Dark Tales: Edgar Allan Poes Das verräterische Herz


tassentassen
Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: ERS

Download (Normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Uschi W.
Datum: 09.03.2016


Kurzes Spiel mit wirrem Ende
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Eine junge Frau wurde ermordet, in ihren Hals die 1 geritzt, um ihren Nacken baumelt ein Säckchen Mehl und sie wurde an die Äste eines Baumes gefesselt. Ist dies der Beginn einer furchtbaren Mordserie oder ein Einzelfall? Da die lokale Polizei im Dunkeln tappt, werden du und Detective Dupin zu Hilfe gerufen.

Schon bei den ersten Untersuchungen der Beweise und der Leiche wird klar, dass es sich hier nicht um einen normalen Mord handelt und Eile bei der Aufklärung geboten ist, könnte es sich doch auch um die erste Tat eines Serienmörders handeln.  Schon bald meldet sich  die erste Mordzeugin und wir machen uns auf den Weg zu ihr. Aber nicht nur der Fall ist rätselhaft. Auch Dupins Aussage, er wäre ängstlich, mehr über den Fall zu erfahren, ist kryptisch. Was hat er zu verbergen?

Gleich zu Beginn darfst du aus 4 Schwierigkeitsmodi wählen, der Letzte ist benutzerdefiniert und du kannst die Einstellungen nach deinem Geschmack und deinem Können auswählen. Noch in eurem Detektivbüro packst du euren Arbeitskoffer; leider ercheint der nicht neben, sondern im Inventar.
Die Grafik ist wie immer außergewöhnlich gut; die düstere, etwas unheimliche Stimmung gut eingefangen. Zwar regnet es fast durchgehend, aber welchen Detective kann das schon erschüttern? Immerhin sind wir einem blutrünstigen Mörder auf der Spur! Der Sound untermalt sehr schön die Atmosphäre, ist aber nicht herausragend.

Ich habe natürlich meine Hausaufgaben ordentlich gemacht und die Erzählung von Edgar Allan Poe nachgelesen. Wie bereits in den anderen Teilen dieser Serie, ist auch dieses Spiel nur sehr locker ans Original  angelehnt. Die Geschichte, so wie ERS sie erzählt, hätte ungeheures Potenzial, leider wurde nicht aus dem Vollen geschöpft. Nachdem die Spannung zu Beginn sehr gut aufgebaut wurde, fällt diese leider mit dem Ausführen langweiliger Aktionen wieder vollkommen zusammen.  Der nächste Höhepunkt ist die Einvernahme einer Mordzeugin. Diese ist eine eigene Geschichte in der Geschichte und kurz schlüpfst in die Rolle der Zeugin um alles detailgenau den Detectives zu schildern.
Je weiter du in der Handlung fortschreitest, umso wirrer wird die Geschichte; du musst schon selbst Detektiv sein um all die kleinen Hinweise in den Dialogen zu sammeln und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Was ebenfalls verwirrend ist: der oftmalige, nicht nachvollziehbare Perspektivenwechsel. Achtung: Gefahr einer Identitätskrise!

Auch einige der Handlungen sind fragwürdig. So untersuchen wir eine mit einem Leintuch zugedeckte Leiche (sehr prüde!). Du wirst in eine fertige Kerze einen Docht einsetzen. Anstatt eine Flasche zu zerschlagen, wirst du einen Glasschneider benötigen. Ein Zeuge wird dir erzählen, dass er nur 2 Tage zuvor, Rost von einer Türe entfernt hat, du hast allerdings eben diese Türe rostig vorgefunden. Als etwas geschmacklos könntest du das Einbalsamieren und Präparieren eines toten Frosches finden.

ERS ist leider der nächste Entwickler, der nach einem sehr kurzen  Hauptspiel ein sehr unbefriedigendes Ende anbietet. Der Mörder ist zwar zur Strecke gebracht, aber all die kleinen und großen Hinweise, die wir zusammengetragen haben, ergeben überhaupt keinen Sinn, das Ende ist einfach nur wirr. Zwar finden wir im Bonuskapitel der Sammleredition einige Antworten auf unsere brennendsten Fragen, aber auch hier wirft das Ende mehr Fragen auf, als es beantwortet.

Die Wimmelbilder bei Dark Tales: Das verräterische Herz sind schön, abwechslungsreich und zu einfach. Du wirst Gegenstände nach einem Text suchen, nach interaktiven Wortlisten, du wirst X von X Objekten finden, du wirst im Dunklen beim Schein einer Laterne suchen, auch  Gegenstände nach Umrissen wirst du zu  finden haben. Genau wie die Wimmelbilder, sind auch die Minispiele schön, abwechslungsreich und meist zu einfach. Du wirst Kacheln drehen und verschieben,  Kugeln nach Farben ordnen,  die richtige Kombination suchen, Sternzeichen auf den richtigen Platz drehen, Schach spielen, Haken verbinden, kämpfen und einiges mehr. Sowohl bei Wimmelbildern als auch bei Minispielen wäre etwas mehr Herausforderung passend gewesen.

In den Extras der  Sammleredition finden wir nebst den üblichen Verdächtigen (Wallpapers, Konzeptkunst, Bildschirmschoner und Musik) auch wiederspielbare Wimmelbilder und Minispiele. Wir suchen außerdem 36 Karten, die ein weiteres Spiel freischalten, leider kann man diese nicht mehr im Nachhinein suchen. Das Bonuskapitel spielen wir aus der Sicht von Dupin und die Geschichte findet  15 Jahre vor den aktuellen Morden statt.

FAZIT: Die Geschichte hat wirklich gute Ansätze, leider bleibt es dabei. Die Ausführung ist extrem wirr und das Spiel viel zu kurz. Außerdem wird in der Standardedition kein zufriedenstellendes Ende angeboten, es ist eine bodenlose Frechheit die Spieler zwingen zu wollen, die wenig attraktiven und überteuerten Sammlereditionen zu kaufen. Eine außergewöhnlich gute Grafik kann das leider auch nicht wettmachen; genau so wenig wie die einfachen, aber abwechslungsreichen Minispiele und Wimmelbilder.