Haunted Hotel: Silent Waters


tassen tassen
Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Elephant Games

Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 11.11.2016


So kurz, dass das Wort "Unverschämtheit" als Untertreibung des Jahres zu werten wäre
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Es beginnt mit der obligatorischen Vision während der Autofahrt, dem unvermeindlichen Unfall und dem ebenfalls unvermeindlichem Erwachen ohne zu wissen, wo du bist. Obwohl der Spieler ansich natürlich weiß, dass es ihn in das Hotel Silent Waters verschlagen hat. Wo unheimliche Dinge vor sich gehen und jemand Rache geschworen hat. Doch bevor Fragen nach dem "wer-wo-was-warum" gestellt werden können, musst du zunächst mal einem verschlossenen Raum entkommen.

Es gibt die üblichen vier Modi, bei denen einer individuelle Einstellungen zulässt, außerdem Tipp und Karte. Die Karte ist übersichtlich und gut gestaltet, der Tipp dient ebenso wie ein Kartenklick als Transportmittel. Aber wer nicht selbst läuft, wird wohl bereits etwa 30 Minuten nach der Demozeit mit dem Spiel durch sein. In sofern gilt die Empfehlung: Selbst laufen; das wird dann zwar kein Marathon, aber zumindest auch kein 50-Meter-Sprint.

Und da wir gerade von der Spielzeit sprechen, wollen wir nicht vergessen, dass die tatsächliche Spielzeit auf jeden Fall kürzer ist. Die wenigen Visionen, die du hast sind dabei noch nicht einmal die wahren Zeitschinder. Ständig erscheinen Geister, oft kaum sichtbar, aber du merkst es daran, dass dein Cursor nicht mehr reagiert (man sieht beim Spielcursor auch, dass die mitte des Pfeiles nicht mehr farbig ausgefüllt ist). Die Geister sollen gruselige Stimmung verbreiten, aber dass Elephant Games es mit Haunted Hotel: Silent Waters überhaupt wagt, die Spieler zu beleidigen, ist eigentlich viel gruseliger.

Bei den Wimmelbildern gibt es Umriss-Suchen, 2x Gegenstände in einem Buch zurück an den Platz legen (beim ersten sind die Umrisse eingezeichnet, schließlich sind Spieler ja zu blöde zu erkennen, dass z.B. ein Vogel vermutlich in den Vogelkäfig soll, beim zweiten reagieren die zurückzulegenden Gegenstände nur auf wenige Pixel), Wortsuchlisten mit einfachen oder gar keinen Interaktionen, finde Paare hinter verschiebbaren Gegenständen und veränderliche Objekte. Einige Wimmelbilder sind unabsichtlich dunkel gehalten, zwei sind mit Taschenlampe zu absolvieren. Aber unabhängig von der "Helligkeit" (Achtung, Ironie, denn das Spiel ist überwiegend in blau-grau gehalten): Achtung! Augenschutz nötig - in den Szenen ohne Taschenlampe springt dich ein Großteil der Objekte an.

Bei den Puzzles ist die Version "Versuch macht kluch" wiederholt eingesetzt worden. Andere Puzzles lösen sich mit wenigen Klicks und lassen weniger am eigenen, als am Intellekt der Entwickler zweifeln. Doch das machen sie tatsächlich mit einem Teil der Puzzles wieder gut, die kniffelig, aber nicht langweilig oder unlösbar sind. Tatsächlich sind es diese Puzzles, die 1,5 Tassen rechtfertigen und das einzig echte Plus des Spieles darstellen.

Geschichtlich erfährst du durch Notizen, Geister und Visionen von den Vorgängen im Hotel. Und auch in Nummer 12 einer Serie, die schon länger totgeritten ist, als ein hundertjähiges Kutschenpferd, zeigt sich Elephant Games nicht als großartiger Geschichtenerzähler, sondern vielmehr als langweiler Wiederkäuer des immer gleichen Stoffes. Und der immer gleichen Fragezeichen. Es sind die Bösen, die dich ins Hotel bringen. Warum? Ohne dich könnten sie bzw. könnte er sein schändliches Treiben zum Ende bringen.

Aber kommen wir zu dem, was Elephant Games wirklich so langsam zu einem Entwickler macht, den zu meiden man nur empfehlen kann. Die völlige Sinnlosigkeit der Spielaktionen. Warum du einen Korken brauchst, bevor du eine Schranktüre an der hervorstehenden Schraube aufziehst, verstehen sicherlich nur Wimmelbild-Entwickler. Und auch der offensichtlich hochtechnisierte, unverzichtbar Reißverschlusspinüppel hat seinen Auftritt. Ebenfalls mit Abscheu betrachten die meisten Spieler, dass man eigentlich ein Seil benötigt, aber die zwei Seile, die man im Wimmelbild finden muss, nicht erhält (also quasi zu dusselig ist, sie mitzunehmen). Glühendes kühlt sofort ab, genauso etwas im Ofen aus Ton Gebranntes; du schmeisst alles Nützliche weg und bemühst dich auch nicht, einen Raum zurück zu gehen, wo du das, was du jetzt erneut benötigst, wohl vorher weggeworfen hast. Du findest Rostreiniger (Wundermittel, einmal sprühen, sofort ist alles sauber) in einem Mikrofon. Lasst euch nichts erzählen, Rost lässt sich so ebenso wenig entfernen, wie mit dem Öl, das ebenfals noch seinen Auftritt hat. Und eine junge Frau schleppst du ohne auch nur einmal heftig zu atmen, durch ein ganzes Labyrinth, aber eine Büroklammer kannst du nicht aus dem Abfluss ziehen? Und das sind nur einige wenige Unsinnigkeiten, die dir Elephant Games zumutet.

In der Sammleredition finden sich 22 Chamäleon-Objekte, 29 Wappenteile und Gegenstände für ein Musikzimmer; nichts davon kannst du später noch suchen, nichts davon ist irgendwie wichtig oder hat einen Sinn. Es gibt außerdem Auszeichnungen, 13 Puzzles und 16 Wimmelbilder zum nachspielen, ein Geheimzimmer mit Chamäleon-Objekt-Suche (pro Örtlichkeit 1 Objekt) und natürlich die unverzichtbaren Hintergründe, Musik, Videos. Das ebenfalls sehr kurze Bonusspiel ist eine unabhängige Geschichte.

Mit Haunted Hotel: Silent Waters erwartet den Spieler ein unerfreulich kurzes Spiel, das bis auf einige Puzzles nichts zu bieten hat, was man nicht schon unzählige Male besser gesehen hat. Der durchschnittliche Spieler wird mit Bonusspiel der Sammleredition wohl nur schwerlich auf 3 Stunden kommen. Die Serie ist tot und hat mit der ursprünglichen Serie auch absolut nichts mehr zu tun, der Entwickler hält Spieler deutlich für Vollidioten. Elephant Games kann mehr und besser. Aber hier haben sie gezeigt, dass es sie nicht interessiert.