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Haunted Legends: Der schwarze Falke


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: AMAX Interactive

Download (normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 27.07.2017


Komplexes Wimmelbild-Abenteuer ordentlicher Länge, nicht zu leicht
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Stephan Astor, ein Adliger und offenbar auch Magier, wird zum Tode verurteilt und in letzter Sekunde begnadigt zu 20 Jahren Kerker. Als er nach 20 Jahren frei kommt, werden in Bordeaux acht Mönche nach einander ermordet, Zufall? Du wirst als Ermittler dort hin geschickt.

Angenehm fällt auf, dass sich nicht wie so oft eine historische Ungenauigkeit an die nächste reiht. Und sei es auch nur deshalb, weil die Entwickler sich hier nicht aus dem Fenster gelehnt haben. Als nächstes bemerken wir, dass ein alter Bekannter auch hier wieder sein Unwesen treibt, nämlich der fiese Gnom Saint Germain. Allerdings spielt er hier nur eine durchaus entbehrliche Nebenrolle, womöglich wollte man nur auf dieses quasi Markenzeichen nicht verzichten.

Zunächst muss aus einem von vier Spielmodi gewählt werden, der vierte ist weitgehend frei konfigurierbar. Aus Gründen, die wohl nur die Entwickler kennen, können wir aber nicht die Anzeige von Kombi-Gegenständen abschalten.

Die Grafik ist im typischen Stil von ERS gehalten, mit wie gemalten Bildern, auch wenn der Name mittlerweile AMAX lautet. Sie ist Geschmackssache, wie so vieles, aber abgesehen von einigen recht dunkel ausgefallenen Teilen speziell in manchen Wimmelbildern wie üblich ansehnlich. Die Animationen sind gelungen. Das gleiche kann von den (zu) vielen Videosequenzen gesagt werden, die sich zum Glück überspringen lassen.

Ein deutlicher Minuspunkt sind die Hilfen. Es gibt eine Karte, die auch transportieren kann, aber unübersichtlich ist und nicht immer hilfreich. Denn es werden zwar Orte gekennzeichnet, an denen Aufgaben zur Erledigung anstehen, diese sind aber keineswegs aktuell lösbar, sondern oft erst später. Der Tipp ist großteils vollends misslungen: Es wird zwar in der aktuellen Szene auf eine interessante Stelle hingezeigt, so denn eine anliegt. Andernfalls wird maximal die Richtung angezeigt, in die zu gehen wäre, gelegentlich noch nicht einmal dies, stattdessen werden wir mit einem dümmlichen Spruch wie "Die Zeit wird knapp" abgespeist. Eine Transportfunktion wird nicht angeboten. Dazu kommt der wenig hilfreiche Umstand, dass oft auf Aufgaben hingewiesen wird, die zur Zeit nur teilweise, nicht aber komplett bewältigt werden können, etwa weil noch mindestens ein Teil fehlt.

Die Geschichte wird flüssig und ohne nennenswerte logischen Schwächen erzählt. Bei den unterwegs zu erledigenden Aufgaben kommen selbstverständlich viele Standardaktionen vor, sie sind aber immerhin vernünftig gemischt, so dass nicht nur die elend vielen Embleme gesucht und eingesetzt werden müssen. Das Ende kommt nach für heutige Maßstäbe hinreichend langer Spielzeit und verzichtet dankenswerter Weise auf das sattsam bekannte völlig sinnlose abschließende Minispiel. Es schließt die Geschichte auch zufrieden stellend ab.
Das soeben erwähnte flüssig ist dann aber doch mit einer Einschränkung zu versehen. Neben den Videosequenzen und Dialogen wurden mehrfach kleine Aussetzer beobachtet, eventuell infolge von Ladevorgängen. Das leider an völlig unvermuteten Stellen, etwa beim Untersuchen einer schon geöffneten Nahansicht. Für einen Moment sah es so aus, als ob das Spiel eingefroren sei.

Die Wimmelbilder werden meist zweimal besucht. Sie sind durchaus abwechslungsreich mit Wortlisten, Silhouetten und kleinen Geschichten. Interaktionen kommen vor, bewegen sich aber im einfachen Rahmen, eingebettete Minispiele gibt es nicht. Die meisten sind durchaus anspruchsvoll, in Teilen wegen dunkler Stellen an der Grenze zur Unfairness. Bei der Variante mit den nach und nach erzählten Geschichten gibt es etwas bedauerlich unschönes zu berichten: Wie üblich muss jeder beendete Abschnitt mit einem Mausklick bestätigt werden, damit es weiter geht. Wie aber nicht üblich recicht kein ordinärer Klcik, vielmahr muss tatsächlich das Wort Fortfahren getroffen werden. Versteht sich, dass es nicht eben bildschirmfüllend groß geschrieben ist.
Sie werden ergänzt durch Suchbilder, die reine Klickorgien sind, nichts ist wirklich versteckt, eine reine Zeitschinderei geeignet für die Vorschule.

Bei den Minispielen glänzt ERS nicht immer. Hier allerdings überwiegt der positive Eindruck. Sie variieren im Schwierigkeitsgrad von leicht zu mittelschwer bis hin zu einigen härteren Nüssen. Einige liegen in zweifacher Ausfertigung vor: leicht und schwierig. Gewöhnlich ist die schwierige Variante auch tatsächlich deutlich schwieriger. Nur einige wenige lassen sich zurück setzen. Bei einigen wird eine Neustartfunktion schmerzlich vermisst.

Ein Wort zur deutschen Fassung: Es sind etliche Fehler enthalten, teils hinsichtlich ungenauer Übersetzung, teils hinsichtlich Rechtschreibung. Und wie schon so oft fällt die Übersetzung der Inventargegenstände deutlich hinter dem amerikanischen Original zurück. Es ist einfach albern, zum Beispiel einen Gegenstand Schildschlüssel zu nennen, wenn er erst nach Hinzufügen von weiteren Teilen zu eben diesem wird. Wobei dann sowohl der unfertige wie der komplette Gegenstand Schildschlüssel genannt wird.

In der Sammlerausgabe haben wir in jeder Szene ein Sammelobjekt zu finden, das auch ohne Brille problemlos zu sehen ist, dazu jeweils ein Chamäleonobjekt, das im Gegensatz dazu häufig sehr schwer zu finden ist. Einige Minispiele können nach gespielt werden, entsprechendes gilt für Wimmelbilder. Neben Handbuch, Bonuskapitel und Auszeichnungen gibt es außerdem das übliche. Es mag ein jeder für sich entscheiden, ob das den doppelten Preis wert ist.

Fazit
Wir haben hier ein Wimmelbild-Abenteuer akzeptabler Länge mit befriedigendem Ende und nicht eben origineller, aber solide erzählter Geschichte. Vergleichsweise anspruchsvolle Wimmelbilder und zumindest teilweise beachtliche Minispiele führen zu einem nicht zu leichten Spiel. Schwächen bei den eingebauten Hilfen und die nicht durchgehend vorhandene Neustartfunktion bei Minispielen stellen Minuspunkte dar.