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Chimeras: Tödliche Medizin


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Elephant Games

Download (normal): BigFish Games.de
Download (Sammler): BigFish Games.de

Autor: Andreas
Datum: 22.02.2017


Anspruchsarmes Spiel für wenige Stunden, aber mit vielen Emblemen
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Du wirst als Detektiv in eine Stadt gerufen, in der viele Kinder schwer erkrankt sind. Man vermutet auch jemanden, der dafür verantwortlich sein soll, du wirst beauftragt, ihn zu fassen.

Du wählst zu Anfang einen von vier Modi aus, der letzte erlaubt weitgehend freie Einstellungen.

Die Grafik ist gut, klar gezeichnet, Tipp und Karte arbeiten zuverlässig. Beide stellen auch Teleportation zur Verfügung.

Die Wimmelbilder, neun Stück an der Zahl, sind halbwegs aufgeräumt, keine Müllhalden. Die Suchobjekte sind fair bis nicht versteckt und gut zu finden. Insgesamt stellen sie aber nur Durchschnitt dar, Interaktionen sind sparsam und ohne Pfiff.

Alle Wimmelbilder werden nur einmal gespielt. Minispiele sind zahlreicher mit 24 Exemplaren. Sie sind meist leicht, teilweise geradezu unverschämt leicht, bis mittelschwer. Nur wenige sind anspruchsvoller und erfordern Mitdenken. Neues suchen wir vergeblich, viele sind alte Bekannte, darunter gleich mehrmals die Aufgabe, ein Bild aus Einzelteilen zu rekonstruieren.

Die Spielsteuerung lässt den Rezensenten sowohl fassungslos zurück als auch verzweifeln. Ein paar Beispiele gefällig? Wie viel zu oft werden wir auch hier pausenlos mit völlig sinnlosen, weil absolut selbstverständlichen Aufgabenstellungen belästigt. Die Entwickler gehen hier aber einen Schritt weiter: Wir müssen jede Aufgabe auch noch per Mausklick bestätigen, bevor wir weiter machen können. Nahansichten kommen in zwei Varianten vor, eine davon ist einem Standardfenster nach empfunden, wir müssen den Schließknopf betätigen, anstatt einfach irgendwo außerhalb hin zu klicken. Viele Nahansichten bleiben auch aktiv, wenn sie bereits abgearbeitet sind. Diese enthalten eine dieser sinnlosen Notizen. Würden diese eine wichtige Information enthalten, die man noch einmal nachlesen möchte, wäre dagegen nichts zu sagen. Aber das ist mitnichten der Fall. Und nur noch nervig ist der Umstand, dass aber auch jedes einzelne gefundene neue Inventarobjekt mit der Mitteilung quittiert wird: "Das könnte vielleicht nützlich sein." Ach ja?

Kommen wir zum katastrophalen Teil, der Abenteuer-Komponente. Es kommt zwar kein kaputter Reißverschluss vor (offenbar hat sich bei den Entwicklern die Einsicht durch gesetzt, dass praktisch alle davon die Nase gestrichen voll haben), aber natürlich ölen wir wieder einmal Rost weg, drehen Schrauben falsch herum heraus und werden informiert, dass es zu dunkel sei, um etwas zu sehen. Wobei wir natürlich alles ohne Probleme lesen bzw. erkennen können. Und dann die Sache mit dem Briefkasten und seiner Fahne: Wann endlich berücksichtigen die Entwickler, dass Fahnen am Briefkasten nicht dazu da sind, diesen zu öffnen! Rennt wirklich jemand mit der Fahne in der Hand los, um nach Post zu sehen? Und der arme Briefträger, was wäre mit dem?

Das sind vergleichsweise Kleinigkeiten, aber es kommt schlimmer. Wir haben des öfteren von A nach B nach A nach B usw. zu laufen, um jeweils eine einzelne kleine Aufgabe zu erfüllen. Diese besteht in der Regel darin, ein Emblem oder ähnliches irgendwo in eine Aussparung einzusetzen, um ein anderes zu finden, das wir einsetzen, um ein weiteres zu finden . . . Man erkennt das Muster. Eine kleine Zählung hat ergeben, dass wir 238 Inventarobjekte finden. Davon sind 12 von vornherein als Emblem bezeichnet, weitere gut 80 heißen zwar nicht so, erfüllen aber denselben Zweck. Und dann gibt es noch 4 Bildkacheln für 3 ähnliche Minispiele. Eine besondere Einlage noch wäre der Erwähnung wert: An einer Stelle haben wir für eine kaputte Leiter (Überraschung auch hier!) Bretter zu suchen. Bei einem teilen wir ein breites Brett in zwei Teile und werden informiert, dass wir nur eines brauchen. Und das geht dann als Brett 1/3 ins Inventar. Seufz.

Ein Wort zur deutschen Fassung: Es ist ja völlig verständlich, dass unterbezahlte Übersetzer nicht mit Herzblut an die Sache gehen. Aber Englischkenntnisse jenseits der 6. Klasse dürfen wir ja wohl doch voraus setzen können. Zum Beispiel bedeutet "must not" eben nicht "muss nicht", sondern "darf nicht". Und starfish mit Sternfisch zu übersetzen ist auch amüsant. Wenigstens heißt er im Inventar dann richtig Seestern. Rechtschreib- und Grammatikfehler kommen auch vor, allerdings nicht allzu häufig. Sehr nett hier die Variante, ein Brett abzukacken.

Zur Länge des Spiels lässt sich nur eines sagen: Es ist das kürzeste, dass ich in letzter Zeit gespielt habe, wie sich schon an der Lösung leicht ablesen lässt. Aber immerhin ist die Geschichte abgeschlossen.

In der Sammlerausgabe haben wir in jeder Szene ein maximal mäßig verstecktes Chamäleonobjekt zu suchen, alle sind Schirme. Dazu gibt es eine Anzahl von Puzzleteilen einzusammeln und Sammelbilder in Nahansichten, die unmöglich übersehen werden können. Dazu gibt es einen Geheimraum, in dem du nach Vollendung des Bonuskapitels Minispiele und Wimmelbilder noch einmal spielen kannst. Das Bonuskapitel selbst führt die Erzählung fort und ist überraschend eher besser als das Hauptkapitel. Und zwar sowohl hinsichtlich Länge als in Bezug auf Minispiele und Wimmelbilder, von denen man sich einige im Hauptspiel gewünscht hätte.

Fazit:
Für wen ist dieses Spiel nun geeignet? Hast du eine ca. 10jährige Tochter (ein Sohn geht natürlich auch), so bietet es sich an, bewaffnet mit einer Kanne Tee neben dem Sprössling zu sitzen und ihn machen zu lassen. Zwei- oder dreimal wirst du wohl zu Hilfe gebeten werden, ansonsten wirst du deine Ruhe haben und ein schönes Buch lesen können, während du bequem deiner Aufsichtspflicht genügst.
Das Spiel ist sehr kurz, sehr einfallslos und mit geringem Anspruch. Die Geschichte ist ohne große logische Probleme recht ordentlich erzählt, mit abgeschlossenem Ende.
Zu empfehlen nur für Spieler, die es lieben, vertraute Wege zu beschreiten. Es wird dringend angeraten, die Demoversion zu spielen. Wenn du davon nicht gleich überzeugt bist, heißt der Rat: Finger weg. Denn es wird später nicht besser.