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Alice: Behind the Mirror


tassen
Herausgeber: Bigfish Games
Entwickler: Microids

Download: BigFish Games.de

Autor: Claudia K.
Datum: 20.08.2014

Ein gutes Beispiel für: Wie schlecht kann eine gute Idee sein?
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Nichts deutet auf eine besondere Nacht hin, Alice schläft tief und friedlich. Doch dann erscheint die Grinsekatze und im freien Fall geht es hinunter und Alice findet sich im Wunderland wieder. Jabberwocky ist erwacht und will Disziplin und Regeln ins Wunderland bringen. So geht das ja nicht - nur Alice kann helfen.

Den eigentlichen Witz der Rolle des Jabberwockys werden wohl auch nur Lewis Carol Fans verstehen. Dieser schrieb nämlich ein Gedicht mit selbigem Name, dessen Wörter größtenteils nichtexistent sind und somit Chaos bedeuten. Und ausgerechnet Jabberwocky soll hier im Wunderland für Ordnung sorgen? Auch der Jubjub-Vogel, vor dem im Gedicht gewarnt wird, ist hier ein harmloser, kleiner Vogel, genau das Gegenteil dessen also, was der Name symbolisiert. Das hat literarischen Tiefgang oder zumindest Potential für Humor, Spannung, Abenteuer - allerdings nur dann, wenn man so erklärt, dass die Mehrheit es auch versteht. Ohne diese Kenntnis ist es halt nur ein weiterer Gegner und ein weiterer Helfer.

Zwei Dinge fallen zu Beginn auf: Das Spiel ist langsam, es gibt sichtbare Ladezeiten; jeder Klick fühlt sich an, als wäre die Maus voll alter Kaugummis. Und es gibt Grinsekatzengesichter. Viele Grinsekatzengesichter. In jeder Szene meist mindestens zwei, dazu auch in Wimmelbildern. Klickst du diese Grinsekatzengesichter an, erhältst du Informationen zu Lewis Carol, der Geschichte von Alice im Wunderland, zu Verfilmungen und vielem mehr. Auch hier ist der Grundgedanke sicherlich gut gemeint. Doch die Masse an Infos macht es zu einer langatmigen und langweiligen Angelegenheit. Zwar braucht man diese Katzen nicht anklicken, doch oftmals geschieht es automatisch. Und wo ist der Sinn in einer solche aufwändigen Aktion, wenn nicht der, dass die interessierten Spieler es auch lesen? Ich war interessiert, aber ich habe ein Spiel gekauft und wollte spielen. Nicht eine halbe Biographie lesen.

Die Wimmelbilder - sie sind normale Wortsuchlisten, die fast alle zweimal gespielt werden und häufig vorkommen. In genau einem (!) gibt es eine winzige Interaktion. Sie sind chaotisch und überfüllt, zum Teil mit riesigen Objekten. Doch der Großteil dessen, was zu finden gefordert ist, ist klein oder dunkel oder grundsätzlich nicht erkennbar. Spaß sieht anders aus.

Spaß ist es auch nicht, ständig die Laufrichtungen per Pfeil angezeigt zu bekommen, Hintergrundmusik aus der Monument-Builder Serie liefe, endlose Dialoge nur langsam weiter klicken zu können (und sie sich noch mal antun zu müssen, wenn man aus Versehen falsch klickt) oder sich erstmal daran gewöhnen zu müssen, dass Objekte nur mit gedrückter Maustaste aus dem Inventar zu holen sind. Letzteres ist sicherlich kein großes Manko, steht es allein, aber in der Gesamtheit lässt er die zunehmende Gereiztheit, die durch die mittelmäßigen Grafiken nicht gemildert wird, doch spürbar ansteigen.

Die Puzzles sind fast ein Grund zur Erleichterung. Alle bekannt, alle nicht zu schwierig, aber zumindest traut man dem Spieler hier mehr zu als viele Entwickler, die ihre Puzzles offensichtlich im Kindergarten testen.

In Alice: Behind the Mirror trifft ein literaturverliebter Autor, der bisher vermutlich maximal Sachbücher oder Gebrauchsanweisungen geschrieben hat, auf ein Team, das schon bei seiner Zeitmanagementserie lange gebraucht hat, um über den Punkt "unter Mittelmaß" hinaus zu kommen. Technisch, grafisch, spielerisch - in keinem Punkt kann dieses Spiel mithalten. Und das tragische ist: Dieses Thema bei einem guten, interessierten und kreativen Entwicklerteam wäre wohl ein absolutes Highlight. Alice: Behind the Mirror ist dagegen ein weiterer Beweis dafür, dass Microids es vorzieht, sich selbst zu feiern, völlig ohne Grundlage.


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