Delicious: Emily und das Wunder des Lebens


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Herausgeber: Gamehouse
Entwickler: Gamehouse Studio Spanien

Download: Zylom.de

Autor: Claudia K.
Datum: 24.08.2017

Auch Delicious fällt dem Einheitsbrei zum Opfer
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Emily hat inzwischen einen erfolgreichen Kochblog mit Livestream im Internet. Doch all das füllt sie nicht wirklich aus, denn sie und Patrick wünschen sich noch ein Kind und es will und will nicht klappen. Erst ein Arztbesuch deckt auf, dass ihre Erschöpfung daran liegt, dass sie tatsächlich schwanger ist. Und als ob das nicht genug ist: Opa Vito kommt aus Italien zu Besuch.

In der Basis ist das Spiel wie sonst auch: Kunden erscheinen und zeigen per Blase über dem Kopf an, was sie möchten. Du bereitest es zu, gibst oder bringst es ihnen, anschließend wird abkassiert. Mit den erspielten Münzen kannst du vor jedem Level im Laden Aufwertungen kaufen. Diese sind mehr oder weniger hilfreich. In manchen Leveln gibt es Zusatzaufgaben, dafür erhältst du Diamanten und kannst damit das Kinderzimmer einrichten. Auszeichnungen sind diesmal Postkarten, die du individuell beschriften, in der PC-Version aber nicht verschicken kannst (ob das z.B. in der Android/Apple...-Version anders ist, kann ich nicht sagen.). Nach jedem dritten Level kannst du zusätzlich eine Herausforderung spielen - hier gibt es nur Diamanten zu gewinnen und die Level sind nicht zwingend für den Fortgang des Spiels.

Neu ist die "tägliche Herausforderung". Alle 24 Stunden wird ein willkürliches Level mit willkürlichen Protagonisten zusammengestellt. Du kannst das Level in diesem Zeitraum so oft spielen, wie du möchtest und maximal sechs Diamanten erspielen.

Einst begannen die Delicious-Nachlesen begeistert und endeten immer wieder mit dem Hinweis, wie gut das Gamehouse-Team es versteht, dieses Spiel geschichtlich und spielerisch immer wieder "neu" zu machen, obwohl es doch ... Nun, diesmal wird das nicht geschehen. Gamehouse ist schon seit einiger Zeit dazu übergegangen, das Spielprinzip Delicious auf andere Serien zu übertragen, bewährte Teams auszuwechseln und sich mit solchen zu umgeben, die wissen, wie man dem Spieler mit immer dem gleichen Spiel das Geld aus den Taschen zieht. Und exakt das ist auch jetzt auch mit Delicious geschehen.

Geschichtlich gesehen weiß man sehr früh (und sehr viel früher als die Protagonisten), was so besonders an der Schwangerschaft ist. Wir treffen auf eine jedem Klischee entsprechende Kinderpädagogin, zwei junge Damen, die überteuerte Babyartikel verkaufen, eine Yoga-Lehrerin, die deutlich unreif und verantwortungslos ist, einen Arzt, der völlig unangemessen mit seinen Patientinnen umgeht und eine Angela, die plötzlich (und ohne nachvollziehbaren Grund) im Wohnzimmer der jungen Eltern eine Laden mit Süßwaren aufmacht. Der größte Teil der Geschichte ist eben nicht mehr einbindend, emotional, nachvollziehbar, mitreissend. Erst zum Ende hin (das sich jeder schnell hat vorstellen können) wird es wirklich emotional. Und tatsächlich, vor allem mit dem Abspann ist man bereit, dem spanischen, namenlosen Team, das Delicious: Emily und das Wunder des Lebens verbrochen hat, so einiges zu verzeihen.

Nicht gerade ein guter Einstieg war die Veröffentlichung, es gab Fehler über Fehler und es musste ein Update her, das nur einige Probleme gelöst hat. Allerdings wurde der Schwierigkeitsgrad runtergesetzt und das ist gut, denn einer der größten Verschlimmerungen im Spiel besteht darin, dass es nur noch einen Spielmodus gibt. Und ausgelegt war das Spiel ausschließlich auf absolute Topspieler. Für Anfänger ist es aber auch jetzt absolut nur dann geeignet, wenn man dauerhaft frustriert werden möchte.

Die Liste der Kritikpunkte aber bleibt. So stürzt das Spiel immer wieder unversehens ab, auch nach dem Update. Bei vielen der Minispiele, wo zu einem bestimmten Zeitpunkt geklickt werden muss, aber auch zu anderen Gelegenheiten, sieht man nichts, weil Boni-Nachrichten darüber gelegt sind. Mal enden Zusatzaufgaben (sofern welche da sind) mit Schichtende, mal mit Levelende. Grafisch fehlen Details, einige Level enden zu früh, so dass man nicht mehr alle Tische säubern und dafür die 20 Münzen Extra bekommen kann. In einigen Leveln stellen sich Kunden nicht auf freie Kassenplätze und verlieren so hinter anderen Kunden Geduld bzw. Herzen. Die Übergänge werden mehrfach als Werbung für andere Spiele genutzt.

Die Grafiken sind nicht mehr so detailliert, nicht mehr ganz so liebevoll wie bisher, aber immer noch gut. Es gibt weiterhin Carl, die Maus, die es in jedem Geschichts-Level (also nicht in den Herausforderungen) zu fangen gilt. Wenig Wert wurde auf die Minispiele gelegt, im Grunde gibt es nur eines, das es dann in verschiedenen Variationen in jedem der fünf Kapitel gibt.

Emily ist nicht mehr die treue Begleiterin. Sie ist zu einer bekannten Spielfigur geworden. Gamehouse hat sie der Einheitsbreimaschinerie übergeben. Es ist ein Klickmanagement-Spiel geworden, dem ein großes Stück der Seele fehlt, die diese Serie ausgemacht hat. Schade.