A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | 0-9
links to Forum/Spenden/Facebook Spenden forum facebook

  • Nachlese
  • Tips&Tricks
  • Lösung
  • Direkt download


Haunted Train: Charons Geister


tassentassen
Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Deep Shadow

Download (Normal): BigFish Games.com
Download (Sammler): BigFish Games.de

Wenn Du Haunted Train: Charons Geister auch bewerten oder die Meinung anderer Spieler lesen möchtest, dann geht es hier lang

Autor: Elke M.
Datum: 13.01.2014
Deutsch (Normal): 20.05.2014

Nachlässig programmiertes Wimmelbildabenteuer mit wenig Finesse
~~~~~~~~~~~~~~~~~
Daniel und Olivia stehen kurz vor ihrer Trauung. Doch unverhofft erscheint ein dunkler Schatten, der den Bräutigam und somit uns bewusstlos werden lässt. Als wir wieder erwachen, fehlt von unserer Braut jedes Zeichen. Einzige Spur, die uns bleibt, ist eine Zugfahrkarte, die wir in unserer Hand halten. Flugs machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof, um nach diesem Strohhalm zu greifen und steigen wagemutig in den Todeszug von Charon (griech:  Fährmann, der in der griechischen Mythologie gegen einen Obolus die Toten über einen Fluss bringt) ein.

Dort treffen wir Olivia als Geist wieder, die uns erklärt, dass Charon sie nicht gehen lassen kann, solange sich ihre Mörder noch auf freiem Fuß befinden und somit ihrer gerechten Strafe entgehen. Als Hilfsmittel überreicht sie uns eine Linse, die uns die wahre Natur der Dinge offenbaren wird. Sorgenvoll machen wir uns auf die Suche nach der mörderischen Vereinigung, die uns durch viele Städte Europas führen wird und auf der wir auch andere ruhelose Seelen retten müssen.

So weit so gut. Von der ursprünglichen Geschichte aus der griechischen Mythologie sind nur der Name des Zugführers und die Tatsache, dass Tote befördert werden, geblieben. Gegen eine neue Interpretation spräche auch eigentlich nichts, aber muss man bei so viel bereits vorhandenem Stoff wirklich noch Transsilvanien und einen rumänischen Grafen namens Vladislav Orlok mit einbauen, dessen Name auch keine Eigenkreation ist, sondern aus einem Dracula-Film der 20er Jahre geklaut wurde? Um eines vorweg zu nehmen: Das Ende lässt auf eine Fortsetzung schließen, die uns dann womöglich diese chaotische Angelegenheit erklären wird.

Der grafisch gute Beginn täuscht. Ist noch das Intro ansprechend, so merken wir bald, dass Deep Shadows eine merkwürdige Taktik gewählt hat. Viele Hauptszenen wirken beim ersten Hinsehen gut und qualitativ dem Intro gleichwertig, doch wenn wir uns genauer umschauen, um Nahansichten, Objekte oder Wege zu finden sehen wir, dass viele Gebäude, Brücken und anderes unfertig wirken. Es macht fast den Eindruck, als habe man dort nicht vollständige Konzeptteile eingepasst. Als hätte man Zeit und Aufwand sparen wollen, so lange der „Schein“ aufrecht erhalten bleibt.

Sobald Figuren mit uns sprechen sieht es gar seltsam aus. Sie bewegen zwar stoisch den Mund auf und zu und vollführen dabei noch eine immer wiederkehrende Bewegung, ist aber der Satz zu Ende gesprochen, bleibt die Person bewegungslos stehen, bis wir als Spieler weiter klicken. Absolut inakzeptabel ist das dann, wenn auch noch Rauch oder eine Explosion in dieses Gespräch involviert ist. Solange wir kein Go geben, tut sich auf dem Bildschirm auch nichts mehr. Möglicherweise konnten wir das bei dem einen oder anderen Spiel auch schon erleben, aber mir ist es noch nie so extrem aufgefallen, wie hier. Und wenn ein altes Fräulein durchs Zimmer gleitet, als ob keine Füße vorhanden wären, sondern sie auf dem Rocksaum schweben könnte, dann ist das zwar unfreiwillig komisch, aber mehr als unpassend, da Hui Buh nun wirklich nichts mit den alten griechischen Mythen zu tun hat.

Und weil das alles noch nicht genug ist, bleibt mitten im Spiel die Inventarliste hängen und zwar so, dass sie nicht mehr zu sehen ist und nur noch über einen Neustart reanimiert werden kann. Zwei komplette Abstürze tun ihr übriges, um uns den eventuellen Kauf endgültig bereuen zu lassen. Ein Blick ins Forum von „Haunted Train: Charons Geister“ zeigt, dass wir hier wahrlich nicht die Einzigen sind, die diese technischen Probleme haben.

Aber nun zu den Fakten. Wir können aus drei Schwierigkeitsstufen wählen. Im Normal-Modus lädt der Tipp schnell und aktive Bereiche glitzern. „Experten“ erwartet genau das Gegenteil vom vorher genannten Punkt und „Professionell“ richtet sich an die Spieler, die ganz auf Hinweise und Überspringen verzichten möchten. Außerdem erhalten wir hier in den Wimmelbildern Strafen für zu häufiges, sinnloses Klicken. Über die Optionen ist unsere Einstellung aber jederzeit wieder änderbar.

Die Karte, die uns optisch an ein Bild aus der Sparte „Konzeptkunst“ erinnert, ist ganz in Ordnung. Sie zeigt tatsächlich immer nur die Orte an, an denen jetzt im Moment etwas zu tun ist, außerdem bringt sie uns schnell von A nach B. Eine Legende dagegen besitzt sie nicht, so dass wir erst erraten dürfen, wo wir uns im Moment befinden. Das wirklich hilfreiche Journal gibt uns oft Hinweise zu Rätseln oder zu den nächst möglichen Schritten, genauso wie der Tipp-Button, der verlässlich arbeitet.

Die Wimmelbilder besitzen alle dasselbe Strickmuster. Es handelt sich um Wortsuchlisten, in die kleine Interaktionen eingebaut wurden. Da wir jedes Wimmelbild in ziemlich kurzen Abständen ein zweites Mal spielen, können wir oft beim ersten Durchlauf schon erkennen, was beim nächsten Mal wohl zusammengesetzt oder zusätzlich geöffnet werden muss. Glücklicherweise kommen nicht allzu viele im Spiel vor.

Minispiele werden uns im Vergleich zu den Wimmelbildern zwar öfter angeboten, dafür sind sie einfallslos, optisch eher zurückhaltend und entweder auf niedrigstem Niveau oder auf Geduld ausgerichtet. Wir drehen Uhren, bis alle Zeiger auf die 12 zeigen, wir verbinden gleichfarbige Punkte ohne die Linien der anderen Punkte zu kreuzen und wir bringen vier Glocken auf die gleiche Höhe. Ein Mini-Städte-Quiz und einige andere Rätsel spielen wir mehrmals oder in mehreren Runden hintereinander ohne dass der Schwierigkeitsgrad ansteigt. Ein paar dieser Puzzles hätten sicherlich mehr Potential gehabt, um sie richtig interessant zu machen, allerdings haben die Entwickler da großzügig darauf verzichtet.

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, überraschen uns die „Macher“ zum Finale noch mit einem Specialeffekt, bei  dem vermutlich sogar Nichteingeweihte an eine billige Kopie von den Jedi Rittern aus Star Wars denken müssen. Gab es da nicht was mit Leuchtschwertern? Wer häufig die Karte nutzt und zügig die Dialoge durchklickt, schafft den Hauptteil wahrscheinlich leicht in unter 4 Stunden, weil es trotz Sammleredition nichts zu sammeln gibt, auch keine Auszeichnungen, Chamäleonobjekte oder Shops, in denen man etwas kaufen könnte. Aber um dennoch einen hohen Preis für wenig Leistung fordern zu können, beglückt man uns mit einem ca. 40-minütigen Bonuskapitel, das fast an den selben Orten wie zuvor spielt, das die Geschichte etwas weiter spinnt und trotzdem  geradezu nach einem weiteren Teil schreit und das grundsätzlich schlechter als das Hauptspiel ist. Ach so, ein paar Konzeptbilder, Wallpapers und Musik haben es dann doch noch in die Extras geschafft.

„Haunted Train: Charons Geister“ hat grundsätzlich eine Geschichte, die gar nicht mal so übel ist, auch wenn sie durch sinnlose Charaktere aus anderen Genres eher ins lächerliche gezogen wird. Selbst die nicht immer optimale Grafik würde zum ganzen Geschehen passen, wäre die Ausführung nicht einfach unheimlich nachlässig gemacht worden. Und wo sonst noch passable Wimmelbilder oder Rätsel das ein oder andere Spiel retten, treffen wir hier auf unterstes Mittelmaß. Die Probestunde hält weniger als das Spiel am Ende verspricht und ist somit kein geeignetes Mittel, um sich ein vernünftiges Gesamtbild zu machen. Die Sammleredition ist allerdings eine absolute Frechheit und nur pure Abzocke am Kunden, die hoffentlich niemand da draußen unterstützt.


Copyright © 2008- 2017 Gamesetter.com

Go to top