugen, die Szenen sind abwechslungsreich, teilweise durchaus fantasievoll gestaltet. Sie enthalten von Zeit zu Zeit kleinere Animationen. Die Charaktere sind ebenfalls gelungen dargestellt, während Dialogen werden sie groß gezeigt und zeigen ein wenig Mimik, auch passende Lippenbewegungen sind vorhanden. Die Charaktere sind mit Stimmen versehen (voice-over). Und hier können wir feststellen, dass im Gegensatz zu vielen traurigen Gegenbeispielen in der letzten Zeit die Auswahl der Sprecher gelungen ist. Die Stimmen passen, ebenso die Betonungen – kein Schmierentheater hier.

Hilfen
Wie es heute zum Standard gehört, finden sich auch hier eine Karte und der Tipp. Die Karte ist gut durchdacht aufgebaut. Infolge der großen Anzahl von Örtlichkeiten ist sie in 5 Teile aufgesplittet, die über Karteireiter jederzeit angewählt erden können. Je nach Modus-Wahl werden Örtlichkeiten markiert, an denen aktuell etwas zu erledigen ist, hier sind keine Ungereimtheiten aufgefallen. Ein Direkttransport ist möglich. Der Tipp beinhaltet ebenfalls eine Transport-Funktion, falls der empfohlene Ort weiter entfernt ist. Auch hier scheinen keine Probleme aufzutreten. Kleine negative Auffälligkeit: Wann immer etwas zu lesen auftaucht, muss es auch gelesen werden. Andernfalls gilt die Aufgabe nicht als erledigt, und der Tipp führt dich dort hin. Gleichgültig, ob die Information von bedeutung ist oder nicht.
Zusätzlich gibt es wieder einmal etwas, das in letzter Zeit in Vergessenheit geraten zu sein schien, nämlich ein Tagebuch. Mehr als einmal werden hier Hinweise zu künftigen Rätseln fest gehalten.

Wimmelbilder
Es gibt 13 Wimmelbilder, für die Länge des Spiels eher wenig. Jedes wird nur einmal besucht. Sie gehorchen sämtlich denselben Vorgaben: Es sind eher Wimmelbild-Rätsel. Es gibt stets eine Suchliste mit Silhouetten. Alle gefundenen Objekte werden in der Szene wieder als Werkzeug eingesetzt, zusätzlich sind recht oft einfache Minispiele eingebettet. Reine Wimmelbild-Fans werden hier nicht so recht auf ihre Kosten kommen. Die Suchszenen aber sind nicht überfüllt und fair, dabei durchaus anspruchsvoll.

Minispiele
Die Minispiele sind wohl der größte Schwachpunkt des Spiels. Es sind 25 an der Zahl, größtenteils nicht schwierig, teilweise sogar viel zu leicht. Immerhin finden sich aber auch einige wenige etwas härtere Brocken. Es fehlt durchgängig eine Neustartfunktion, unverständlich aufgrund des ansonsten so durchdachten Aufbaus. Immerhin lässt sich ein Neustart meist dadurch erzwingen, dass das Minispiel verlassen und sogleich neu gestartet wird.
Sowohl Minispiele als auch Wimmelbilder sind technisch/grafisch gut gestaltet und passen sich gut in die Situation ein.

Geschichte
Die Entwicklung der Geschichte gehört zu den Stärken des Spiels. Sie ist in sich stimmig, es sind so gut wie keine unlogischen oder auch nur physikalisch sinnlosen Aktionen auffällig, wenn man nicht gerade verbissen danach sucht. Parallel zur Entwicklung der Geschichte wie Susan, und mit ihr wir als Spieler, sie erlebt, wird nach und nach eine Reihe von Manuskriptseiten gefunden. Diese erzählen die wichtigsten Aspekte ausführlicher noch einmal nach und werden aufbewahrt zur gefälligen Lektüre. Wir kommen auch ohne sie aus, aber alle, die eine Geschichte gern ausführlich und mit Hintergrund erzählt bekommen, können hier mit Gewinn fündig werden.
Das Ende der Geschichte ist auch wirklich eines: Hier wird nichts auf das Bonus-Kapitel verschoben oder gar auf kommende Nachfolger.

Es handelt sich bei Lost Lands 3 um ein Wimmelbild-Abenteuer, dessen Schwerpunkt recht stark das Abenteuer ist. Tatsächlich werden alte Abenteuerhasen mehr als einmal feststellen, dass komplexere Lösungen für einzelne Probleme vonnöten sind, eben wie in alten Zeiten. Den Entwicklern ist dabei aber offenbar bewusst gewesen, dass sie ein Casual Game erschufen, Betonung auf casual. Daher wurden an vielen Stellen teilweise überdeutliche Vorschläge zur Lösung einzelner Probleme vorgetragen, sicher durchaus unerwünscht von manchen. Besonders lästig erschien hier das Mädchen Fiora, etwa 10-12 Jahre als, das unentwegt völlig unkindliche Ideen entwickelt und dito Anweisungen in Erwachsenen-Sprache erteilt.
Wer viele Hilfen bei der Modus-Wahl abgestellt hat, könnte es begrüßen, dies nachträglich ändern zu dürfen. Es werden erhebliche Wege zurück gelegt, Szenen haben eine heftige Anzahl von Baustellen, die sich nur sehr zögerlich abbauen – ohne Karte wird es da sehr schnell mühselig.
Vorbildlich nun wiederum aber der Einsatz von Werkzeugen: Hier wird nichts vorschnell weg geworfen, sondern häufig mehrfach verwendet. Im Fall von Hammer und Messer sogar vom Anfang des Spiels bis fast zum Ende.
Dieses Ende wird nach einer drastisch überdurchschnittlichen Zeit erreicht. Wer nach Feierabend infolge schwachen TV-Angebots mal eben ein Spielchen wagen möchte, ist falsch am Platz. Zumindest, wenn dessen Ende in einem Rutsch erlebt werden soll. Eine Schätzung fällt schwer, aber weniger als 6 Stunden erscheinen als höchst optimistisch. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass die enorme Länge auch ihren Preis hat: Gegen Ende zu lässt der Einfallsreichtum nach, und es werden (gefühlt) praktisch nur noch Schlüssel gesucht. Aber bis dahin haben wir ein abwechslungsreiches, gut gemachtes Spiel ohne deutliche Mängel genossen.

Sammlerausgabe
An dieser Stelle kann zur Abrundung sogar die Sammlerausgabe empfohlen werden. Zwar erhalten die Käufer der Normalausgabe schon mehr an Spiel als eine durchschnittliche Sammlerausgabe inklusive Bonus-Kapitel bietet. Aber schon allein deshalb könnte man einen höheren Preis vor sich selbst rechtfertigen.
Neben dem üblichen Material gibt es in der Sammlerausgabe ein Bonuskapitel, das einen Nebenaspekt der Geschichte unabhängig erzählt, es werden die von vielen geliebten veränderlichen Objekte gesucht, dazu Sammelobjekte. Wer alle Sammelobjekte gefunden hat, kann zusätzlich einige Extra-Minispiele spielen, außerdem lassen sich 25 Minispiele nach spielen. Es gibt ferner ein Quiz zum Spiel und natürlich die sattsam bekannten Auszeichnungen. Insgesamt wurde also auch hier eher nicht gespart.

Fazit
Lost Lands 3 ist ein sehr langes Wimmelbild-Abenteuer mit starker Betonung auf dem Abenteueraspekt. Es punktet in fast allen Bereichen bei nur wenigen Schwächen, hauptsächlich bei den Minispielen. Es kann all denjenigen ans Herz gelegt werden, die eine vernünftige Geschichte und einen gesunden Anspruch schätzen. Wegen der gut entwickelten Hilfen ist es sowohl für Anfänger/Neueinsteiger als auch für erfahrene Spieler geeignet.
Feunde des reinen Suchens kommen hier weniger auf ihre Kosten.
Im Zweifelsfall gilt selbstverständlich wie immer: Der Probe-Download ist angeraten. Er vermittelt einen guten Eindruck, das Spiel lässt nach der üblichen Stunde nicht nach.