Grim Tales: Der Erbe

tassentassen
Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Elephant Games

Download (normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 18.05.2016


Mit der heißen Nadel gestrickt und oftmals sinnbefereit
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Als dich dein Neffe Brandon zum Schloss der Familie Gray ruft, zögerst du keinen Augenblick. Als du ankommst, ist die Frau deines Neffen bewusstlos, Brandon verschwunden und der Sohn der beiden wird vermisst. Bevor Billy verschwand, sprach er immer von einer seltsamen Gestalt, die er gesehen habe.
Natürlich suchst du sofort nach Billy und deine Fähigkeit, beim berühren von Gegenständen die Vergangenheit zu sehen, ist das Einzige, was deine ganze Familie noch retten kann.

Zur Verfügung stehen die üblichen vier Modi, inklusive Eigenauswahl; außerdem eine Karte mit Springfunktion und Anzeige, wo es etwas zu tun gibt. Dein "Helfer" ist deine besondere Eigenschaft. Und so reist du von der Gegenwart in die Vergangenheit und neu, auch mal in die Zukunft. Der Tipp bringt dich ebenfalls von Ort zu Ort.

Grafisch eher dunkel gehalten, erweist sich Grim Tales: Der Erbe von Beginn an nicht gerade an ein Glanzstück von Elephant Games. Die Geschichte ist holprig, die Bilder auf eine unangenehme Weise ausgeleuchtet und nicht immer so klar, wie man es sich wünschen würde. Und obwohl gerade dieser Entwickler sonst zumindest visuell immer überzeugen kann, eher mal zu tief in die Details oder Farben greift; hier erscheint jeder einzelne Ort belanglos, austauschbar, ja fast lieblos dahin geklatscht zu sein. Besorgt fragt man sich auch, Elephant wohl die Lizenzgebühren von Onkel Fester (aus der Addams Family) beglichen hat. Scheinbar hatte niemand eigene Ideen und so wurde eine wichtige Figur des Spieles mit einem alten (und für viele Kult-) Charakter einer TV-Serie besetzt.

Und es wäre nicht Elephant Games, hätte man nicht wieder viel Sinnloses zu erledigen. Die einfachsten, simpelsten Dinge sind in Schatullen, Kisten oder sonstigen Dingen, die erst durch Einsatz von Inventargegenstände geöffnet werden können. Warum zum Beispiel jemand einen einfachen Handschuh im Griff eines Gewehres aufbewahren soll, für dessen Öffnung man dann ein Amulett benötigt, das in einer Porzellandose versteckt wird, die mit einem Korken geöffnet werden geht weit über das hinaus, was ein normaler Verstand erfassen kann. Der Rest benötigt dann den obligatorischen Schlüssel.

Auch bei den Wimmelbildern kommt nur begrenzt Freude auf. Zwar gibt es ein wenig Abwechlsung im modus operandi, doch alles ist ohne Raffinesse; man hat gar manchmal den Eindruck, dass die Suchobjekte quasi hervorgehoben sind. Unerfreulich auch eine Paar-Suche, bei der man am Ende eine Schatulle öffnen muss, die zu keinem Zeitpunkt von den zu entfernenden Pärchen verdeckt war.

Bei den Puzzle fehlt ebenfalls der rechte Pfiff; einige benötigen Geduld, aber nicht unbedingt Köpfchen, bei anderen fragt man sich, ob Grim Tales: The Heir ggfs. für Kleinstkinder entwickelt wurde. Allerdings ist das immer noch besser als die Puzzles, die einfach nach dem Motto "Versuch macht kluch" gelöst werden müssen. Wenn das dann auch noch zur Langversion wird, ist das ärgerliche Gefühl quasi vorprogrammiert.

In der Sammleredition suchst du nach Statuen, Puzzle-Teilen, um damit in den Extras Bildschirmschoner zusammenpuzzlen zu können und pro Szene ein veränderliches Objekt. Das Bonuspiel ist eine Fortsetzung der Geschichte; erst hier gibt es die vollständige Auflösung. Es gibt einen geheimen Raum, der ein Suchspiel mit veränderlichen Objekten beinhaltet. Hast du nicht alle Statuen gefunden? Dein Problem; gleiches gilt für die Puzzleteile. Dazu kommen Hintergründe, Musik, Konzeptkunst und im Archiv kannst du 11 Puzzles und 16 Wimmelbilder nochmal spielen.

Zeitlich gesehen liegen sowohhl Haupt- als auch Bonuspiels im Durchschnitt. Und das ist hier schon fast zu viel. Es zieht sich streckenweise wie Kaugummi.
Aber immerhin, einige Gegenstände benutzen wir öfter. Und auch wenn Elephant Games in Grim Tales: The Heir so ziemlich jede Möglichkeit genutzt hat, um das Spiel durch Animationen künstlich zu verlängern, kann man doch ruhigen Gewissens sagen: In diese Animationen wurde Zeit und Aufmerksamkeit investiert. Mehr als im Rest des Spieles.