Amaranthine Voyage: Der Wächter von Arden


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Herausgeber: BigFish Games
Entwickler: Eipix

Download (Sammleredition): BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 15.12.2016


Grafik und Puzzle überzeugen, der Rest ist eben ... Eipix.
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Du spielst als Eva und hast das Amt des Wächters von Arden von deinem Großvater geerbt. Das allerdings erfährst du erst, als Arden in Gefahr ist. Gerade wird Fisch Pete gefüttert, als eine silberne Kugel über dem Gartenteich von Eve Glober erscheint. Prismael, der eigentlich von den Hütern Ardens eingesperrt wurde, ist entkommen und will sich Arden und andere Welten zu Untertanen machen.

Vier Modi stehen zur Verfügung; Karte und Tipp dienen als Transportmittel. Als Helfer rangiert ein Amulett, dass dich bei jeder Benutzung damit "herausfordert", dass du die gleichen sechs Symbole paarweise anzuklicken hast. Allerdings musst du es auch nicht allzu oft benutzen. Insofern mag das ein verzeihlicher Schwachpunkt sein.

Im Lied "Wahrheit" aus dem Musical "Tanz der Vampire" heißt es: "Logik, Logik! Wer fragt, dem sagt die Logik: Wie und was und wer und wo und wann." Das war der kurze Exkurs in ein Feld, das Eipix nicht erreichen wird. Schon ganz zu Anfang wissen wir: Oppa ist seit einem Jahr tot. Enkelin Eva lebt und arbeitet in seinem Haus. Eine verschlossene Schreibtischschublade kann aber erst geöffnet werden, als Eva den Schlüssel findet, mit Hilfe eines USB-Ladegerätes, das sie an ihren eigenen Laptop angeschlossen hat. Im Grund ist da für jeden, auch nur annähernd der Logik zugetanen Spieler, das Spiel völlig unglaubwürdig und die Geschichte ruiniert. Im weiteren Spiel hat man dann immer wieder Fragezeichen in den Augen, aber man muss zugeben: Eipix kann schlimmer (und tut es meist auch).

Bei den Wimmelbildern finden wir etwas, von dem man annehmen könnte, dass man dem Spieler noch weniger zutraut, als sonst. Denn statt im Gesamtbild zu klicken, erhältst du kleinere Nahansichten dieses Gesamtbildes und suchst da nach auf engstem Raum liegenden Objekten. Interessanter ist da schon die Puzzle-Suche an zwei Orten gleichzeitig. Doch ohne Zweifel, die meisten Gegenstände der Wimmelbildszenen brauchen nicht gesucht werden, die Interaktionen beschränken sich meist auf einen Klick. Dazu kommen Inventargegegenstände, die man intuitiv auf den ersten Blick erkennt und nehmen will, die aber nicht auf der Liste stehen und man sie erst bekommt, wenn alles andere gefunden wurde. Wie dämlich muss man eigentlich sein, um es als Held(in) in ein Wimmelbild-Puzzle-Abenteuer zu schaffen? Reicht eine Lobotomie oder ist man selbst dann noch zu intelligent? Nun ja, man kann alternativ auch einen nicht sonderlich guten Bubble-Shooter spielen.

Eipix, deren gleichförmige Eintönigkeit dafür gesorgt hat, dass die meisten anderen Entwickler es ihnen einfach nachgemacht und Spiele geschaffen haben, die sich kaum noch voneinander unterscheiden, hat sich allerdings in einer Nische hervorgetan. Momentan ist kein anderer auf dem Markt, der so abwechslungsreiche Puzzles bietet, die über das übliche Kindergartenniveau hinausgeht. Gleichzeitig sorgt man dafür, dass auch die, die Puzzles nicht so mögen, die Chance haben, nicht alle zu überspringen. Es ist also für jeden etwas dabei.

Das Inventar ist voll und du kannst mit Pfeilen von hin und hergehen. Wirst du auch müssen, sonst siehst du nicht, ob du etwas gefunden hast, was du kombinieren kannst. Die als ok zu bezeichnende Spielzeit ist leider nicht ganz Spiel. Es gibt ständig lästige Wartezeiten; erkennbar am durchsichtigen Mauszeiger. So generiert man Spielzeit; auf das Gesamtspiel gesehen sicherlich 10 Minuten. Dazu kommen die Geschichtseinspieler, erzählt in gezeichneten Buchseiten. Die allerdings können bei Nichtgefallen weiter geklickt werden. Lässt du dir Texttipps anzeigen? Dann nicht wundern, diese versagen von Zeit zu Zeit. Und erzählen dir, was nicht stimmt bzw. schon längst passiert ist. Und der Abenteuerteil ist wenig abenteuerlich, dafür aber vorhersehbar.

Und geschichtlich bietet Eipix mit Amarathine Voyage: Der Wächter von Arden auch nichts Neues. Die Guten, die das Böse eingesperrt haben und nun ist das eingesperrt Böse entkommen und nur der/die leider nur mäßig mit gesundem Menschenverstand ausgestattete Held(in) kann die Fantasiewelt und natürlich uns alle retten. Und egal wie viel Worte Eipix benutzt - die Geschichte kommt nicht in Gang, hat keine Spannungsmomente, erzählt nichts, was Eipix und viele andere Entwickler nicht schon viele, viele, viele Male genauso schlecht erzählt haben. Gääääääääääääähn.

Wer die Sammlerversion sein Eigen nennt, sucht Sammlerstücke - komische, goldene Symbole - Vorsicht, es besteht die Gefahr von Verletzungen! Diese Symboldinger springen dir förmlich ins Auge. Von "suchen" kann da wahrlich keine Rede sein. Ausserdem gibt es je ein Chamäleonobjekt pro Wimmelbild.
Das Bonusspiel entspricht in fast allem dem Hauptspiel und erzählt eine weitere Geschichte aus Arden. "Fast alles" bedeutet, dass das Medallion jetzt ohne enervierendes Paarsuchen auf Niedrigniveau funktioniert. Im Souvenirraum kannst du an den 20 Orten je ein Objekt suchen (wo bei das Wort "suchen" in den meisten Fällen auch hier völlig überzogen erscheint). Sammelobjekte und Chamäleonobjekte können in den Extras nachträglich gesucht werden. Die Minispiele und Wimmelbilder gibt es zum nachspielen, außerdem gibt es Auszeichnungen, Musik, Videos, Bilder und den Bubbleshooter.

Grafisch allerdings zeigt Eipix hier mal wieder, dass sie durchaus etwas können. Kreativ sind die Szenen, kreativ ist die Welt von Arden und auch die Gegenstände, die du findest und benötigst. Es ist eine Schande, dass dieser Entwickler sich so oft darauf beschränkt, bereits genutzte Grafiken einfach farblich zu verändern und neu zu benutzen. Schade ist, dass manche Gegenstände in den Wimmelbildszenen nicht zum Spiel passen. Trotzdem: hier bekommt der Spieler visuellen Genuß, der nicht aus der Konserve kommt.

Eipix kann Puzzles. Das wußten wir. Eipix kann auch Grafik. Das wußten wir ebenfalls. Hier in Amarathine Voyage: Der Wächter von Arden hatte man die Güte, dies auch gleichzeitig zu zeigen. Der Rest ist Eipix. Nicht zeigen, dass man eigentlich alles kann. Aber selten will.