Haunted Hotel: Phoenix


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Elephant Games

Download (Normal): BigFish Games.com
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 10.09.2015


So durchschnittlich wie Frau Mustermann und 0815
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1979, Nordoregon wird wieder einmal von Feuerbrünsten geplagt, doch diesmal versichern Zeugen, das sie bei Ausbruch die Umrisse eines mystersiösen Vogels gesehen haben wollen. Sie beschreiben den legendären Oregon-Phönix, aber ist tatsächliche eine Legende zum Leben erwacht? Oder sitzt ein böses Gehirn dahinter. Als Agent der Mystery Trackers (?) wirst du gerufen, um die Hintergründe der Brände und der seltsamen Sichtungen zu ermitteln. Du machst dich unverzüglich auf den Weg.

Vier Modi stehen dir zu Beginn des Spieles zur Verfügung. Einer davon erlaubt dir persönliche Auswahlkriterien in Bezug auf diverse Spielfeatures. Die Karte ist relativ einfach gehalten und ist, je nach Moduswahl, mit allen hilfreichen Funktionen versehen, einschließlich der Anzeige, was wo zu tun ist und Springfunktion. Letzteres bietet auch der Tipp und das zuverlässiger, da er dich seltener an eine Stelle führt, wo es zwar etwas zu erledigen gibt, dies aber nur ein Teil der Aufgabe ist und somit nicht zu einem Fortschritt führt.

Bei den Wimmelbildern finden wir Wortsuchliste mit Interaktion, Kleinstsuchszenen in Nahansichten und Umriss-Suchliste. Sie sind einfach gehalten, die Interaktionen gehen nicht über das Übliche hinaus. Ab und an finden sich hinter den Objekten Einzelteile, die angeklickt werden müssen. Sie werden dann an einer Stelle automatisch eingefügt und sind für das abschließende Inventarobjekt relevant. Nichts ist sonderlich spannend oder kreativ gemacht, eher noch das Gegenteil. Denn häufig sucht und findet man in diesen Szenen Gegenstände, die noch auf der "Brauche-ich"-Liste stehen. Bekommen wird man sie selten. Und man fragt sich dauerhaft, ob dieser Detektiv sein Abzeichen eventuell von der Blindenschule oder Neckermann erhalten hat.

Die Puzzles siedeln sich in der Mitte der Durchschnittsskala an. Es gibt ein oder zwei nette Varianten von bekannten Puzzles, ansonsten aber gibt es nichts Bemerkenswertes. Auch hier ist 0815 angesagt, grafisch und spielerisch. Es werden die Gruppe "Anfänger" und "ich spiele die Puzzles, bin aber nicht unbedingt auf eine Denkaufgabe aus" bedient.

Einige Gegenstände sind für den Mehrfachgebrauch gedacht, gehen also nach Nutzung wieder ins Inventar. Die Fluktation aber ist trotzdem hoch und fällt besonders dann auf, wenn man das, was gerade weggeworfen wurde, an Ort und Stelle noch gut gebrauchen könnte. Und auch wenn wir gerade von Elephant Games schon Schlimmeres gesehen haben als uns in Haunted Hotel: Phoenix geboten wird; Logik grenzt bei diesem Entwickler an Debilität. Oftmals hat man mindestens (!) eine Sache im Inventar, die einen "Job" erledigen könnte, aber nein - trotz des Mehrfachgebrauches mancher Gegenstände, muss anderes umständlich gesucht werden (und macht im Einsatz dann auch nicht mehr Sinn, als das, was man schon längst hatte). Auf der anderen Seite gibt es erstaunliche Momente; nämlich wenn etwas Gefundenes durchaus kreativ eingesetzt wird. Und so kann ein als Schraubendreher eingesetzter Knopf zum gefühlten Höhepunkt eines ganzen Spieles werden.

Spielerisch hält man dich an einer ziemlich kurzen Leine. Natürlich hast du Freiheiten, wohin du gehen willst, doch die Eigenschaft von Elephant Games eine Kette von Baustellen zu öffnen und diese dann nach einander wieder zu schließen, ist auch hier vorhanden. Die Geschichte erzählt sich durch Informationen, die in der Hauptsache durch Notizen, Akten etc. kommen. Da die "ultimative" Frage "Magie oder menschliche Bosheit?" früh geklärt ist, ist das Gesamtpaket weder spannend, noch ansprechend, noch mitreissend. Es plätschert dahin - Elephant Games erzählt Geschichten wie die Bild-Zeitung: Große Schlagzeile und viel Inhaltsleere in den Zeilen darunter. Selbst das scheinbar dramatische Ende ist so langweilig gestaltet, dass es kaum eine Emotion hervorruft. Viel zu wenig wurde dafür getan, dass der Spieler sich mit einer der Figuren identifizieren kann. Viel zu sehr wird der Bezug auf den einzig wahren und aufrechten Helden gesetzt, man selbst.

Aber die Spielzeit ist positiv zu sehen. Nicht großartig, aber da wir ja erleben dürfen, wie gerade Sammleredition weit unter die 3-Stunden-Marke fallen, ist Haunted Hotel: Phoenix tatsächlich gut und hält Standards ein; sowohl in der Normal- als auch in der Sammleredition. Der Titel allerdings ist irreführend. Weder spielt der Phönix tatsächlich eine große Rolle, noch ist das Hotel wirklich präsent (auch wenn man sich dort aufhält).

Die Sammleredition bietet als zusätzliche Extras im Spiel die Suche nach veränderliche Objekten, Puzzleteilen und Figuren.- Das Bonusspiel führt dich zurück nach Stone Spire. Zwar sind die Grundzüge des neuen Falles an die Hauptgeschichte angelehnt, es ist aber keine direkte Fortsetzung. Die nach dem kompletten Spiel verfügbaren Extras bieten die Gelegenheit, übersehene Puzzleteile und Figuren noch zu finden, Wimmelbilder- und Puzzles erneut zu spielen und einen Geheimraum für die Souvenirsuche (pro Ort 1 Objekt zu finden). Ausserdem gibt es die Musik, Bildschirmschoner, Auszeichnungen; Hintergründe und Konzeptkunst.

Haunted Hotel: Phoenix ist Durchschnitt. Es ist wie viele, sehr viele andere Spiele auch. Es spricht nicht an und es stößt nicht ab. Es gibt keine Höhe- aber auch keine Tiefpunkte. Und irgendwie hat man das Gefühl, jeden einzelnen Schritt schon x-mal gemacht zu haben. Im Serien-Kontext ist das sicherlich positiv zu sehen; hier gehört das Spiel ins obere Drittel auf der Skala der Mittelmäßigkeit. Als Einzelspiel ist es nur für Hardcore-Fans und Anfänger wirklich geeignet. Wimmelbild-Puzzle-Abenteuer sind nunmal keine Eintöpfe; sie werden nicht besser, wenn man sie immer wieder aufwärmt.