Karma: Incarnation 1


tassen tassen
Herausgeber: 8floor Games
Entwickler: Other Kind Games Limited

Download: Deutschland-Spielt

Autor: Claudia K.
Datum: 08.11.2017


Gut gedacht, schlecht gemacht.
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Werbetext: Eine phantasievolle Reise durch bizarre Welten! Karma kriegt dich - früher oder später. So geht es auch der guten Seele Pip, der sich durch weltfremde Länder kämpfen muss, um seine große Liebe retten muss. Dieses phantasievolle Abenteuer-Spiel zieht dich in eine surreale Welt voller fremder Gestalten. Triff Entscheidungen, trag die Konsequenzen und tue alles für deine finale Inkarnation!

Schon gleich zu Beginn merkt man: Hier ist etwas anders. Nicht nur, weil alles mehrheitlich schwarz-weiß zu sein hat, man kein Profil anlegen kann, auch die Möglichkeit zur Umstellung auf Fenstermodus funktioniert nicht. Aber gut - das Spiel beginnt. Und ja, es ist anders. Keinerlei Text erhellt den Spieler, sowohl das Tutorial als auch die ersten Schritte werden ausschließlich in Bildform ausgeführt. Gedankenblase zeigen, was du tun sollst und du tust gut daran, der Sache aufmerksam zu folgen.

Der Anfang ist durchaus dazu geeignet, bei einem ungeduldigen Spieler die Frustrationsgrenze auszudehnen. Denn wer nicht intuitiv begriffen hat, dass er zwar ein Inventar hat, dies aber nur benutzt, in dem er Gedankenblasen anklickt, der wird schnell bereit sein, sich von Karma: Incarnation 1 zu verabschieden. Und im Verlauf ändert sich da nicht wirklich viel.

Bald darauf erkennt man, dass die Welt deiner Spielfigur durchaus Farben hat - es gibt eine Karma-Welt, die grellbunt ist und es kommen einem zum ersten Mal Zweifel, ob dieses Spiel so völlig ohne Drogen hergestellt wird. Zweifel, die nicht weniger werden, wenn man länger spielt. Doch um seriös zu bleiben - hat man anfänglich noch den Eindruck, dass diese Karma-Welt die ganze Sache ein wenig aufwändiger, spannender interessanter macht. Bis man dann sehr schnell feststellt: Spielerisch wird diese bunte Welt nur noch ein einziges Mal gebraucht, ansonsten benutzt du sie nur, um in deinem Fortbewegungsmittel ein Mini-Minispiel zu spielen.

Eigentlich genießen wir doch Spiele, die viele Extras haben (nein, ich rede nicht von den "Extras" einer Sammleredition, sondern von spielerischen Extras). Auch hier ist das gegeben - vieles von dem, was du entdecken wirst, wirst du gar nicht brauchen. Doch leider führt das nur zu noch mehr Verwirrungen, denn etwas von dem was du tust, macht Sinn oder ergibt sich spielerisch. Dass es bis auf Gedankenblasen und einer sehr nutzlosen Glühbirne keine Tipps gibt, macht es sicherlich nicht spaßiger. Und: diese Extras, dieses nicht genutzte Potential an Aktionen und Gegenständen, führt am Ende dazu, dass einem die grundsätzlich kurze Spielzeit noch kürzer vorkommt. Hätte man die Extras nutzen können, hätte das Spiel selbst eine bessere Länge.

Letzteres sollte man nicht falsch verstehen - wer sich durchquält, bis zum Ende, der wird mehr als nur die üblichen 3-4 Stunden Spielzeit erreicht haben. Aber nicht spielend. Zum einen bewegt sich die Spielfigur recht langsam, die Wege dagegen sind oft weit. Dazu kommt, dass man seltenst weiß, was man zu tun hat - so habe ich locker 1,5 Stunden damit verbracht, herauszufinden, wo ich einen Blumenkranz herbekomme. Der "Fund" war dann schließlich zufällig, nicht erspielt. Und wer versehentlich zum dritten Mal einen nicht überspringbaren Gedankenblasen-Einspieler anklickt, wird die dadurch verlängerte "Spielzeit" eher nicht positiv zu schätzen wissen.

Das Ende ist dann auch nicht besser. Zumal man kurz vor Schluss in ein "Dead-End" laufen kann. Willentlich vom Entwickler eingebaut. Du wirst eine Entscheidung treffen müssen - und triffst du sie, versehentlich oder absichtlich, falsch, wirst du das Spiel nicht beenden können. Wem das passiert und doch das Ende erleben möchte, muss die Speicherdateien löschen (C://Benutzer->dein Name->AppData->LocalLow->OTHER KIND GAMES LIMITED (<- diesen Ordner komplett löschen). Soviel sei noch verraten - der Titelzusatz "Incarnation 1" bezieht sich darauf, dass es eine Fortsetzung gibt, weil du das eigentliche Ziel nicht erreichen wirst.

Die Idee, mal etwas Neues zu probieren, ist gut. Und selbst grafisch und spielerisch ist das Spiel nicht so schlecht - wenn der Entwickler nur versucht hätte, es eben spielbarer zu machen. Die Grafiken sind, wie angedeutet, gewöhnungsbedürftig und .... kreativ. Aber eben nicht schlecht. Die Geschichte lässt Hintergrund vermissen, aber die Basis ist gut. Die eigentlichen Aktionen sind oft clever - wären sie nachvollziehbar (nicht zu verwechseln mit vorhersehbar). Aber so ist der Entwicklernamen unter "Nomen est Omen" einzuordnen - andere Spielarten limitiert.