Beholder


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Herausgeber: Alawar
Entwickler: Warm Lamps Games

Download: Deutschland Spielt

Autor: Claudia K.
Datum:01.02.2017


Sehr, sehr ungewöhnlich auf dem Casual Games Markt
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Eine offensichtlich sehr autoritäre Regierung engagiert dich als Hausverwalter. Doch deine Aufgaben gehen weit über das Übliche hinaus. Du wirst deine Mieter bespitzeln müssen, um sicher zustellen, dass alle ministerielle Anordnungen befolgt werden. Doch von den Mietern wirst du auch in ihre Probleme hineingezogen. Schaffst du die Balance, zwischen Mensch bleiben und gehorsamen Befehlsempfänger? Und gleich noch die Frage dazu: wie fühlst du dich dabei?

Hier nun nur eine Kurzbeschreibung der Abläufe, das Ganze wirklich zu erklären, wäre viel zu komplex für eine Nachlese.
Du spielst als Carl, hast eine Frau und zwei Kinder. In dem zu verwaltenden Haus gibt es 6 Wohnungen. Zu Anfang sind nicht alle besetzt, sie müssen zum Teil renoviert werden. Welche Mieter einziehen, kannst du entscheiden. Per Post und Telefon sowie in Form von Anordnungen erhältst du Aufträge vom Ministerium, dem du auch über Erfolge und mehr zu berichten hast. Bei Erfolg gibt es Geld und/oder Rufpunkte, bei Misserfolg Abzüge, Verwarnungen, im schlimmsten Fall Verhaftung. Du kannst (und musst) mit allen Bewohnern reden. Um zusätzlich Geld zu verdienen, kannst du Mieter erpressen oder bei einem Straßenhändler Gegenstände verkaufen, die du findest. Du kannst stehlen, aber auch das kann zur Verhaftung führen. Gespielt wird mit der Maus, du bewegst dich, in dem du einen Punkt anklickst und dort dann auch hingehst. Ein Doppelklick führt dazu, dass Carl schneller läuft, eine Schaltfläche gibt dir die Möglichkeit, alle Abläufe für einen gewünschten Zeitrahmen zu beschleunigen. Gewöhnungsbedürftig ist auf jeden Fall die gezeichnete Grafik in schwarz/grau mit sehr wenig Farbtönen. Abstrakt und atmosphärisch, schon fast bedrückend, kommt es daher. Wirst du verhaftet (oder umgebracht) kannst du im Menü von der letzten, erledigten Aufgabe her weiter spielen (Schaltfläche "Laden") oder ein neues Spiel beginnen.

Beholder ist keines der 0815-Spiele, in denen du als Held daher kommst. Vielleicht kannst du zu einem werden. Einem kleinen Helden. Aber das hängt von deinen Entscheidungen ab und ich muss zugeben, die sind mir wahrlich nicht immer leicht gefallen. Erpressung, Lüge, Bespitzelung, ja sogar Mord können auf deinem täglichen Arbeitsplan stehen. Jede deiner Entscheidungen hat Konsequenzen. Für dich und für die Mieter. Und wir reden hier nicht von den üblichen Konsequenzen in Casual Games, bei denen die Entscheidung gar nichts ausmachen oder du maximal ein verändertes Schlusssequenzvideo bekommst. Wir reden hier von Entscheidungen, die weiter reichen. Wirst du zum Beispiel eine Giftmischerin decken und sie einfach fortschicken? Dann wirst du etwas bekommen, was dir später vielleicht eine Entscheidung erleichtert. Wirst du einem einsamen Mieter helfen, eine Frau zu finden? Das kann später vielleicht das Leben von anderen retten. Oder gar dein eigenes. Oder das deiner Tochter. Aber es kann auch deinen eigenen Tod bedeuten

Doch all das kannst du vorher nicht wissen und der Weg ist lang, kann durch kleine Fehler (zum Beispiel nicht ans Telefon zu gehen oder der Frau kein Haushaltsgeld zu geben) völlig verändert werden. Einiges, zunächst vielleicht als gut und richtig empfunden, kann im Verlauf ganz anders bewertet werden, aber wie im echten Leben... Fehler sind nur schwer wieder gut zu machen. Durch die vielen Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Entscheidungen verfügt Beholder über eine extrem lange Spielzeit. Erwähnenswert ist auf jeden Fall, dass hier beim Sprecher synchronisiert wurde.

Beholder kann anstrengend sein. Und es ist nicht jedem gegeben, gegen seine Natur zu entscheiden. Und doch, es ist ein Spiel, und das sollte man sich ebenfalls sagen. Wer sich aber unwohl fühlt, der sollte dieses Spiel auslassen. Denn einfacher oder moralischer werden die Entscheidungen nicht, zumal moralische Entscheidungen nicht immer die Besten sind. Es mag erschreckend sein, in einem totalitären System zu "leben" und eine Balance zwischen Gewissen und "Überleben" treffen zu müssen. Es ist mutig, ein solches Spiel auf den Casual Games Markt zu werfen. Es ist gut, aber ganz und gar nicht gut. Diesmal sind wir nicht der strahlende Held und das ist nicht für jeden einfach.