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Grim Tales: Besuch aus der Zukunft


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Elephant Games

Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 23.01.2020


Wimmelbild-Abenteuer knapper Länge, teilweise anspruchsvollen Minispielen, aber ohne Inspiration
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Im nunmehr bereits 17. Aufguss der Reihe Grim Tales erhalten wir Besuch aus der Zukunft. Es handelt sich um unsere Tochter, von deren Existenz wir bislang noch gar nicht wussten. Sie berichtet, dass die komplette Familie, einschließlich unseres eigenen späteren Ichs von einem rätselhaften Fieber dahin gerafft wurde bzw. wird. Natürlich reisen wir zusammen in die Zukunft, um den Dingen auf den Grund zu gehen.

Erfahrene Spieler seien schon einmal gewarnt, dass wir hier im wesentlichen dasselbe Spiel wie mehrfach bereits erneut spielen, nichts neues hier. Wir lassen hier diesen Aspekt außerhalb der Wertung und kümmern uns ausschließlich um das Spiel selbst.

Die Geschichte ist vom Ansatz her zunächst durchaus interessant. Leider wird sie aber nicht besonders überzeugend vorgetragen. Abgesehen von Ungereimtheiten hinsichtlich Logik und Plausibilität trägt eine Menge von Namen dazu bei, dass wir recht schnell den Überblick verlieren.

Zunächst muss aus einem von vier Spielmodi gewählt werden, der vierte ist weitgehend frei konfigurierbar. Hier ist zu bemerken, dass im vierten Modus die Möglichkeit besteht, Aufgaben abzuwählen. Die Begeisterung über dieses Feature verfliegt aber zügig, wenn wir feststellen müssen, dass damit keineswegs die unsägliche Einblendung von Aufgaben und deren Erledigung abgeschaltet wird, sondern lediglich keine aktuellen Aufgaben auf der Karte angezeigt werden. Dies ist insofern besonders verheerend, als besagte Aufgaben auf die für Spieler denkbar unfreundlichste Weise realisiert wird: Abgesehen von der Tatsache, dass diese Aufgaben von höchst möglicher Banalität sind und also unsere Intelligenz beleidigen, werden sie auch durch langsame Laufschrift eingeblendet und müssen nach endlich erfolgter vollständiger Anzeige auch noch per Mausklick bestätigt werden, bevor es weiter geht. Und dies erfolgt auch noch für gewöhnlich in zwei Schritten, nämlich alte Aufgabe erledigt, neue Aufgabe folgt.

Das Stichwort Beleidigung der Intelligenz findet auch Anwendung im Abenteuerteil. Hier wird so gut wie ausschließlich 08/15-Material angeboten. Viele Spieler haben eine Liste von Standardaufgaben vor Augen, etwa Haarnadel als Dietrich, Naht auftrennen, kaputtes Werkzeug reparieren, Tiere bestechen, ablenken oder vertreiben: All dies kommt vor, zum Teil mehrfach. Embleme kommen nur vereinzelt vor, aber Obacht: Die Sache wird nicht besser dadurch, dass Amulette oder Fragmente ihren Platz einnehmen. Die wohl häufigste Mitteilung für uns lautet vermutlich: "Ich brauche ein Werkzeug". Ja, genau, und wenn wir nicht spätestens ab dem zweiten Kapitel pausenlos alles nach dem ersten Gebrauch weg werfen würden, hätten wir womöglich auch ein Werkzeug und bräuchten nicht zum Beispiel mehrere Zangen hintereinander zu finden. Und natürlich finden wir das meiste an den absurdesten Stellen.
An die Stelle von Einfällen haben die Entwickler es vorgezogen, Füllmaterial zu verwenden, um die ohnehin knapp bemessene Spielzeit zu strecken. Dazu gehört auch, dass wir zweimal einen leicht zu merkenden Code finden, den wir aber erst anwenden können, wenn wir ihn auf noch zu findendem Schreibmaterial notiert haben.

Bis hier hin ist das Spiel also eine einzige Enttäuschung, aber es gibt durchaus auch Lichtblicke:
Die Hilfen arbeiten gut, Karte und Tipp verfügen über eine Transportfunktion.
Die Grafik überzeugt.
Die Wimmelbilder entsprechen zumindest gehobenem Durchschnitt, wenngleich durch weitgehend fehlende Interaktionen Begeisterung ausbleibt. Wenigstens ist nicht alles sofort sichtbar, ein wenig suchen dürfen wir schon. Ergänzt werden sie durch kleinere Suchbilder im Fenster. Hier allerdings sind manche Objekte so gut wie gar nicht zu erkennen, hilfreich ist da der Umstand, der Mauszeiger bei einem Suchobjekt seine Form ändert.
Die Minispiele stellen vermutlich die größte Stärke des Spiels dar. Zwar finden wir so gut wie durchgehend alte Bekannte. Aber sie sind gut gemacht. Wir werden sogar mit einer neuartigen Variante der Türme von Hanoi konfrontiert. Der Schwierigkeitsgrad schwankt zwischen leicht und mittelschwer, wobei auch ein paar recht anspruchsvolle einen Auftritt haben. Sie lassen sich sämtlich neu starten und überspringen.

In der Sammlerausgabe finden wir neben dem sattsam bekannten Standardprogramm in jeder Szene etwas zum Suchen, nämlich Puzzleteile, Sammelobjekte und Chamäleonobjekte. Die Rolle der Puzzlestücke hat sich mkir nicht ganz erschlossen, eventuell werden dadurch Wallpaper zusammen gesetzt. Nach Abschluss des Bonuskapitels können Wimmelbilder und Minispiele nach gespielt werden.

Fazit:
Wir haben es mit dem überflüssig gewordenen erneuten Aufguss einer Serie zu tun, die längst hätte beerdigt werden sollen. Originalität und Einfallsreichtum suchen wir vergebens, nur die Minispiele können überzeugen, zum Teil auch die Wimmelbilder.