Dark Realm: Frostiger Fluch


tassen tassen
Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: MadHead Games

Download (Normal): BigFish Games.com
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 02.10.2015
Deutsch (Normal): 15.12.2015


Langweilig, aber hübsch anzuschauen
~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Als du, die Königin, in der Nacht aufwachst, steht ein Bär an deinem Bett und überreicht dir ein Armband. Die Balance ist gestört, sagt er. Der Tower ist eingefroren und Prinzessin Marissa darin gefangen. Du musst die Prinzessin befreien - ansonsten sind alle verloren. Die Gefahr scheint aus dem Königreich Nephar zu kommen. Und die Bedrohung aus Eis kann die ganze Welt vernichten.

Neben den vier Modi für den Schwierigkeitsgrad (einer davon mit Einstellungen für die persönlichen Vorlieben) gibt es eine Karte, den Tipp, eine Klaue und ein Armband als Helfer. Die Klaue kann Dinge in etwas Nützliches verwandeln, allerdings in Verband mit einem extrem langweiligen 3-Gewinnt-Spiel. Dieses wird im Verlauf zwar aufwändiger in Bezug auf Länge, aber dadurch entsteht noch mehr Langeweile und der dringende Wunsch, das Ganze einfach nur zu überspringen. Das Armband dagegen soll dich beschützen... mehr oder weniger. Bzw. eher weniger, denn so wichtig es anfänglich erscheint, später wird es nebensächlich.

Auch in diesem Spiel bringt uns MadHead Games unbestritten schöne Bilder, die es anzuschauen lohnt. Aber ein Spiel besteht nicht aus grafischem Können allein und auch nicht darin, Abwechslung in Wimmelbilder zu bringen. Auch Letzteres ist unbestreitbar vorhanden, Umriss-Suchen, Bildergeschichten, mehrteilige Szenen, Wortsuchlisten (mit wenig bis null Interaktion) - und alles ist langweilig. Eine echte Suche ist meist nicht gegeben, die Objekte springen dich an und wenn sie es nicht tun, dann macht es das auch nicht besser.

Schlimmer noch sind die Puzzle. Zum einen wiederholen sie sich, oft (aber nicht immer) im gleichen Mäntelchen. Sie bieten keine bis wenig Herausforderung und so werden wohl die Spieler, die Wert auf ein gutes Spiel legen, genervt mit der Überspringfunktion liebäugeln. Und sie, je nach Dauer der Aufladezeit, nur deshalb nicht nutzen, weil man schneller durch ist, wenn man es selbst erledigt. Dem ein oder anderen mag da die Möglichkeit, die Moduseinstellungen jederzeit über die Optionen zu ändern, extrem verlockend erscheinen.

Doch das sollte man wahrlich nicht tun - also überspringen. Denn wer weder bei den Puzzles noch bei den zahllosen, langatmigen und nutzlosen Dialogen und Einspielern aufgibt, wird zumindest noch mit ca. 3 Stunden Spielzeit "belohnt" (plus ca. 30 Minuten für das Bonusspiel). Neben den Dialogen und den Einspielern, gibt es noch die zum millionsten Mal erzählte Geschichte von der armen Prinzessin, die gerettet werden muss, ausgewälzt (nebenbei wird dabei natürlich auch die ganze Welt gerettet). Auch die ist nicht neu, nicht spannend, nicht mitreissend. Und genau das ist das Problem mit dem Spiel und überhaupt mit den MadHead-Spielen (und einigen anderen) zur Zeit.

Wer sich für ein Spiel entscheidet, möchte spielen. Doch durch die (unsinnigen) Dialoge, die falschen Texte, die nutzlosen Einspieler, die immer wieder auftauchen und den Spieler aus dem Spiel reißen, fühlt man sich als Randfigur. Der Spieler wird zur Nebensache, wichtiger wird die Darstellung der eigenen Fähigkeiten. Ob Wimmelbild, Puzzle oder Abenteuer - nichts davon ist in Dark Realm: Frostiger Fluch wirklich spürbar, spielbar, erlebbar. Alles scheint beiläufig und gerade bei den Wimmelbildern fragt man sich, ob dieses Empfinden nicht eher im Gesamtpaket liegt, als an der einzelnen Szene selbst. Doch am Ende ist egal. Das Spiel funktioniert nicht wirklich als Spiel.

Wer die Sammleredition sein eigen nennt (und sich damit wahrlich keinen Gefallen getan hat), sammelt während des Spieles Kronen. Ironischerweise sind diese noch die am kreativsten und besten versteckten Objekte im vorliegenden WIMMELBILD-Puzzle-Abenteuer. Es gibt außerdem Hintergründe, ein Legepuzzle, die Wimmelbilder können erneut gespielt werden, dazu ein Making of, Auszeichnungen und der Soundtrack. In jedem Wimmelbild kann ein veränderliches Objekt gefunden werden. Das Bonusspiel erzählt, wie alles begann und ist eine weitere Herausforderung für all die, die schon vom Hauptspiel gelangweilt waren.

Auch in Dark Realm: Frostiger Fluch geht es nicht um die Geschichte, nicht um das Spiel und schon gar nicht um den Spieler. Es geht einzig und allein, um ein Team, dass die technischen/grafischen Möglichkeiten eines Wimmelbild-Puzzle-Abenteuer präsentieren möchte. Und dabei das Wesentliche übersieht. Aber ebenfalls ein Zeichen der kurzlebigen Zeit, in der wir leben, sind viele Käufer. Längst haben sie sich vorgaukeln lassen, dass Namen und Glanz wichtiger sind, als das Spiel ansich. MadHead Games, für einige Zeit eines der vielversprechendsten Entwicklerteams auf dem Markt, scheint dem Druck der "Schwarmintelligenz" erlegen.