Grim Facade: Verborgene Sünden


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: ERS

Download (Normal): BigFish Games.com
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 03.07.2015


Gute Puzzles, aber die Wimmelbild-Abwechslung ist nur ein Lockmittel für Spieler, die die Demoversion laden
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Ein maskierter Mann, der sich selbst Avanger (Rächer) nennt, hält die Stadt Coldstone in einem tödlichen Griff der Angst und du wirst vom Bürgermeister gerufen, um Ermittlungen durchzuführen. Seine Frau wurde entführt und es gibt eine schwarze Liste mit potentiellen Opfern des Rächers. Wem in der Stadt kannst du trauen? Und schon bald begegnest du dem Rächer, der dir droht, dich auch auszulöschen, wenn du ihm nicht aus dem Weg gehst. Kurz darauf findest du heraus, warum diese Morde geschehen.

Für die Auswahl des Schwierigkeitsgrades stehen dir vier Modi zur Verfügung, einer davon mit individuellen Möglichkeiten der Einstellung. Die Karte ist nur zum hüpfen gut, aber nicht nötig, da die Wege kurz sind. Die "hier gibt es was zu tun"-Anzeige ist eine allgemeine Info und hat keinen aktuellen Wert. Dazu ist die Karte auch eher einfach und doch unkonfortabel gestaltet. Weitere Helfer oder Hilfsmittel gibt es nicht. Zwar hat man ein Gerät, das Erinnerungen einfängt (graue Bläschen). Dies aktiviert dann einen Einspieler. Allerdings wird das Gerät nur 2x benutzt und man fragt sich, was der ganze Aufwand sollte.

Das Spiel ist in Abschnitte eingeteilt. Orte, in deren Umgebung du spielst. An einem Ort gibt es Münzen zu finden, die du dann nach und nach bei einem Händler für einige nützliche Gegenstände eintauschen kannst. Geschichtlich ist Grim Facade: Hidden Sins nicht schlecht gemacht; obwohl geschichtsaffine Spieler vermutlich spätestens beim ersten Einspieler im Spiel eine sehr starke Vermutung haben, wer der Täter ist. Einiges wird durch Einspieler erzählt, dazu musst du bei den Dialogen selbst klicken, welche Frage du stellen willst. Dabei stellt man erstaunlicher Weise fest, wie belanglos und zeitschindend diese Unterhaltungen sind.

10 Wimmelbilder gibt es im Spiel (2 davon werden jeweils doppelt gespielt). Während sich im ersten Viertel des Spieles noch abwechslungsreiche Varianten finden, hört dies danach auf; es bleiben Wortsuchlisten mit mehr oder weniger Interaktion. Doch zu Beginn sucht man "X von einer Sorte mit Interaktion", eine " Lege zurück"-Szene und eine Umriss-Suchliste, die erst erarbeitet werden muss.

Erstaunlich gut dagegen präsentieren sich viele der 13 Puzzles. Drei bieten die Möglichkeit zwischen "Schwer" und "Normal" zu entscheiden (auch wenn die Unterschiede da eher im Geduldsfaden, als im Schwierigkeitsgrad liegen). Es gibt neue und interessante Varianten bekannter Puzzles und viele davon sind für den Puzzle-Knobelfreund. Eines jedoch ist zu kritisieren: schon in Mystery Case Files war es nicht unterhaltsam, ein Kind zu schlagen. Und es ist auch nicht unterhaltsam, ein Puzzle zu spielen, das mir suggeriert, ich füge einem Menschen Elektroschocks zu, weil ich eine Klick-Reihenfolge nicht einhalte. Ich persönlich denke, es gibt Grenzen, die man in einem Spiel nicht überschreiten soll. Wir sind hier immer noch bei Casual Games, nicht bei Egoshootern oder Kriegsspielen. Und noch etwas gibt es bei den Puzzlen zu bemängeln; sie haben nämlich zu häufig keine Neustartfunktion; etwas, was einige aber dringend benötigen würden (Danke an Andreas für diesen Hinweis!)

In der Sammleredition gibt es 16 Schädel zu finden. Du kannst am Ende Infos für die gefundenen Schädel nachlesen, aber wenn du nicht alle hast, gibt es keine Möglichkeit, diese noch zu holen. In den Extras finden sich die Einspieler, Musik, Hintergründe, Bildschirmschoner und Konzeptkunst, ausserdem können die Wimmelbilder und die Puzzles beliebig oft gespielt werden. Im Bonusspiel geht es um "Wie alles begann" aus der Sicht eines der Protagonisten.

Grafisch ist nichts mehr von der vormaligen blassen Verwaschenhaftigkeit und Unschärfe zu sehen, die einst ERS Spiele ausgezeichnet hat. Klare Bilder mit kräftigen Farben, die nicht aufdringlich oder kunterbunt sind, bieten in Grim Facade: Hidden Sins eine angemessene, gute Umgebung für Geschichte und Spiel. Das Inventar ist selten übervoll, es gibt allerdings diverse Baustellen, bevor man dann anfängt nach und nach alles abzuarbeiten. Als kleinen "Kick" wird man dreimal nicht siegen und erst ein Wortpuzzle bringt den Detective wieder an seine Arbeit.

Die Sammleredition kann man getrost im Regal lassen, die Normalversion aber bietet unterhaltesame Spannung, ohne dass man mit angehaltenem Atem auf die nächste Szene wartet. Dass die Wimmelbilder nur anfänglich abwechslungsreich sind, ist ein deutlicher Minuspunkt. Dazu kommt die nicht sonderlich hilfreiche Karte. Grim Facade: Hidden Sins hat eine gute Spielzeit, auch wenn man die vielen Einspieler und langen Dialoge mit einbezieht und das Ende ist durchaus gelungen. Denn du wirst dich vor eine moralische Entscheidung gestellt sehen. Recht oder Gerechtigkeit? Wie wirst du dich wohl entscheiden?