Haunted Manor: Der Herr der Spiegel

tassentassentassen
Herausgeber: BigFish Games Studio
Entwickler: Top Evidence Studio

Download: BigFish Games.de
Autor: Claudia K.
Datum: 29.08.2010


Ein einsam stehendes und verlassenes Haus am Ende des Dorfes - wir alle wissen schon durch den Titel was zu Beginn der Geschichte geschehen wird: Irgendwer wird in dieses Haus gehen und irgendetwas Unheimliches erleben. Und richtig: Diesmal ist es Stan, ein junger Mann, der eine Wette mit Freunden eingeht. Bisher ist noch niemand wieder aus diesem Haus herausgekommen, doch er will der Erste sein.

Doch kaum im Flur des Hauses nimmt das Schicksal seinen Lauf und ein Spiegel scheint Stan unwiderstehlich anzuziehen.Ohne eine Warnung zerbricht der Spiegel und Stan wird zum Gefangenen des Herrn der Spiegel. Aber er ist nicht allein - auf seinem Weg durch die vielen Räume des Hauses begegnet er zahlreichen Opfern, gefangene Seele oder auch Diener des Herrn. Aber eines haben sie alle gemeinsam, freiwillig oder unfreiwillig helfen sie Stan, eine der Glasscherben zu finden, die er braucht um aus dem Haus zu entfliehen. Und in der Sekunde des ersten Hilfsangebotes wissen wir ebenfalls: Das wird nur geschehen, wenn Stan, bzw. Du vorher etwas für den potentiellen Helfer erledigen.

Haunted Manor: Der Herr der Spiegel vermischt, wie viele heutzutage, Wimmelbild mit Abenteuer. Hier allerdings beschränkt sich dein Abenteuer pro Kapitel auf jeweils einen Raum. Die durchaus schönen Szenen, mit ein paar gruseligen Animationen und Soundeffekten, sind fast immer geradeaus gehalten. Du suchst ein paar Inventar-Objekte zusammen, spielst eine Suchszene, erledigst etwas, triffst auf den Geist, erledigst noch etwas, bekommst die Spiegelscherbe und gehst zum nächsten Raum.

Jeder Raum hat eine Ecke, die als Wimmelbildszene genutzt wird. Auf Grund des Ablaufes wirst du sie meist (aber nicht immer) zweimal spielen, am Ende erhältst du dann jeweils einen Gegenstand, mit dem du die Rätsel und Puzzle lösen kannst. Es ist nichts Neues dabei, nichts was du nicht schon kennst, meist ist es klar und deutlich, was du zu erledigen hast. Frustration wird selten aufkommen und auch der Hinweis, der sich schnell wieder auflädt und dir sowohl in den Such- als auch in den anderen Szenen zur Verfügung steht, hilft dir weiter - aber du wirst ihn selten brauchen. Nicht nur, dass die Grafiken klar und deutlich sind, die Wimmelbildszenen spielst du innerhalb von vielleicht 5-10 Minuten zweimal, teilweise mit den gleichen Objekten. Und auch die anderen hat man beim ersten Mal meist schon gesehen und weiss, wo sie zu finden sind.

Ab und an gibt es vor dem obligatorischen Spiegel putzen, das dich in den nächsten Raum bringt, ein Minispiel. Die sind in der Regel völlig sinnbefreit, haben keinen Zusammenhang mit dem gespielten Raum oder irgendeinem anderen und sind mehr oder weniger nur als Füller gedacht. Einfallslos, unoriginell und hundert Mal gespielt, werden nur die daran Freude haben, die solche Abwechslungen innerhalb eines Spieles mögen. Für die anderen gibt es glücklicherweise eine überspringfunktion.

Haunted Manor: Der Herr der Spiegel macht nicht wirklich etwas falsch. Gut, die Geschichte ist nicht wirklich interessant. Jedes Opfer erzählt dir, wie es Opfer oder warum es Diener wurde. In der Sammler-Edition wirst du durch das Finden von Figuren noch eine Geistergalerie aufbauen, in der kurze Einspieler ihre Geschichte in einer Minute noch mal verdeutlichen. Das macht es weder besser, noch hat hier wirklich jemand mit Talent geschrieben. Und auch das Spiel ist nicht wirklich langweilig, aber auch nicht spannend. Du weisst mehr oder weniger, was zu tun ist, aber du tust es eben in unterschiedlichen Räumen und nichts ist wirklich gleich. Die Grafiken sind nicht überragend aber doch gut und deutlich, die Animationen nicht neu und ungewöhnlich in dieser Art von Spiel, aber doch unterhaltsam und unterstreichen die Atmosphäre.

Und genau das ist es. Es ist ein nettes Spiel ohne jeglichen Einsatz von Originalität, Kreativität. Ausser und das finde ich bedauerlich, im Bonuslevel der Sammler-Edition. Da kommt wirklich für einen Moment Spannung auf, da hat man sich was einfallen lassen. Aber nur kurz: Nach etwa 10 Minuten ist das bereits wieder vorbei. Dieses Bonuslevel war das Einzige, dass ich mit Spannung, mit "grossen Augen" gespielt habe. Und gleichzeitig fand ich es sehr entäuschend zu sehen: Sie können es ja! Sie können eine spannende Geschichte in ein spannendes und kreatives Spiel einbringen. Und zeigen es nur denen, die den doppelten Preis für die Sammler-Edition zahlen.

Und so bleibt ein Spiel zurück, dass nett ist, dass du in 4 - 4,5 Stunden durchspielen kannst. Es wird dir Spass machen, aber nicht wirklich erfreuen. Es wird dich nicht frustrieren, aber eben auch nicht begeistern. Es ist nett, durchschnittlich in allem ausser den Grafiken und für den Normalpreis durchaus empfehlenswert.