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Dead Reckoning - Tod zwischen den Zeilen

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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Eipix

Download (normal): BigFish Games.com
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 15.02.2017

Fängt interessant an, versinkt aber recht bald im üblichen Einheitsbrei
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Du bekommst eine Einladung zu einem Wettbewerb: Ein Autor von fünf erhält den hoch dotierten Auftrag, die Biografie eines reichen Industriellen zu schreiben. Wie du sehr schnell erfahren musst, scheiden deine Konkurrenten einer nach dem anderem aus, und zwar durch Mord. Du musst nun nicht nur überleben, sondern auch heraus finden, wer der Übeltäter ist und welche Motive er hat. Wir haben hier also einen Krimi nach der Art von "Wer war's". Jeder der Autoren ist verantwortlich für eine Romanreihe, wobei Eipix tatsächlich etwas Humor und Selbstironie zeigt, handelt s sich doch um Spieleserien aus ihrer eigenen Schmiede wie Phantasmat und andere.

Nach Wahl eines der heute üblichen Modi machst du dich umgehend mit einer Wunderwaffe in Form eines Tablets vertraut. Es enthält Apps für unfassbare Aufgaben, darunter Aufnahme und Vergleich von Fingerabdrücken oder auch Wiederherstellung einer frisch gelöschten fremden Festplatte.

Ebenfalls im Tablet integriert ist die Karte, keine sehr benutzerfreundliche Idee: Du brauchst zwei Klicks, um die Karte zu erreichen und weitere zwei, um sie zu verlassen, sofern du nicht die Teleportfunktion verwendest. Immerhin sei nicht verschwiegen, dass die Karte ansonsten zuverlässig arbeitet und je nach Modus aktuelle Aufgaben anzeigt und wie erwähnt als Transporter funktioniert.
Der Tipp als zweite Hilfe arbeitet ebenfalls zuverlässig. Sollte er auf einen Ort hinweisen, der mehr als einen Schritt entfernt ist, bietet auch er einen Direkttransport an.

Bei der Grafik sind die Geschmäcker verschieden. Wir haben hier keine gezeichneten Szenen, sondern sehr realistische. Die Personen sind offenbar zunächst gefilmt und dann per Computer bearbeitet. Auf diese Weise werden die früher meist peinlichen Schauspielereinlagen vermieden, aber ansprechender Realismus erzeugt. Für mich gehört die Grafik zu den Stärken des Spiels.

Was den Fortgang der Geschichte angeht, so haben wir hier zweierlei zu unterscheiden: Zum einen die Geschichte selbst und wie sie erzählt wird, zum anderen die Umsetzung im Abenteuerteil des Spiels. Zum ersten Punkt können wir feststellen, dass Eipix, bisher nicht für die Geschichte berühmt, hier recht ordentlich gearbeitet hat. Es gibt logische Löcher, insbesondere am Schluss, aber diese fallen eigentlich erst auf in der Nachbetrachtung. Zum Beispiel ist völlig unklar, warum die Autoren sterben mussten, das Motiv Rache liegt zwar in der Luft, bezieht sich aber kaum auf diese Opfer. Die Umsetzung im Spiel dagegen lässt sich kurz umschreiben mit: Kennen wir, haben wir schon unzählige Male gemacht. Die den erfahreneren Spielern sattsam bekannten Probleme treten auch hier zu Tage: Völlig unsinnige Fundstellen von Inventarobjekten und eine Unzahl von Emblemen, die irgendwo eingesetzt werden müssen. Gern, um neue Embleme zu erhalten. Und in etwa der Mitte des Spiels feiert die Einfallslosigkeit vollends fröhliche Urständ. Wir wandern da pausenlos von einem Raum zum anderen, um jeweils eine einzige kleine Aufgabe zu erfüllen. Aber immerhin kommt kein kaputter Reißverschluss vor und auch der übliche Rost wird tatsächlich sachgerecht, also ohne Öl entfernt. Aber zu früh gefreut: Dieser Unsinn taucht im Bonuskapitel dann doch auf.

Wimmelbilder kommen in drei Varianten vor:
Klassische Wimmelbilder verschiedener Machart, meist mit kleineren Interaktionen, einmal mit einem eingebetteten Minispiel, sie lassen sich durch einen Bubbleshooter ersetzen
Kleinere Suchbilder im Fenster, die nicht ersetzt werden können
Wenig überzeugende Suchbilder, bei denen Details bei Personen gefunden werden müssen, welche der Ermittlung dienen.
Sie sind in typischer Eipix-Manier ansprechend umgesetzt und fair, ohne allzu leicht zu sein.

Die Minispiele bewegen sich überwiegend im leichten bis maximal mittleren Schwierigkeitsniveau. Einige wenige erfordern etwas Gehirnschmalz. Alle lassen sich überspringen.

Einige Kritikpunkte sollen nicht verschwiegen werden:
Die Länge des Spiels bewegt sich an der Unterkante des Durchschnitts. Und dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass viele Videosequenzen auftauchen, die zwar meist übersprungen werden können, aber dennoch Zeit rauben. Ebenso taucht zu oft der Effekt auf, dass alle möglichen Meldungen abgewartet werden müssen, bevor wir endlich wieder tätig werden können. In dieselbe Richtung geht der Wahnsinn, der heutzutage mehr und mehr zur Regel geworden ist, dass in Nahansichten zunächst jede Menge Material zur Seite geschoben werden muss, bevor endlich der gesuchte Gegenstand sichtbar wird.
Dass wieder einmal Bienen verscheucht werden müssen, überrascht eher weniger. Dass dafür aber ein Pestizid verwendet wird, ist sowohl weltanschaulich als auch sachlich untragbar.
Das Inventar zeigt stets nur maximal 5 Objekte. Wir können natürlich darin blättern, aber immer nur um eine Position, was auch wieder eine Menge überflüssiger Klicks bedeutet. Benutzerfreundlichkeit sieht auch hier anders aus.
Und schließlich die deutsche Fassung: Sehr oft wurden englische Ausdrücke praktisch als deutsche verwendet, etwa Komponent oder Base statt Komponente und Basis. Rechtschreibfehler sind vorhanden, wenn auch nicht übermäßig zahlreich. Und gar nicht gelungen ist die Übertragung kleiner Zweizeiler, die ein Suchobjekt umschreiben sollen. Da haben wir mehrfach holprige Knittelverse nach dem Motto "Reim dich oder ich fress dich".

In der Sammlerausgabe sind in jeder Szene Sammelobjekte versteckt, in den Wimmelbildern Chamäleaonobjekte. Die Sammelobjekte sind sehr gut umgesetzt, sie sind teilweise winzig, aber dennoch aufgrund der scharfen Grafik durchaus zu finden. Minispiele und Wimmelbilder lassen sich nach spielen, auch der Bubbleshooter ist vorhanden. Natürlich gibt es auch ein Bonuskapitel. Dieses ist vom Hauptteil unabhängig und behandelt einen Teil der Vorgeschichte. Es ist geradezu unverschämt kurz.

Fazit:
Wir haben ein zu kurzes Spiel, das sich locker spielt. Wer keine großen Ansprüche betreffs Einsatz der grauen Zellen hat und kein Problem damit, eingefahrene Gleise erneut zu befahren, wird sich mit dem Spiel anfreunden können. Den anderen kann es nur als kleine Zwischenmahlzeit empfohlen werden.