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City of Secrets


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: AIDEM Media

Download: BigFish Games.de

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Autor: JL
Datum: 09.07.2012

Schulnoten – Spielidee: 1, Spielaufbau: 2-, Steuerung: 4, Grafik: 4, Musik: 2-, Wiederspielbarkeit: 3, Suchtfaktor: 4
Spielprinzip: Abenteuer
Rahmenhandlung: Rex fällt in ein Loch.
Schwierigkeit: mal Kinderkram, mal Zumutung
Optionen: Spielgeräusche, Musik, Vollbild und Auflösungen, Tipps und Untertitel an/aus, Spielgeschwindigkeit

Wir alle sind Maulwürfe. Das ist die bedeutsame Wahrheit von „City of Secrets“, das Anspruch auf den Orden ausgezeichneten Aberwitzes erheben möchte. Zu Beginn des Spiels hilfst Du Rex dabei, in ein Loch zu fallen. Anschließend übernimmst Du die Rolle des Maulwurfs Kretes, der sowohl mit dem Hund befreundet ist als auch einen Hamster beherbergt, der von Appetitzüglern nichts hält. Deine Mission: Rette Rex! Das wirst Du in Point & Click-Manier einige Stunden lang tun, denn der vom Pech verfolgte Rex landet in der Süßkartoffelstadt Poco Pane, in der es darauf ankommt, schneller als das Pech zu sein.

Kretes muss sich etwas einfallen lassen, um seinem Freund zu folgen, mithilfe einiger ungewöhnlicher Gegenstände gelingt es ihm schließlich. Erst damit fängt die Geschichte eigentlich an. Bedauerlicherweise lässt der Spielwitz ab diesem Zeitpunkt extrem nach. Es ist eben nicht lustig, ständig gesagt zu bekommen, man solle Ventilräder „besser nicht anfassen“, wenn man sie im Anschluss an einen Dialog dann doch zudrehen muss. Solche Stellen, in denen etwas zwar angeklickt werden kann, jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt freigespielt wird, gibt es in diesem Spiel viele. Oft betrifft das offensichtliche Begebenheiten, wie etwa einen Sichtschirm, hinter dem sich Kretes eine Impfbescheinigung abholen soll. Selbst wenn er die Auskunft erhalten hat, dass er die Bescheinigung benötigt und wie er sie erhält, reicht das noch nicht aus, um die Szene zu aktivieren. Er muss erst einen Dialog führen, damit die Sache ins Rollen kommt.

Damit wären wir bei der Hauptsache in City of Secrets – den Dialogen. Im Grunde geht es darum, sich den über die Gespräche transportierten Humor zu erspielen. Meistens nimmt er sich selbstbeschauend auf die Schippe, wenn der Tipp sich beispielsweise dafür entschuldigt, dass er bunte Objekte nicht anzeigen kann, weil der faule Grafiker sie noch nicht angemalt hat oder der Maulwurf erklärt, dass er sich gerne hinlegen würde, das wegen der fehlenden Animation aber leider nicht kann. Der Humor bietet außerdem etwas Neues: Er ist unter anderem politisch-satirisch. Sein zweites Standbein ist der Wortwitz – und hier verliert die deutsche Version ungemein. Sprachwitz, der sich auf die Unterschiede zwischen britischem und amerikanischem Englisch bezieht, ist im Deutschen nicht nachvollziehbar. Deshalb hat man bei der übersetzung ganze Passagen eingespart, was dazu führt, dass der Maulwurf zwar redet, Du aber nichts hörst.

übersetzung und Voice-Over sind ohnehin eine Sache für sich. Die übersetzung ist nicht völlig verhunzt, aber sie beraubt das Spiel seiner humoristischen Glanzlichter. Die Sprecher, mit Ausnahme der Frauenrollen, stolpern ohne Unterlass über ihre mangelnde Professionalität. Wohl oder übel nehmen wir den niedrigen Standard normalerweise hin – aber nicht bei einem Spiel, das zum beträchtlichen Teil von Dialogen lebt. Es sei also dringend empfohlen, die englische Version zumindest auszuprobieren. Die Musik in City of Secrets ist gut anzuhören und passt zum Spiel. Sie ist fröhlich und erinnert in Teilen an die Hintergrundmusik von „Der rosarote Panter“.

Das Spiel grafisch im Knetmännchen-Comic-Design zu gestalten, ist die angemessene Wahl für den alles aufs Korn nehmenden Witz. Die Absicht allein reicht freilich nicht, schließlich schaut sich niemand für mehrere Stunden freiwillig eine Spielumgebung an, die dermaßen klobig wirkt wie Poco Pane. Es handelt sich dabei nicht um eine bloße Geschmacksfrage, denn oft wirst Du fürs Inventar benötigte Dinge nicht erkennen können: Einige sind gar nicht zu sehen, andere sind lediglich zu erahnen, wenn zum Beispiel ein paar Münzen entfernt an zu gelb geratene Brötchen erinnern und Schrauben bestenfalls als heller Klecks erscheinen. Da hilft es nichts, dass Du eine Unzahl möglicher Auflösungen einstellen kannst, die Grafik bleibt trotzdem grobschlächtig.

Dazu passt die zweifelhafte Steuerung, wenn Du etwa vom Marktplatz nicht direkt zum nebenan befindlichen Beamtenschalter gehen kannst, sondern den Maulwurf zuerst an den Bildschirmrand schicken musst, damit er von dort aus zum Schalter gehen kann. Extrem störend werden solche Nachlässigkeiten, wenn es auf Präzision ankommt, bei einem Geschicklichkeitsspiel beispielsweise. An sich ist der Spielaufbau gut erdacht, wenn auch zu willkürlich, um ohne den übrigens sehr hilfreichen Tipp auszukommen. Aber Grafik und seltsame Programmierung machen der Idee einen Strich durch die Rechnung. Letztendlich wird dadurch der Grad von der Herausforderung zur Zumutung überschritten.

City of Secrets hätte ein einzigartiges Spiel werden können, wenn die gleiche Sorgfalt wie bei den Dialogen für den Rest des Spiels aufgewandt worden wäre. So bleibt lediglich die erstklassige Idee erkennbar, abwechslungsreiche Unterhaltung für Freunde bizarren Humors anzubieten. Sie ist an ihrer Umsetzung gescheitert und hat in der deutschen Sprachversion ihren letzten Reiz verloren.


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