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Kingmaker - Lang lebe der König


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Herausgeber: Artifex Mundi
Entwickler: Cordelia Games

Download (normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 07.01.2019


Leichtes, kurzes Wimmelbild-Abenteuer ohne großen Anspruch, aber mit guter Geschichte
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Die Gebrüder Ulmer, treue Vasallen des Königs, begleiten diesen auf dem Weg zurück von einem Jagdausflug. Die Kutsche gerät in einen Hinterhalt, indem eine Brücke sabotiert wird. Nicht nur wird der König ermordet, den Ulmer-Brüdern wird der Mord auch in die Schuhe geschoben. Unsere Aufgabe als einer der beiden besteht nun offenbar darin, sich reinzuwaschen, die Täter zu überführen und dem rechtmäßigen Erben des Throns zu demselben zu verhelfen.

Gleich zu Beginn stellt sich uns die Frage, was die Entwickler geritten haben könnte, das Hauptmenü so zu gestalten wie es ist. Sowohl die Einstellungen als auch die Profilwahl (die ja wohl die meisten zu Beginn anwählen dürften), verstecken sich in einem Punkt namens Mehr.

Die Geschichte ist für sich genommen zunächst interessant. Es hätte daraus ein sehr schönes Spiel werden können, wenn die Entwickler mehr Sorgfalt auf die Erzählung verwandt hätten. So wird nie schlüssig dargestellt, wer genau eigentlich für die Intrige verantwortlich ist. Die Beschreibung auf der Download-Seite stellt die Zusammenhänge zwar dar, aber im Spiel bleiben sie im dunklen.

Cordelia Games ist ein relativ neuer Entwickler. Unter der Obhut des ehemals hervorragenden Teams von Artifex Mundi ist das vorliegende Spiel das zweite nach Path of Sin: Gier. Nun gibt es für neue Entwickler im wesentlichen zwei Möglichkeiten: Sie können zum einen mit Elan und Frische dem Genre neue Seiten abgewinnen. So war es zum Beispiel bei Eipix mit den ersten Spielen der Reihe Final Cut, bevor sie dann nach und nach ins Schema F abglitten. Sie können zum anderen sich daran orientieren, was aktuell geboten wird und dem nacheifern. Leider liegt der zweite Fall vor.

Aber gehen wir der Reihe nach vor:

Die Grafik ist zwiespältig zu sehen. Zum einen sind die Szenen in der Mehrzahl detailreich gestaltet. Zum anderen sind gerade die wichtigen Details zu häufig schlecht dargestellt. In den Wimmelbildern kommt es mehrfach vor, dass Suchobjekte kaum zu identifizieren sind, wohl leicht zu sehen, aber eben schlecht zu erkennen. Ein weiteres Beispiel ist spät im Spiel eine schadhafte Steinbrücke. Sie sieht in der Totalen anders aus als in der Nahansicht. In ersterer ist sie komplett unterbrochen, in letzterer fehlt nur ein kleines Stück.

Die Wimmelbilder klappern so ziemlich die gesamte Bandbreite ab. Wir haben Wort-Suchlisten im Angebot mit nur geringen Interaktionen leider, Silhouetten, Fragment-Suchen und zumindest eins ist in Rätselform gestaltet. Das heißt, wir haben etwas herzustellen mit den Gegenständen im Wimmelbild. Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich abgesehen vom letztgenannten im leichten Bereich.

Die Minispiele sind kaum der Rede wert, sie sind durchgängig auf der leichten Seite angesiedelt. Besonders lästig hier ist die Tatsache, dass ein Minispiel sehr häufig wiederholt wird, es handelt sich um das sattsam bekannte "Problem", einen geschlossenen Linienzug zu zeichnen. Dieses Spielchen wird zu allem Überfluss anfangs sogar noch im Dreierpack dargeboten, einfach nur langweilig, lästig und uninteressant. Auch die übrigen bieten an keiner Stelle etwas auch nur ansatzweise neues oder wenigstens ungewöhnliches.

Der Spielablauf legt schließlich endgültig die Annahme nahe, dass die Zielgruppe Anfänger und Kinder sind. Wir werden fest an die Hand genommen und durch alle Probleme geleitet. Andauernd werden wir mit unvollständigen Objekten konfrontiert, wobei uns grundsätzlich gesagt wird, was da wohl fehlt. An der einen oder anderen Stelle ist das sogar sinnvoll, da in keinster Weise zu erkennen ist, was fehlt. Das hervorstechende Beispiel ist ein Podest, bei dem wir gesagt bekommen, dass da wohl Bauern fehlen, was selbst mit viel Fantasie eher nicht nachzuvollziehen ist. Versteht sich fast schon, dass besagte Bauern auch kaum als solche zu erkennen sind. Auffallend viele Objekte kommen mehrfach vor, zum Beispiel recht kurz hintereinander Wachen-Schlüssel. Und speziell gegen Ende ist jedes zweite Objekt entweder eine Dekoration oder wenigstens dekorativ. Zwar kommen mehrfach ungewöhnliche Hilfsmittel zum Einsatz (man ist ja schon für Kleinigkeiten dankbar), aber der Löwenanteil besteht in unablässigem Hin-und-Her auf der Suche nach dem nächsten Detail, das irgendwo eingesetzt werden muss. Natürlich bleibt die Logik hinsichtlich der Aufbewahrungsorte wie heute durchweg üblich vollkommen auf der Strecke.

Erfrischend andererseits ist die Tatsache, dass keine gern niedlichen Helfer auftreten und auch keine sonstigen Werkzeuge wie magische Linsen oder dergleichen.

Eine Unmenge an langen Dialogen führt zu Längen. Immerhin können sie weiter geschaltet und sogar übersprungen werden.

Nachdem bis hier ziemlich viel negativ dargestellt wurde, soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass sich trotz allem das Spiel flüssig und unterhaltsam spielen lässt.

An Hilfen stehen Tipp und Karte zur Verfügung. Beide arbeiten zuverlässig und bieten eine Transportfunktion an.

Die Länge des Spiels ist den gegenwärtigen Maßstäben folgend maximal im knapp durchschnittlichen Bereich angesiedelt.

Die Sammlerausgabe bietet neben einem enorm kurzen Bonus-Kapitel, das eine kleine Fortsetzung darstellt, in jeder Szene eine Suchobjekt an. Es ist immer dasselbe, eine riesige Münze, die wechselnd erscheint und verschwindet, aber jedenfalls nur schwer zu übersehen ist. Minispiele und Wimmelbilder können nach gespielt werden. Dazu gesellt sich das übliche Material.

Fazit:
Kingmaker ist ein kurzweiliges Spiel mit guter Grundidee. Anfängern kann es empfohlen werden. Anspruchsvolle Spieler, die gern selbständig ihren Grips anwenden möchten, werden angesichts der viel zu einfachen Minispiele und den ebenso leichten Aufgaben weniger Freude haben. Die Bewertung mit drei Tassen bezieht sich auf die angesprochene Zielgruppe.