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Dark Parables: Rapunzel's Gesang


tassentassen
Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Blue Tea Games

Download (Normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 30.Juni 2014

Komplett überladenes Wimmelbild-Puzzle-Abenteuer, bei dem der Begriff "zu viel" viel zu wenig ist
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Als Detektiv wirst du im Königreich Floralia gebraucht. Pollen fliegen durch die Luft und machen die Menschen krank. Es hat den Anschein, dass Rapunzel dafür verantwortlich ist. Wann immer sie, begleitet von einer schattenhaften Gestalt, zu singen beginnt, startet der Pollenflug.

Sobald das Spiel geöffnet ist, werden alle Spieler mit einer Bildschirmauflösung von mehr als 1024x768 eine herbe Enttäuschung erleben. Unscharf und breit gezogen ist bereits der Startbildschirm ein Grund, das Spiel nicht weiter zu spielen. Wer viel spielt, kennt dieses Problem und wird sofort in den Optionen nach Abhilfe suchen. Und fürwahr, eine "Widescreen" Option ist gegeben. Wird behauptet. Dem ist aber nicht so. In Wahrheit gibt es eine "Fix aspect ratio" Möglichkeit - so wird es genannt, wenn man im Vollbildmodus eine verkleinerte Darstellung des Hauptbildes mit breiten schwarzen Rändern erhält. Stellt man auf Fenstermodus um, stellt man fest, dass dieser in etwa die gleiche Spielbildgröße hat, nur ohne große Balken an den Seiten.

Dann folgt die Moduswahl, die drei Standardmodi hat und beim Vierten persönliche Einstellungen zulässt. Für jeden Modus kannst du separat wählen, ob Wimmelbilder glitzernd angezeigt werden. Und dieses Feature ist vielleicht das Durchdachteste im gesamten Spiel. Anschließend beginnt der Starteinspieler, per Tonband wirst du (der Detektive) über die Umstände deines Einsatzes informiert. Und dies bringt uns die Erkenntnis: Der Detektiv muss chinesischer Abstammung sein. Er blättert sein Buch nämlich von rechts nach links durch.....

Etwa fünf, maximal 10 Minuten nach Spielbeginn werden die meisten Spieler völlig erschlagen sein. Die strahlenden Farben, die üppigen Bilder, die die Dark- Parables-Serie von Beginn an ausgezeichnet haben, erleben hier eine verschwenderische Zuspitzung der negativen Art. Und dies nicht nur in den Wimmelbildern mit Einzelteil-Suche; die dortige überladung war ja schon immer ein Markenzeichen des Entwicklers. So gut wie jede Szene zeichnet sich durch "zu viel" aus. Aber nicht nur visuell, auch sonst hat Blue Tea Games offensichtlich völlig das Maß der Dinge aus den Augen verloren. Zu viele Einspieler, zu viele Namen, zu viele unterschiedliche Geschichtsstränge, zu viele Notizen, zu viele Objekte, zu viele Baustellen.

Gerade die beiden letzten Komponenten sorgen dann auch schnell zusätzlich dafür, dass man den überblick verliert. Was soll man wo warum und womit tun? Erschwert wird die Sache dann noch dadurch, dass ein ovales Objekt in eine runde Aussparung kommt oder anders herum. Mal ganz davon abgesehen, dass viele Dinge einander so ähnlich sind, dass ein Blick ins Inventar nicht wirklich hilfreich ist. Und ebenso offensichtlich haben auch die Geschichtenerzähler den überblick verloren. Immer wieder entdeckst du, dass die Dinge im Inventar anders heißen, als dies der Text einer "Baustelle" angibt (zum Beispiel: "Hier fehlen drei Krüge" - im Inventar hast du "Kelche"). Wäre halb so wild, wenn es nicht so schrecklich viel von allem gäbe.

Eine Karte gibt es, in klein ist sie dauerhaft zu sehen, durch Klick wird sie größer. Eine Transport-Funktion ist nicht vorhanden, in beiden Versionen fehlt oft die Anzeige, wo es etwas zu tun gibt ("nett" auch... du siehst ein entsprechendes Ausrufezeichen, hast aber überhaupt noch keine Möglichkeit zu diesem Ort zu kommen - da wo du wirklich etwas tun kannst, siehst du .... nichts). Da ist der Tipp, der auch als Richtungsangabe dient, schon zuverlässiger. Aber natürlich mit dem üblichen Manko: Er bringt dich tendenzielle eher an einen Ort, an dem nur ein Einzelteil abgelegt werden kann, statt dir das Wichtige zu zeigen.

Bei den Puzzles gibt es zwei Arten. Zum einen die typischen, mechanischen Puzzles - vor allem das "drehe bis alles am rechten Platz ist", hat es dem Entwickler deutlich angetan. Interessant zu sehen: Im Bonusteil der Sammleredition werden vier mechanische Puzzles angeboten - eines davon kommt nur im Bonuspiel vor. 3 Puzzles und diese wirst du mehrfach in unterschiedlichen Variationen (aber nicht unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden) spielen. Zu oft. Im Bonusspiel der Sammleredition schafft es BlueTea sogar, ein Puzzle derartig zu überladen, dass man Schwierigkeiten hat, zu sehen, was man überhaupt wo wie tun soll. Grundsätzlich ist das Bonuskapitel extrem schlampig gemacht, teilt sich, bis auf eines, die Puzzles mit der Normalversion (allerdings nur die mechanischen, die anderen kommen da nicht vor) und ist ansonsten so überladen wie das Hauptspiel.

Die anderen sind interaktive Puzzles und durchweg schön gemacht. Interagiere mit den Teilen der Szene, um herauszufinden, was du tun musst. Nicht so völlig unlogisch, umfangreich und schwierig wie zuletzt in Madame Fate gesehen, sondern ausschließlich unterhaltsam und als einzige Szenen nicht üppig, nicht überladen.

Geschichtlich erinnert Blue Tea Games an jede Dark-Parables-Figur, die bisher in den Spielen vorkam. Es hat den Eindruck, als wäre die gesamte Märchenwelt eine große Familie, die, wie in früheren Zeiten bei Königs, Inzest förmlich als Lebensform zelebrieren. Wer auch immer irgendwann mal bei dieser Serie eine Rolle gespielt hat, hat in Dark Parables: Ballad of Rapuzel ebenfalls seinen Auftritt und ist irgendwie mit irgendwem verwandt. Neulinge in der Dark-Parables Welt wird dies vermutlich völlig aus der Bahn werfen, Fans der Serie können feststellen, wie gut ihr Gedächtnis ist und der Rest erfreut sich einer Verwirrung, die sich zu allem anderen gesellt, was dieses Spiel leider ausmacht: Mehr als zu viel - an allen Ecken und Kanten. Und doch zu wenig - denn spielerisch bleibt das Spiel völlig auf der Strecke. Wer das zehnte Medallion, die fünfte Figur, das achte Amulett irgendwo eingefügt hat, um etwas zu öffnen, fragt sich in einem nachdenklichen Moment: Hatte ich nicht vorgehabt, zu spielen?

Pompös, üppig, maßlos, überladen, verschwenderisch, feudal, aufgebläht, schon fast protzig kommt Teil 7 der Serie, Dark Parables: Ballad of Rapuzel, daher. Und doch ohne Substanz, (fast) ohne Fortschritte (die interaktiven Puzzles sind gut!) und vor allem ohne ein Gefühl für die Feinheiten. Blue Team Games macht keine Forschritte, sondern bleibt spielerisch auf dem Stand von vor drei, vier Jahren. Das mag einigen Spielern gefallen, ist aber kein Zeichen für Qualität. Dass wir dann per Sammleredition darauf hingewiesen werden, dass vermutlich zwei, mindestens aber noch ein Teil (über Däumelinchen) folgen, mag die eingefleischten Fans freuen. Aber sicherlich auch nur die.

Tiere bringt man auf den Gnadenhof, wenn sie zu alt sind - Blue Tea Games sollte die Größe besitzen, Dark Parables diesem Beispiel folgen zu lassen. Bevor auch die begeisterten Freunde der Serie feststellen, dass sie hier nur noch geblendet werden.


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